Monika Peukert im Gespräch mit einem Grundstückseigentümer. An seinen noch jungen Bäumen soll voraussichtlich das geplante Praxisseminar „Baumschnitt“ stattfinden. Foto: Pongratz

Maintal

Projekt zur Förderung der Speierlingsbäume gestartet

Maintal. „In Maintal werden die Speierlinge wieder mehr, vor allem Hochstadt ist eine hessische Hochburg“, freut sich Monika Peukert. Die Biologin vom Frankfurter Büro AnLand hat 2014 die Maintaler Exemplare des Sorbus domestica in Feldflur und Gärten kartiert.

Von Ulrike Pongratz

Nun will der Maintaler Arbeitskreis Streuobst auf Basis dieser Erkenntnisse den Speierling nachhaltig fördern, die Bürger informieren und beraten.

So kamen einige der vorab eingeladenen Eigentümer von Speierlingsbäumen am Freitagabend zur Informationsveranstaltung des Projekts „Förderung des Speierlings“ ins Hochstädter Rathaus.

Monika Peukert, Freia Klinkert-Reuschling von der Stadt Maintal und Barbara Fiselius vom Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis warben für den Speierling als „Teil einer lebendigen Streuobstwiesenkultur.“ Diese gibt es vor allem noch in Hochstadt. 116 Exemplare hat Peukert in ihrer Datei erfasst, vom relativ neu gepflanzten Jungbaum bis zum etwa 200-jährigen Methusalem.

„Das ist etwa die Hälfte des Bestandes um 1900“, erklärt Peukert. „Der Speierling hat eine flammend rote, fantastische Herbstfärbung und blüht im Frühjahr wunderschön“, schwärmt sie, während sie die Aufnahmen der prachtvollen Hochstädter Exemplare zeigt. „Die Vielfalt in Hochstadt ist groß. Von August bis in den November reifen Früchte.“

Deren Verwendung und Vermarktung zu fördern, ist ein Hauptziel des Projekts. Denn die Ernte am Baum ist Schwerstarbeit, die Früchte sitzen fest. Jörg Stier von der gleichnamigen Kelterei braucht für seinen Apfelwein genau diese Qualität.

„Zwischen sieben und zehn Tonnen Früchte des Speierlings können wir jedes Jahr keltern“, sagt er, „mehr nicht“. Und fügt hinzu: „Speierlinge keltern ist Strafarbeit.“ Denn ein großer Baum kann durchaus 700 Kilogramm Früchte tragen. Brennereien können Früchte abnehmen, man kann sie auch in der Küche verwenden. Der AK Streuobst plant außerdem ein weiteren Workshop „Kochen mit Speierling“ und sucht hierfür alte Hausrezepte. Eine Manufaktur stellt inzwischen Speierling-Essig her, die Samendarre in Miltenberg nimmt weiterhin Früchte an, um mit lokalem Saatgut aufzuforsten. Das Holz der Bäume ist das härteste Laubholz in Europa und kommt auch als Furnierholz unter „Schweizer Birnbaum“ in den Handel, erfahren die Teilnehmer der Runde.

Das zweite Projektziel nimmt den Erhalt der Bäume, die Pflege der näheren Umgebung und den richtigen Schnitt des Speierlings in den Fokus. Spitzendürre, hohle Stämme – zehn der kartierten Bäume sind mit Sicherheit über 100 Jahre alt – Totholz, Zwieselbildung oder unharmonische Kronen und vieles mehr brachte die genaue Dokumentation der Bäume zum Vorschein.

Hier will der AK Streuobst nicht nur beraten, sondern auch ein Praxisseminar zum Thema Schnitt anbieten. Auf Besitzer sehr alter Bäume können durchaus Sanierungskosten von 1000 Euro und mehr zukommen. Hier bietet die Stadt Maintal neben individueller Beratung auch Hilfestellung durch Geräte und gegebenenfalls finanzielle Unterstützung. „Es ist ein Erlebnis vor diesen alten Bäumen zu stehen“, schwärmt Biologin Peukert. Sie wird zur Blütezeit Führungen durch die Obstwiesen in Hochstadt anbieten, um den Speierling wieder bekannt zu machen. Langfristig soll sich ein Netzwerk oder eine „Speierlings-Gemeinschaft“ gründen, um Erfahrungen und Wissen auszutauschen. Das nächste Werkstattgespräch mit Experten ist am 16. Februar geplant.

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