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Real-Gelände: Kritik an bisherigen Entwürfen in Sachen Klima und Verkehr - Anwohner haben eigene Ideen

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Die Anwohner fürchten eine hohe Belastung für den Stadtteil durch die Bebauung des ehemaligen Real-Geländes am Ortseingang von Dörnigheim.
Die Anwohner fürchten eine hohe Belastung für den Stadtteil durch die Bebauung des ehemaligen Real-Geländes am Ortseingang von Dörnigheim. © Visualisierung: Architekturbüro planquadrat

Alles steht noch ganz am Anfang – das war der Tenor der jüngsten Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung, in der es einzig um die weitere Planung für die Bebauung des Real-Geländes am Dörnigheimer Ortseingang ging.

Maintal – Dennoch mischt sich jetzt schon ein Kreis engagierter Bürger ein, die in der Sitzung sogar Rederecht erhielten. Ihre Befürchtung: Wenn sie sich jetzt nicht Gehör verschaffen, stehen sie irgendwann vor vollendeten Tatsachen und haben keinen Mitgestaltungsspielraum mehr. Daher nutzte Anwohnerin Hayriye Rupin die fünf Minuten, die ihr zu Beginn der Sondersitzung eingeräumt worden waren, dazu, die Anliegen der Interessengemeinschaft darzulegen: „Wir möchten keine Schlafstadt sein, sondern eine lebendige Kommune, in der man gerne wohnt und lebt“, erklärte die Anwohnerin den Hauptbeweggrund der Gruppe.

Die Interessengemeinschaft, die im Kern aus fünf weiteren Dörnigheimern besteht, fordert, dass die Planung für das Real-Gelände mit den weiteren Großprojekten, konkret für das Gelände am Opel-Eck, in der Eichenheege und Maintal Mitte, gemeinsam betrachtet und bewertet wird. „Uns sind dabei vier Punkte besonders wichtig: Verkehr, Klima, Umwelt und die soziale Infrastruktur.“

Das Verkehrskonzept, so die Anwohner, die Kompetenzen in verschiedenen Fachgebieten mitbringen, sei veraltet. Die Planung berücksichtige die neuen Verkehrsaufkommen nicht und bilde nicht ausreichend Verkehrswege für Fußgänger und Fahrradfahrer ab. „Wir fordern ein neues, unabhängiges Verkehrsgutachten“, bringt Christian Rauh die Forderungen auf den Punkt. „Die Nebenstraßen sind in Dörnigheim zu eng. Sie ermöglichen keinen Abfluss des Verkehrs.“ Er befürchtet ein Verkehrschaos, wenn das Konzept nicht ganzheitlich gedacht wird.

Auch unter dem Gesichtspunkt Klimaschutz seien die drei vorliegenden Varianten verbesserungsbedürftig. Die Gebäude seien so hoch und geschlossen, sodass sie die Belüftung der benachbarten Gebiete verhinderten. Außerdem fehle es an unversiegelten Flächen. „Vor allem der Entwurf Landschaftshügel verhindert mit der Riegelbebauung an der Kesselstädter Straße quer zur Windrichtung eine Belüftung der Nachbargebiete“, erklärt Mark Behrend. Genau diesen Punkt – der nahezu durchgehende Siedlungskörper, den Behrendt als „thermische Staumauer bezeichnet“ – kritisiert auch das vom Institut für Klima- und Energiekonzepte erstellte Gutachten an der Variante Landschaftshügel.

Ausgerechnet diese Variante haben die Stadtverordneten allerdings als weitere Planungsgrundlage beschlossen. Die Riegelbebauung und die Gebäudehöhe kritisiert das Gutachten auch an der Variante Schmetterling, die in einen weiteren Entwurf teilweise übernommen werden soll. Behrend hat selbst an den heißen Tagen in der vergangenen Woche Messungen mit einer Wärmebilddrohne vorgenommen und befürchtet negative klimatische Auswirkungen auf den gesamten Stadtteil, wenn die Gebäude wie in den Entwürfen geplant gebaut werden. Weitere wichtige Anliegen sind die soziale Infrastruktur und das Miteinander. „Die entscheidende Frage ist: Wie können 1000 bis 1500 Neubürger integriert werden?“, sagt Norbert Nienhaus.

Grundlegend gegen die Wohnbebauung sind die Anwohner allerdings nicht. „Wir brauchen Wohnraum“, sagt Florian Vogel. „Aber wie das Gelände gestaltet wird, muss sich daran ausrichten, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird. Der Vergleich mit dem Status quo ist da völlig irreführend.“ Vogel spricht sich vor allem auch dafür aus, nicht zu viele Kompromisse um des Investors Willen einzugehen: „Wir sollten uns bei den Planungen nicht von der Angst leiten lassen, der Investor könnte abspringen. Bei dem Filetstück, um das es sich hier handelt, sind wir nicht auf Instone angewiesen.“

Engagierte Anwohner: Hayriye Rupin, Norbert Nienhaus, Mark Behrend, Reiner Michaelis und Christian Rauh haben eigene Ideen für die Bebauung.
Engagierte Anwohner: Hayriye Rupin, Norbert Nienhaus, Mark Behrend, Reiner Michaelis und Christian Rauh haben eigene Ideen für die Bebauung. © Bettina Merkelbach

Dennoch bewertet die Interessengemeinschaft den Beschluss, den die Stadtverordneten in nahezu einmaliger Einigkeit verabschiedet haben, positiv. „In den Beschluss sind viele sinnvolle Ideen eingeflossen. Und er beinhaltet viele Aufgaben für den Investor. Das ist eine gute Basis für weitere Gespräche“, lautet das Urteil der Anwohner. Positiv bewertet die Interessengemeinschaft auch den Dialog mit den Fraktionen. „Das läuft wirklich sehr gut, und wir wünschen uns auch einen so konstruktiven Dialog mit der Verwaltung“, sagt Hayriye Rupin.

„Wir sind nicht die Einzigen, die sich für diese Themen starkmachen“, erklärt Reiner Michaelis, geschäftsführender Gesellschafter der Metzgerei Neupert. Die Interessengemeinschaft sei nur der „harte Kern“. Viele Dörnigheimer teilten ihre Bedenken und Wünsche an die neuen Pläne für den Eingang ihres Ortsteils. Michaelis hat sogar einen eigenen Entwurf gezeichnet und von einem Architekten umsetzen lassen. Kennzeichnend darin: ein Wasserlauf, der sich von einem Brunnen über einen Wasserspielplatz bis hin zur Kita durch das ganze Quartier zieht. 240 Wohneinheiten sieht die eigene Variante der Interessengemeinschaft vor, die sich durch eine luftdurchlässige Bebauung, viel Grün und viel freie Flächen auszeichnet.

Diese und weitere Ideen will die Interessengemeinschaft interessierten Bürgern bei einer Infoveranstaltung am 3. September ab 15 Uhr auf den Mainwiesen vorstellen. „Wir laden alle ein, die sich für das Thema interessieren und in den Planungsprozess einbringen wollen“, sagt Hayriye Rupin.

Von Bettina Merkelbach

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