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Prozess um Mord ohne Leiche: Automechaniker berichtet über eine seltsame Fahrt

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Von: Thorsten Becker

Was ist in dieser Werkstatt geschehen? Im Schwurgerichtsprozess um das mysteriöse Verschwinden des 79-jährigen Alojzij Z. hat ein ehemaliger Angestellter von Ralf H. ausgesagt.
Was ist in dieser Werkstatt geschehen? Im Schwurgerichtsprozess um das mysteriöse Verschwinden des 79-jährigen Alojzij Z. hat ein ehemaliger Angestellter von Ralf H. ausgesagt. © Thorsten becker

Sind es Indizien, die darauf hindeuten, dass der vor dem Hanauer Schwurgericht angeklagte Werkstattbesitzer Ralf H. seinen Vermieter Alojzij Z. getötet und dessen Leiche beiseitegeschafft hat? Oder ist das alles eine Reihe von Zufällen?

Maintal/Hammersbach/Hanau – Wer am Donnerstag den Zeugen B. (38) hört, der tut sich schwer, alles in die „Zufall“-Schublade zu stecken. Denn der Automechaniker, der auf dem Zeugenstuhl sitzt, berichtet sehr sachlich, was er am 21. Januar vergangenen Jahres in der Werkstatt in Langen-Bergheim und wenig später in Maintal erlebt, gesehen und gehört hat. Es ist der Tag, an dem Z. spurlos verschwunden ist.

Ralf H., seinen ehemaligen Chef, mit dem er vier Jahre „gut zusammengearbeitet hat“, belastet er mit seiner Aussage sehr. Denn B. hat ein gutes Gedächtnis und erinnert sich genau, was an diesem Tag zunächst in der Hammersbacher Werkstatt geschehen ist.

Er sei pünktlich um 8 Uhr zur Arbeit erschienen und habe sich gleich daran gemacht, einen Mercedes der A-Klasse zu reparieren. Er erinnert sich auch genau daran, an diesem Vormittag auch Z. auf dem Gelände gesehen zu haben. Danach hat er den 79-Jährigen nicht mehr gesehen.

Den Zeugen L., der ein Reparaturangebot abholen möchte, trifft er ebenfalls um die Mittagszeit im Büro. L. hatte zuvor ausgesagt, seltsame, dumpfe Geräusche in dem Gebäude gehört zu haben (wir berichteten). Das war offenbar, bevor der Automechaniker den Raum betritt. Während seiner rund einstündigen Mittagspause im ersten Stock hört B. jedoch nichts Auffälliges. Kann er auch nicht, denn er benutzt einen Kopfhörer, ist im Internet unterwegs und sucht nach Schrauben, die er privat benötigt. Bei einer Firma in Maintal wird er fündig.

Nach der Pause macht sich der Automechaniker an einen blauen Opel, der zur Inspektion in die Werkstatt gekommen ist. „Erst habe ich den Ölwechsel gemacht und dann bemerkt, dass die Freilaufrolle von der Lichtmaschine blockiert ist.“ Er geht zu H., zeigt ihm den Defekt. B. und sein Chef gehen gemeinsam ins Büro. Das Ersatzteil ist vorrätig – bei einer Autoteilefirma an der Gutenbergstraße in Maintal-Bischofsheim. „Ich bin mit unserem Firmenwagen dort hin, wollte anschließend auch meine Schrauben abholen“, sagt B. aus.

Doch dann habe ihn sein Chef plötzlich angerufen. „Er hat mir gesagt, dass ich in Maintal auf ihn warten soll. Er wollte dort einen blauen Bus abstellen – ich sollte ihn dann abholen und mitnehmen.“ „Gab es denn einen blauen Bus auf dem Hof der Werkstatt?“, will die Vorsitzende Richterin Susanne Wetzel wissen. „Nein, ich habe keinen gesehen“, sagt B., der zunächst das Ersatzteil holt und dann vergeblich an der Gutenbergstraße auf H. wartet. Dann beschließt er, zunächst seine privat benötigten Schrauben zu holen. Genau an der Ecke Kreuzstein/Bruno-Dreßler-Straße kommt H. ihm entgegen. Beide fahren zurück nach Hammersbach. Ist es ein Zufall, dass H. an dieser Kreuzung ist?

Denn wenige Meter weiter findet ein Zeuge später ein Handy. Es das Handy von Z. – und das Blut des 79-Jährigen klebt daran. Kurz darauf entdeckt die Polizei den schwarzen Porsche Cayenne von Z. an der Bruno-Dressler-Straße – der Straße, aus der H. zu Fuß kommt. Könnte es sein, dass H. den Porsche seines Vermieters, mit dem er im erbitterten Streit lag, dorthin gefahren hat? Das muss das Gericht bewerten.

Von Thorsten Becker

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