Ansprechpartner für Senioren bei der Polizei: Burkhard Kratz, Stefan Adelmann, Thorsten Oberth und Alfred Reckenbeil (von links). Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal

Polizei informiert Senioren zur Sicherheit im Verkehr

Maintal. Alle drei Stunden sind Senioren im Main-Kinzig-Kreis an einem Verkehrsunfall beteiligt, in 60 Prozent sind sie die Verursacher. Die Polizei Südosthessen hat deshalb die Präventionsaktion „Generation 65+“ ins Leben gerufen.

Von Carolin-Christin Czichowski

Zehn Beamte standen gestern Vormittag auf dem Globus-Parkplatz im Dörnigheimer Gewerbegebiet und sind aktiv auf Senioren zugegangen. „Wir möchten die älteren Verkehrsteilnehmer sensibilisieren“, erklärt Burkhard Kratz, Leiter der Führungsgruppe Main-Kinzig. Denn egal ob Radfahrer, Fußgänger oder Autofahrer: Ältere Menschen sind im Straßenverkehr vermehrt in Unfälle verwickelt.

Regelmäßige Prüfung der Fähigkeiten

Die Polizei rät deshalb unter anderem dazu, regelmäßig die Seh- und Hörfähigkeit zu überprüfen und sich bei der Einnahme von Medikamenten, die Einfluss auf die aktive Teilnahme am Straßenverkehr haben, über Neben- und Wechselwirkungen beraten zu lassen. „Fahrschulen und Automobilverbände bieten außerdem Checks zur Fahrfitness an und sichern den Teilnehmern auch Schweigepflicht zu“, sagt Kratz.

Denn für ältere Menschen stelle ein möglicher Verlust des Führerscheins eine große Bedrohung dar. „Viele befürchten, dann nicht mehr mobil und im schlimmsten Fall auf andere angewiesen zu sein“, weiß Kratz. Der Führerschein bedeute für viele also Sicherheit und vor allem auch Freiheit.

Diese Angst hat auch eine 75-jährige Dörnigheimerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Ohne meinen Führerschein könnte ich nicht mehr so einfach zum Einkaufen, zum Arzt oder zur Gymnastik“, sagt sie. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wären diese Erledigungen weitaus beschwerlicher, sagt sie. „Meine Kinder wohnen nicht mehr in Maintal und sind beide berufstätig. Und selbst wenn sie noch in der Nähe leben würden, würde ich ihnen nicht zur Last fallen wollen.“

Unfallfrei seit 1969

Die Maintalerin hat im Jahr 1969 ihren Führerschein gemacht, fährt seither unfallfrei. „Nur einmal habe ich beim Ausparken einen Betonpfeiler gestreift und einmal einen Außenspiegel abgefahren“, sagt sie. Doch beides sei schon viele Jahre her. „Ich würde schon sagen, dass ich eine routinierte Autofahrerin bin, auch wenn ich seit ein paar Jahren etwas vorsichtiger bin im Straßenverkehr.“ Körperlich und geistig sei sie zwar noch in der Lage, Auto zu fahren. „Aber ich bin nicht mehr so belastbar wie früher und bin heute vielleicht auch etwas schreckhafter.“

Wenn Senioren in Unfälle verwickelt sind, sind das zumeist kleinere Schäden, etwa beim Aussteigen aus dem Auto oder beim Ein- und Ausparken. „Diese Parkrempler passieren bei älteren Fahrern häufiger“, sagt Kratz.

Obwohl die Haftpflichtversicherung dabei entstandene Schäden übernehmen würde, würden viele trotzdem den Unfallort verlassen, ohne die Polizei oder den Halter des beschädigten Fahrzeugs zu informieren. „Dann wird daraus schnell ‧eine Verkehrsunfallflucht, die ab einem Schaden von 2000 Euro mit dem Entzug der Fahrerlaubnis geahndet wird“, sagt der Kommissar. „Und gerade das wollen ältere Menschen ja vermeiden“, sagt er.

Warten auf Polizei

Deshalb sollte man in einem solchen Fall unbedingt warten, mit dem anderen Fahrer die Kontaktdaten austauschen und den Schaden bei der Versicherung melden. „Sollte der andere Fahrer nicht auftauchen, kann man auch die Polizei verständigen“, sagt Kratz. In rund 60 Prozent der Unfälle auf den Straßen im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen würden die Verursacher zudem eine Unfallflucht begehen. „Diese Zahlen sind alarmierend“, so Kratz.

Um die Passanten auf diese und andere Dinge aufmerksam zu machen, standen die Beamten von der Polizei Maintal, von der Polizei Südosthessen und von der Bereitschaftspolizei gestern von 9.30 bis 14 Uhr auf dem Globus-Parkplatz. „Das ist in etwa die Zeit, in der viele Senioren hier einkaufen gehen“, sagt Kratz. Die Resonanz sei durchweg positiv gewesen. „Damit hätten wir in dieser Form nicht gerechnet“, sagt er.

Schon in der ersten halben Stunde der Aktion hätten die Beamten sich mit rund 40 Passanten unterhalten, ihnen Informationsmaterial angeboten. „Viele haben auch gesagt, dass sie schon von ihren Kindern angesprochen wurden und mit ihnen dann zum Beispiel probegefahren sind“, sagt der Kommissar. Oft sei sicheres Autofahren im Alter also ein Thema, das die gesamte Familie betreffe. „Und das ist auch gut so, denn durch Prävention könnten ein paar ‧Unfälle bestimmt vermieden werden und die Senioren bis ins hohe Alter mobil bleiben.“

Ansprechpartner Die Polizei Südosthessen berät Senioren zu Themen wie Verkehrssicherheit, aber auch Einbruch und Betrug. Ansprechpartner ist Stefan Adelmann, Telefon 0 61 81/10 02 33.

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