Vertraglich geregelte Auflagen sollen eine Grundlage für den Erhalt und Weiterbetrieb des Reiterhofs sein. Diese Paddocks etwa müssen bis zum Jahr 2023 noch abgerissen werden. Foto: Jan Max Gepperth

Maintal

IG Pferdeglück kämpft um den Weiterbetrieb des Hofes

Maintal. Illegale Bauten, falsch gelagerter Mist und das Gefühl, nicht erwünscht zu sein. Das sind Vorwürfe und Zustände, denen sich Karla Reuschling und ihre IG Pferdeglück ausgesetzt sehen.

Von Jan Max Gepperth

Aus diesem Grund hat man vor einigen Jahren Kontakt zum Main-Kinzig-Kreis aufgenommen, um mit Hilfe vertraglich geregelter Auflagen eine Grundlage für den Erhalt und Weiterbetrieb des Reiterhofs Auf der Röde zu schaffen. Doch trotz einer schriftlichen Vereinbarung mit dem Kreis als zuständiger Bauaufsichtsbehörde gibt es weiterhin Konflikte.

Außerhalb von Dörnigheim befindet sich der Pferdehof Schmidt. Dieser wird zurzeit von der IG Pferdeglück betrieben. Grund hierfür ist das fortgeschrittene Alter des Besitzers Roland Schmidt. Mit seinen 85 Jahren sei er, so Reuschling, nicht mehr in der Lage, den Hof ohne Hilfe zu unterhalten. Um weiter zu gewährleisten, dass Pferde auf dem Areal gehalten werden können, gründete die langjährige Nutzerin des Angebots und Pferdefreundin Karla Reuschling im Jahr 2011 die Interessengemeinschaft, die zurzeit 53 Mitglieder zählt.

Viel Ärger im Paradies

„Nach der Gründung der IG haben wir in den ersten beiden Jahren erst einmal groß aufgeräumt und reinegemacht“, erklärt Reuschling. Der Hof selbst befindet sich nach städtischen Angaben sowohl in einem Wasserschutz- als auch einem Landschaftsschutz- und Überschwemmungsgebiet.

Aus diesem Grund habe die Stadt immer wieder Auflagen erhoben, die von der IG erfüllt werden sollten, erzählt Reuschling. „Wir haben daraufhin zum Beispiel einen großen Container angeschafft, damit der Pferdemist nicht mehr auf dem Boden liegt. Sonst würde Ammoniak in den Boden und eventuell ins Grundwasser laufen.“ Trotz der Tatsache, dass die IG Pferdeglück die Auflagen immer erfüllte habe, seien stetig neue Vorschriften der Stadt hinzugekommen, so die IG-Sprecherin

Weil man klare Verhältnisse schaffen wollte, suchte die IG Hilfe beim Main-Kinzig-Kreis. „Es ging nicht darum, dass wir keine Auflagen wollten. Im Gegenteil“, berichtet Reuschling, „wir wollten klare Auflagen, an die wir uns halten können. Trotzdem sollte ein vernünftiges Arbeiten möglich sein.“ Damit reagierte die IG auf das als Willkür empfundene Verhalten der Stadt. „Egal, was wir gemacht haben; die haben sich immer was Neues einfallen lassen.“ Mit dem Kreis habe man, so die Sprecherin der IG, einen fairen und guten Partner gefunden. „Die kommen regelmäßig vorbei, kontrollieren den Fortschritt und gehen dann wieder.“

Nur das Wohnhaus und die Scheune bleiben erhalten

Vor allem die Bauten auf dem Gelände seien, so Reuschling, der Stadt Maintal ein Dorn im Auge. „Im Jahr 1962 wurde die Baugenehmigung für einen festen Bau ausgestellt.“ Diese sei auf zwei Jahre befristet gewesen. Dies bedeute, dass der Bau innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein sollte, erklärt Reuschling. Aus diesem Grunde beinhalten die mit dem Kreis vereinbarten Auflagen den Rückbau aller illegaler Bauten bis 2023, sagt sie. So musste die IG bereits eine Garage und mehrere Paddocks entfernen. Weitere Paddocks werden noch abgerissen, Wie der Main-Kinzig-Kreis auf Nachfrage bestätigt, bleiben am Ende nur das Wohnhaus und eine kleine Scheune erhalten. Alle weiteren Gebäude auf dem Gelände müssen beseitigt werden.

„Die erwähnte Baugenehmigung von 1962 war befristet und ist nicht mehr wirksam“, erklärt MKK-Pressesprecher John Mewes auf Anfrage. Trotzdem würde man die beiden erwähnten Gebäude dulden. „Es sei aber noch einmal betont, dass es schon lange keine wirksame Baugenehmigung mehr gibt“, fügt der Pressesprecher hinzu.„Sollte die Stadt nach Erfüllung der Vereinbarung auf uns zukommen und uns auffordern, dieses Gebäude auch abzureißen, werden wir klagen“, stellt die Reuschling in Bezug auf das Wohnhaus und die Scheune noch einmal klar.

Zwar fällt der Rückbau durch die Abmachung mit dem Kreis nicht mehr in die Zuständigkeit der Stadt, jedoch hat diese eine andere Verpflichtung auf dem Areal: „Die Stadt Maintal ist abwasserbeseitigungspflichtige Körperschaft“, heißt es aus dem Rathaus.

„Die Grundstücke sind nicht an städtische Abwasseranlagen angeschlossen. Daher erfolgen Auflagen zur Abwasserbeseitigung an die Betreiber, wie für andere Grundstücke im Außenbereich auch“, so Pressesprecherin Nicole Bilz.

Vertreterinnen der IG Pferdeglück geben sich kämpferisch

Das bedeutet, dass die Grundstücksnutzer das Abwasser in einer Grube sammeln müssen. Diese wird anschließend einmal im Jahr geleert. Die Stadt Maintal ist dazu verpflichtet, diesen Vorgang zu überprüfen. Zudem hat sich Maintal dazu bereit erklärt, sogenannte Amtshilfe für den Kreis zu leisten. Das bedeutet, dass die Stadt, in Rücksprache mit dem Kreis, die Rückbaufortschritte auf dem Pferdehof überprüfen darf. Die Kosten, die durch den Rückbau entstehen, trägt die Interessengemeinschaft. Hierfür entrichten die Mitglieder regelmäßig einen Beitrag. „Wenn wir genug Geld für einen Arbeitsschritt gesammelt haben, wird er gleich umgesetzt“, sagt Reuschling, „natürlich alles im Rahmen der vorgegebenen Fristen.“

Auch die Stadt ist an diesem Rückbau sehr interessiert. Auf Nachfrage, welche Nutzung man sich im Rathaus für dieses Areal wünsche, heißt es, dass man die Aufgabe der intensiven Grünlandnutzung, die Anlage von auentypischen Magerrasenwiesen und die Schaffung eines Rückhalteraums zum Schutz vor Hochwasser plane.„Das Fernziel ist die Anlage einer Hochflutrinne mit permanent wasserführenden Auengewässern“, erklärt Stadtsprecherin Bilz. Diese Vorstellungen weichen von denen der IG deutlich ab. „Wir bleiben hier und werden hier Pferde halten“, gibt sich Reuschling kämpferisch.

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