Die Holzrückmaschine transportiert lange Fichtenstämme aus dem Dörnigheimer Wald. Der Borkenkäfer hatte die Fällung notwendig gemacht. Das Holz wird nun nach China verkauft. Foto: Martina Faust

Maintal

"Problemholz" im Maintaler Wald gefällt

Maintal. Heiner Koch wünscht sich Schnee und Frost. Nicht etwa als romantisches Winterkleid für die Bäume, sondern gewissermaßen als Kur. Denn der Wald leidet, und mit ihm der Revierförster. „Seit Monaten mache ich nichts anderes, als tote Bäume zu markieren“, klagt er.

Von Martina Faust

Grund ist der Klimawandel, der die Ausbreitung von Schädlingen begünstigt, die wiederum den Bäumen zusetzen. Lang anhaltender Bodenfrost würde die Schädlinge allerdings zerstören oder zumindest dezimieren.

Kahlschläge waren unvermeidbar

Wer aufmerksam durch den Maintaler Stadtwald geht, kann die Folgen des Klimawandels nicht ignorieren. Regelrechte Schneisen sind vereinzelt in den Wald geschlagen, weil die Bäume derart geschädigt waren, dass ein Kahlschlag unvermeidlich war. Ganze Fichtenbestände hat der Holzvollernter in den vergangenen Tagen gefällt und entastet. Jetzt ist die Holzrückmaschine im Einsatz, um die Stämme am Wegesrand aufzusetzen oder abzutransportieren.

Tief hat sich das Reifenprofile der schweren Maschine in den weichen Waldboden gegraben. Doch es bleibt keine Zeit, um eine andere Witterung abzuwarten. „Wir müssen das lange Holz noch bis Ende des Jahres vermarkten. Denn nur bis zum 31. Dezember können wir einen Teil noch über den Export abwickeln“, erklärt Koch. Hintergrund ist, dass sich Hessen Forst aus der Holzvermarktung zurückziehen muss.

Preise für Holz sind im Keller

Für die langen Fichtenstämme, die vom Borkenkäfer befallen waren, geht es nach China. Ein guter Absatzmarkt. Eigentlich. „Aber die Preise sind im Keller“, so der Förster. Der Markt wird derzeit überschwemmt mit Holz. Schließlich ist Deutschland nicht das einzige Land, in dem heiße und trockene Sommer den Bäumen geschadet haben. Deshalb sind auch die Perspektiven für die Vermarktung des Kurzholzes nicht sonderlich gut.

Aber die Wirtschaftlichkeit ist das geringere Problem. Vielmehr geht es darum, das Holz jetzt zeitnah aus dem Wald zu schaffen. „Wir müssen zügig arbeiten, damit sich die Schädlinge nicht weiter verbreiten“, sagt Koch. Das Holz muss also in den nächsten Wochen abtransportiert werden, solange der Borkenkäfer im Boden, teils auch im Holz, überwintert und erst im Frühjahr wieder ausschwärmt. Trockenheit und Hitze begünstigen dabei die massenhafte Vermehrung.

Klima macht allen Baumarten zu schaffen

Eine Entwicklung, die nicht nur Fichtenbestände betrifft. „Es gibt mittlerweile keine Baumart mehr, die klimastabil ist“, sagt Koch. Anhaltend heiße und trockene Witterung schwächt die Bäume und begünstigt Verbreitung und Befall durch Schädlinge. „Die Kiefer leidet unter einem Pilz, der Ahorn unter der Rußrindenkrankheit, das Eschensterben geht weiter, und auch Buche und Eiche kommen mit den Veränderungen nicht zurecht“, listet der Förster auf.

Dabei sind die Schädlinge gar nicht so sehr das eigentliche Problem. „Schädlinge gab es schon immer“, sagt Koch. „aber wenn die klimatischen Bedingungen positiv sind, verbreiten sie sich massenhaft“. Das ist in den vergangenen beiden Jahren der Fall gewesen. Seitdem bekommt Maintals Förster „den Horror“, wenn er in seinem Revier unterwegs ist. „Ich arbeite hier seit 35 Jahren. Das ist quasi mein Wald und jetzt muss ich sehen, wie er vor die Hunde geht“, sagt er und die persönliche Betroffenheit ist ihm deutlich anzumerken.

Vor dem Wald liegt eine ungewisse Zukunft

Die Totenklage möchte er aber nicht anstimmen. „Es hat immer Katastrophen gegeben. Dann haben wir von vorne angefangen und wieder aufgeforstet“, sagt Koch. Trotzdem ist diesmal etwas anders. Von einem „Paradigmenwechsel“, spricht der Revierförster. „Wir blicken in eine ungewisse Zukunft und müssen uns ganz andere Gedanken darüber machen, was wir nachpflanzen. Natürlich wird der Schwerpunkt auf Erhalt und Nachzucht der einheimischen Vegetation liegen“, sagt er.

Vor allem auf der Eiche ruhen die Hoffnungen. Aber es werden auch andere Baumarten dazukommen. Vielfalt ist angesagt. Schließlich ist die Erprobungsphase, welche Baumarten mit den klimatischen Verhältnissen gut zurecht kommen, in der Forstwirtschaft eine recht lange. Hier wird in Jahrzehnten gerechnet. „Wir brauchen also einen langen Atem“, sagt Heiner Koch.

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