Die beiden wegen räuberischer Erpressung angeklagten Brüder nahmen gestern gemeinsam mit ihren Rechtsanwälten Reiner Freydank (vorne links) und Gordian Hablizel (hinten rechts) das Urteil entgegen.
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Die beiden wegen räuberischer Erpressung angeklagten Brüder nahmen gestern gemeinsam mit ihren Rechtsanwälten Reiner Freydank (vorne links) und Gordian Hablizel (hinten rechts) das Urteil entgegen.

Aus dem Gericht

Prozess um Maintaler Drogendealer: Prozess wird schnell beendet

  • vonRainer Habermann
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In einem Prozess, der zum Teil hinter verschlossenen Türen geführt wurde und dessen Wurzeln im Dunkel der Vergangenheit ruhen, ist am Montag nach nur zwei Verhandlungstagen ein recht mildes Urteil gesprochen worden.

Maintal – Das Verfahren gegen einen der beiden 25 und 26 Jahre alten Rauschgiftdealer, zwei Brüder aus Hanau, denen die Staatsanwaltschaft gemeinschaftlich begangenen Raub, räuberische Erpressung und Körperverletzung vorgeworfen hatte, wurde vorerst eingestellt.

Tarik S. konnte nach Hause gehen, da er auch bereits eine Haftstrafe aus einem früheren Verfahren vor dem Amtsgericht Amberg (Oberpfalz), die teilweise zur Bewährung ausgesetzt war, verbüßt hatte. Hier ging es um „bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringem Umfang“ aus dem Jahr 2016, wie das Dealen auch mit Haschisch und Marihuana im Amtsdeutsch genannt wird.

Mit der Verfahrenseinstellung war quasi die „Drogengeschichte“, die hinter den jetzt verhandelten Vorwürfen stand, abgegolten. Den 25-jährigen Angeklagten Asfand S. verurteilte die 2. Große Strafkammer des Hanauer Landgerichts unter der Vorsitzenden Richterin Dr. Katharina Jost zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung. Die Kammer blieb damit am unteren Rand des vereinbarten Strafrahmens. Staatsanwältin Grumann hatte in ihrem Plädoyer eine zweijährige Bewährungsstrafe verlangt, stellte aber – wie auch das Gericht – dem Angeklagten eine positive Sozialprognose aus.

Verurteilte muss 4000 Euro an den Geschädigten zahlen

Außerdem muss der Verurteilte 4000 Euro an den Geschädigten, einen 18-jährigen Maintaler, zurückzahlen, die Asfand von diesem erpresst hatte als eine Art Anzahlung auf angeblich unterschlagene Drogen. Diesen Betrag zahlte Asfands Verteidiger, der Rechtsanwalt Reiner Freydank, unmittelbar im Gerichtssaal an die Vorsitzende Richterin, die das Geld direkt an die Anwältin des Geschädigten weiterleitete.

Ein Bestandteil des zuvor ausgehandelten „Täter-Opfer-Ausgleichs“ ist somit bereits geleistet, ein weiterer, nämlich Schmerzensgeld für die erlittenen Verletzungen und Traumata in Höhe von 2000 Euro, darf der Verurteilte in zehn Raten an das Opfer zahlen. Und ein dritter betraf das umfassende Geständnis, das der Angeklagte auch als Grundvoraussetzung des von der Kammer ausgehandelten „Deals“ abliefern sollte.

Das tat Asfand S. denn auch ausführlich. Er entschuldigte sich sogar mehrfach bei seinem Opfer und erklärte, er sei bereit, „alles zu tun, damit er keine Furcht mehr vor uns haben muss“. Denn diese Angst hatte den Geschädigten auch daran gehindert, zur Urteilsverkündung zu kommen und nur seine Anwältin zum Geldempfang zu schicken, wie diese erklärte.

Asfand habe andere Gedankengänge als damals

Asfand habe „heute ganz andere Gedankengänge als damals“. Die Fälle der Körperverletzung und räuberischen Erpressung liegen immerhin vier respektive drei Jahre zurück: Eine Verfahrensdauer vor zwei Kammern, die auch dem Gericht als zu lang erschien, um eine härtere Strafe zu verhängen.

„Sie haben drei Jahre mit der Ungewissheit leben müssen, wann Ihr Urteil verkündet werden wird“, nannte Jost einen zentralen Grund für die relativ milde Bestrafung. Außer der – wie Asfand S. selbst schilderte – gefestigten Lebensweise, der selbstständigen und erfolgreichen Berufstätigkeit als Mediengestalter, einem geregelten Tagesablauf und dem festen Wohnsitz mit Bruder und Mutter in Hanau.

Die dem Opfer gegenüber geäußerten Todesdrohungen und die zugefügten Verletzungen seien kein „Kavaliersdelikt“, sondern ein schwerer Fehltritt gewesen, der das Opfer gedemütigt und erniedrigt habe, zog die Kammer das Fazit. „Sie haben allerdings ein ganz großes Pfund mitgebracht“, wandte sich Dr. Jost nochmals an den verurteilten Angeklagten. „Sie sind nicht vorbestraft und haben sich auch in den zurückliegenden drei Jahren nichts mehr zu Schulden kommen lassen.“

Es stehe ebenfalls nicht zu befürchten, dass sich derartige Taten wiederholen würden. Die Bewährungszeit dauert drei Jahre, für das erste Jahr wird dem Verurteilten ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Rechtsmittel können binnen einer Woche eingelegt werden.

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