1. Startseite
  2. Region
  3. Maintal

Raubüberfall auf Caravanverleih: Täter bekommt zwei Jahre

Erstellt: Aktualisiert:

Ferat S. ist wegen eines Raubüberfalls auf zwei Jahren zur Bewährung verurteilt worden.
Ferat S. ist wegen eines Raubüberfalls auf zwei Jahren zur Bewährung verurteilt worden.

Maintal. Gemeinsam mit einem Komplizen hat Ferat S. einen Caravanverleih in Dörnigheim überfallen, die Belegschaft mit Messer und Pistole bedroht und ihr am Ende Reizgas ins Gesicht gesprüht. Dafür hat ihn das Gericht zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Von Dieter A. Graber

Ein Raubüberfall auf einen Caravanverleih in Maintal-Dörnigheim vor zwei Jahren wurde jetzt von der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts geahndet: Mit zwei Jahren auf Bewährung kam der zweite Täter davon. Sein Komplize war für diese Tat und weitere Überfälle bereits zu fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Am 6. Juni 2014, einem Freitag, überfielen zwei Räuber das Reisemobilzentrum Hüttl in Dörnigheim. Es war kurz vor 13 Uhr. Die beiden Männer trugen Schals vor den Gesichtern. Einer hatte eine Pistole gezogen, der andere ein Messer. „Kasse! Kasse! Kasse!“, schrie der Pistolenmann.Idiotenstück der KriminalgeschichteEs war einer jener dilettantischen Überfälle, die entweder total aus dem Ruder laufen oder als humoristisches Idiotenstück die Kriminalgeschichte bereichern. In diesem Fall war es Letzteres.Vor der 2. Großen Strafkammer steht Ferat S., ein kräftiger Bursche, wenn auch leicht übergewichtig. Schwarz der Vollbart, schwarz das Haupthaar, schwarz die Augenbrauen, die aussehen wie gezupft und mit Schminkstift und Bürstchen in Form gebracht. Er arbeitet „in der Sicherheitsbranche“. Er soll der Räuber mit dem Messer gewesen sein. Ferat sagt erst mal nichts.Ferat schafft die mittlere ReifeAuf die Reihe gekriegt hat er in seinem jungen Leben wenig, aber man mag ihm zugutehalten, dass ihm, der vor 27 Jahren in Warendorf (NRW) zur Welt kam, die Zugehörigkeit zur Kultur der kurdischen Ethnie ein Klotz am Bein war. Warum die kinderreiche Familie überhaupt aus der Türkei nach Deutschland kam, bleibt ein Rätsel, zum Arbeiten jedenfalls nicht.Jobcenter und Hartz IV sind die Termini, wenn es um den Lebensunterhalt geht. Man zieht unstet durch die Republik, der kleine Ferat, ein intelligenter Junge, schafft immerhin die mittlere Reife, versucht aber erfolglos eine Lehre als Kaufmann, dann als Informatiker. Er jobbt bei Lufthansa Cargo, als Kellner, in einem Handyladen.Keine Hochzeit mit der Cousine Mit 21 soll er seine Cousine ehelichen. Zwangsheirat heißt das wohl. Die Cousine hätte ja gewollt; er aber nicht.In letzter Minute verweigert er sich und erntet den geballten Zorn der Familie. „Weil doch alles schon vorbereitet war – Saal gemietet, Einladungen verschickt . . .“, erzählt er nun. Irgendwie sei er dann völlig aus der Spur geraten. „Ich fing mit Cannabis an.“  Vier Joints am Tag.Schuldenberg türmt sich aufSo viel kann einer als Security-Fachkraft gar nicht verdienen, um das lange durchzuhalten. Dazu seine Spielsucht. Daddeln bis zum Umfallen. Ein Schuldenberg türmt sich über ihm auf. Und irgendwann . . . – nein, ein Geständnis kommt jetzt nicht, noch nicht, aber die gefühlsselig vorgetragene Biografie lässt ahnen, auf was es hinausläuft. Ferat macht auf Mitleid.Zurück zum Überfall. Manfred H. ist 44 und Geschäftsführer des Caravanhauses im Gewerbegebiet Ost. Ein Mann, der sich nicht so leicht einschüchtern lässt. Auch nicht von bewaffneten Strolchen. „Ich sagte den Tätern, es sei kein Geld im Büro“, erzählt er.Paar Hunderter waren doch in der KasseWar es in Wirklichkeit aber doch, nicht viel freilich, ein paar Hunderter zum Wechseln, in einer braunen Kassette, und natürlich hätte er den Verlust verschmerzen können. „Aber mir geht es gegen den Strich, wenn einer auf diese Art an mein Geld will. Und dann vielleicht noch meine Uhr, mein Portemonnaie?“Auch die beiden Mitarbeiter im Büro blieben gelassen. Kurt Wilhelm A., 61, zum Beispiel: „Ich wurde ja schon mal überfallen. Vor meinem Haus. Mit einem Butterflymesser.“ Er zuckt die Schultern. So was wirft ihn nicht um.Abdelilah Z. wird patzig zur RichterinNur dass einer der Täter den drei Opfern anschließend Reizgas ins Gesicht sprühte, ehe die beiden – entnervt und ohne Beute – flüchteten, war unangenehm. „Hat noch tagelang gebrannt wie Feuer“, erinnert sich Herr H. im Zeugenstand.Für diese Tat (und zwei weitere Überfälle) bereits verurteilt wurde Abdelilah Z., 29. Er muss jetzt als Zeuge ran in Saal 215. Er windet sich. „Ich habe keine Erinnerung mehr“, sagt er lakonisch und: „Den Angeklagten kenne ich gar nicht“ und schließlich patzig zu Richterin Susanne Wetzel: „Ist mir doch egal, ob Sie mir Ordnungshaft aufbrummen!“Ex-Mitarbeiter stand schmiereEr scheint ein ganz Harter zu sein. Er hat fünf Jahre und drei Monate kassiert. Jetzt gibt es noch mal 500 Euro Ordnungsgeld, ersatzweise zehn Tage Haft oben drauf, und siehe da: Die ganze Härte Abdelilahs schnurrt plötzlich zusammen wie ein ausgeleierter Luftballon.Ja, es sei der Ferat gewesen, räumt er kleinlaut ein. „Er schuldete mir einiges, da habe ich ihn überredet, mitzumachen.“ Den Tipp hätten sie von einem ehemaligen Mitarbeiter der Firma bekommen, der übrigens Schmiere gestanden habe bei dem Überfall. Auch der Angeklagte macht nun reinen Tisch. „Geständige Einlassung“ heißt das in der Gerichtssprache. Etwas spät, aber immerhin.Vor Kurzem Vater gewordenFerat S. kommt mit zwei Jahren auf Bewährung davon. Um Drogen und Spielautomaten mache er nunmehr einen großen Bogen, beteuert er.Das könnte daran liegen, dass er vor kurzem Vater einer Tochter wurde. Brav zahle er Unterhalt, begeistert kümmere er sich um die Kleine. Vielleicht kriegt er ja doch noch die Kurve.

Auch interessant