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Zwangspause im Mammutprozess: Das Verfahren gegen die mutmaßlichen Köpfe des auch in Dörnigheim aktiven Bordellrings der „Thai-Connection“ ruht seit Mitte März.

Mindestabstand im Landgericht nicht möglich

Thai-Connection: Mammutprozess soll im Congress Park Hanau fortgesetzt werden

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Seit dem 12. März herrscht Stillstand. Das Mammutverfahren gegen die mutmaßlichen Köpfe des auch in Dörnigheim aktiven Bordellrings der „Thai-Connection“ wegen Menschenhandels, Zwangsprostitution, Ausbeutung und Steuerdelikten muss wegen der Corona-Krise in die Zwangspause.

Jetzt ist eine Lösung greifbar nahe: Die 5. Große Strafkammer am Landgericht Hanau könnte schon bald die Verhandlung fortsetzen. Nicht im Justizzentrum an der Nussallee, sondern im Congress Park Hanau (CPH). Dort könnte die Hauptverhandlung unter Corona-sicheren Bedingungen fortgeführt werden.

„Selbstverständlich helfen wir der Justiz“, sagt Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky auf Anfrage. Zuvor hatte der Rathauschef der Hanauer Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel bereits eine Zusage signalisiert. „Wir müssen jetzt nur noch die Modalitäten klären“, so der OB weiter.

Landgericht kann Mindestabstand nicht gewährleisten

Dazu gehören die Details, wie die Säle in einen Verhandlungssaal mit Beratungsmöglichkeiten und Aufenthaltsbereichen für die beiden noch in U-Haft sitzenden Hauptangeklagten verwandelt werden können. Während am Landgericht selbst bereits einige Prozesse unter Infektionsschutz-Bedingungen problemlos laufen, ist dies für das „Thai-Connection“-Verfahren nicht möglich.

Im Landgerichtsgebäude gibt es keinen Saal, in dem fünf Angeklagte, vier Dolmetscher, zehn Verteidiger, zwei Staatsanwälte, drei Nebenklägervertreter, das fünfköpfige Gericht sowie Wachtmeister und Protokollführer überhaupt gemeinsam – mit jeweiligem Mindestabstand von eineinhalb Metern – untergebracht werden könnten.

Prozess darf nur für zwei Monate pausieren

So hatte die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Andreas Weiß auch am 31. April beschlossen, wegen der Corona-Krise das Verfahren zu pausieren. Das ist nach der aktuellen Gesetzeslage aber nur für maximal zwei zusätzliche Monate möglich. Das wäre das Maximum – sonst müsste der Prozess, der am 21. Mai 2019 begann, nach bereits 40 absolvierten Verhandlungstagen ergebnislos abgebrochen werden und ganz von vorne beginnen müssen.

Das wäre angesichts der Belastung der Hanauer Strafjustiz allerdings ein juristischer Super-GAU. Vor allem, weil sich der Mammutprozess bereits auf der Zielgeraden befindet. Die Beweisaufnahme steht kurz vor dem Abschluss, dann könnten Plädoyers und Urteil folgen.

Hauptangeklagte legte zuletzt ein Geständnis ab

Zuletzt hatte es eine überraschende Wende gegeben: Nach 40 Verhandlungstagen, an denen sie eisern schwieg, legt die Hauptangeklagte, die 62-jährige Deang B., ein Geständnis ab. Sie räumte zusammen mit ihren beiden Strafverteidigern ein, das illegale Netzwerk organisiert zu haben. Ihr Spitznamen „Mae“ (thailändisch für „Mutter“), also Chefin der Thai-Connection, war bereits vorher bekannt.

Der Umzug ins CPH ist für die 5. Kammer indes kein Neuland. Die Juristen sind schon einmal Gäste in den Sälen gewesen. Von 2015 bis 2017 befand sich dort der Verhandlungssaal für das Verfahren gegen Zigarettenschmuggler, das insgesamt 155 Tage in Anspruch nahm.

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