Im Landgericht Hanau zeigen vier Angeklagte Reue – ihnen drohen trotzdem längere Haftstrafen. 
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Im Landgericht Hanau zeigen vier Angeklagte Reue – ihnen drohen trotzdem längere Haftstrafen. Archiv

Gericht

Prozess um Raub und Entführung in Maintal: Opfer sagt aus - Plädoyers gehalten

  • Michael Bellack
    vonMichael Bellack
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In Maintal wird im Juli 2017 ein Mann von vier Männern ausgeraubt und bedroht. In Hanau findet der Prozess statt. Nach den Angeklagten hat nun auch das Opfer ausgesagt.

Maintal/Hanau – S. hört sich die Entschuldigungen weitestgehend teilnahmslos an. Die Angeklagten, die ihn aus seiner Wohnung gelockt, im Auto festgehalten und bedroht haben, sind der Reihe nach dran und entschuldigen sich für ihre Tat, die jetzt schon drei Jahre zurückliegt. Sie wird ihre Leben jedoch für immer verändern, das wird ihnen bewusst.

Am zweiten Prozesstag werden die Aussagen der in weiten Teilen geständigen Angeklagten noch einmal von einem Polizeibeamten und dem Opfer selbst bestätigt, der Tatablauf ist zum Großteil eindeutig geklärt.

Während die Angeklagten am ersten Prozesstag allerdings allesamt betont hatten, zwar ein Messer dabei gehabt, dies aber nicht ausgepackt zu haben, liefert S. eine andere Darstellung.

Mann aus Maintal wird mit Messer bedroht

Ein Messer, so hatte er es bereits bei der Vernehmung bei der Polizei ausgesagt, wurde ihm von I., der neben ihm auf der Rückbank des weißen Sportwagens saß, an den Hals gedrückt. Und das über einen längeren Zeitraum, die ganze Tat dauerte wohl zwischen 45 und 60 Minuten. Zudem berichtet S. auch von deutlichen Drohungen und einer sehr aggressiven, angespannten Stimmung im Wagen. „Das war keine gesittete Unterhaltung“, schildert er. Unter anderem soll M., der Fahrer, ihm gesagt haben: „Wir schlachten dich ab.“

Außerdem ist sich S. sicher, dass mindestens ein zweites, vielleicht sogar ein drittes Messer im Spiel waren. Geführt von A. und dem Maintaler Ö.

Messer zur Bedrohung des Opfers eingesetzt

Eingesetzt wurden die Messer ausschließlich zur Bedrohung, körperlich blieb S. unversehrt. Doch er berichtet von Panikattacken in Folge der kurzzeitigen Entführung, habe Schweißausbrüche und Schlafstörungen gehabt. Erst einige Tage nach der Tat fühlte er sich in der Lage, in Begleitung eines Freundes zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten.

Ein besonderes Bedürfnis zur Wiedergutmachung hatte der Maintaler Ö. Er und das Opfer kannten sich, hatten durch den gemeinsamen Nenner Marihuana zumindest gelegentlichen Kontakt, jedoch keinen Streit. Von Ö. und dessen Verteidiger erhielt S. noch im Gerichtssaal eine finanzielle Entschädigung für das erbeutete Bargeld und die anderen Wertgegenstände, die aus seiner Wohnung in Maintal gestohlen wurden.

Staatsanwältin fordert mehrere Jahre Haft

Nach Anhörung des Opfers, an dessen detaillierten Aussagen weder die vier Verteidiger noch die Kammer die geringsten Zweifel haben, wird auch klar, dass der Fahrer M. bei der ganzen Sache nicht ganz so unschuldig war, wie er das in seiner Aussage zunächst betont hatte. Auch seinem Verteidiger Dr. Bernd Stein gegenüber war er wohl nicht ganz so ehrlich. Dieser wollte ursprünglich auf einen Freispruch hinwirken, stellte dann aber fest, dass spätestens nach den Aussagen des Opfers auch aus M. ein Mittäter wird. Jedoch verwies er darauf, dass sein Mandant als Fahrer wohl den geringsten Beitrag zur Tat geleistet habe.

Große Unterschiede in der Strafbewertung sah Staatsanwältin Lisa Staab jedoch nicht. Sie sah in ihrem Plädoyer den Tatbestand des gemeinschaftlichen erpresserischen Menschenraubs und des schweren Raubs in einem minder schweren Fall als gegeben. Für die vier Angeklagten forderte sie Haftstrafen in Höhe von drei Jahren und drei bis sieben Monate. Neun Monate davon könnten aufgrund der langen Verfahrensdauer jedoch als vollstrecke angesehen werden.

Verteidiger plädieren für Bewährungsstrafen

Die Verteidiger verwiesen in ihren Plädoyers auf die Lebensumstände der Angeklagten, auf Geldnot, Drogen- und Familienprobleme: Und darauf, dass nur einer der Angeklagten bisher geringfügig gerichtlich in Erscheinung getreten ist. Alle vier Verteidiger sahen eine Freiheitsstrafe als gerecht an, allerdings mit einer Maximaldauer von zwei Jahren – und damit auf Bewährung.

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