1. Startseite
  2. Region
  3. Maintal

Pfarrer Müller geht als Wachenbucher Institution in den Ruhestand

Erstellt: Aktualisiert:

Dass Müller weit über die Grenzen seiner Kirche hinaus eine Institution in Wachenbuchen geworden ist, zeigt sich daran, dass seine Verabschiedung am Kerb-Sonntag im Festzelt am Hanauer Weg stattfinden wird. Archivfoto: Kalle
Dass Müller weit über die Grenzen seiner Kirche hinaus eine Institution in Wachenbuchen geworden ist, zeigt sich daran, dass seine Verabschiedung am Kerb-Sonntag im Festzelt am Hanauer Weg stattfinden wird. Archivfoto: Kalle

Maintal. Der Zeltgottesdienst bei der Wachenbucher Kerb wird diesmal ein ganz besonderer werden: Am 13. August wird mit Pfarrer Helmut Müller eine Persönlichkeit in den Ruhestand verabschiedet, die nicht nur das kirchliche Leben die letzten 35 Jahren geprägt hat, sondern auch über die Grenzen der Kirchengemeinde viel bewegt hat.

Von Lars-Erik Gerth

Wehmut kommt bei dem 62-Jährigen im Gespräch mit unserer Zeitung, das wir bereits vor einigen Wochen geführt haben, noch nicht auf, wenn er auf die vergangenen 35 Jahre zurückblickt. Möglicherweise wird dies am Kerb-Sonntag anders sein, wenn ihm seine Wachenbucher einen gebührenden Abschied bereiten werden. Wenn Helmut Müller von den Anfängen seiner Zeit als Pfarrer der evangelischen Kirche in Wachenbuchen spricht, wird schnell deutlich, dass sich seit März 1982 eine ganze Menge getan hat.

Das fängt schon damit an, dass es keine Kirchengemeinde Wachenbuchen mehr gibt, nachdem es 2005 zur Fusion mit Mittelbuchen kam, aus der die neue Evangelische Kirchengemeinde Buchen entstanden ist. „Es war ein schwieriger Prozess, der jetzt aber auf einem guten Weg ist. Mittlerweile singen die Chöre zusammen, gibt es auch in Mittelbuchen Theateraufführungen und die Konfirmanden fragen nicht mehr danach, aus welchem Ort ihre Freunde stammen“, zieht Müller ein insgesamt positives Fazit über die Fusion.

Evangelische Kirchengemeinden in MaintalAls sehr gut bezeichnet er die Zusammenarbeit mit Pfarrerin Stefanie Bohn. „Im Hinblick auf mein Ausscheiden hat sie auch bereits im vergangenen November die Geschäftsführung der Kirchengemeinde Buchen übernommen“, berichtet ihr Wachenbucher Kollege. Bohn hat allerdings nur eine halbe Stelle, was im Hinblick darauf, dass Müllers Stelle erst nach seinem Ausscheiden ausgeschrieben und es somit zu einer längeren Vakanz kommen wird, durchaus zu einem Problem werden könnte. In dieser Zeit müssen dann wohl auch Pfarrer der anderen evangelischen Kirchengemeinden in Maintal zumindest bei den Gottesdiensten aushelfen. Müller streicht in diesem Zusammenhang das gute Verhältnis der Maintaler Pfarrer untereinander heraus.

Wie sich die Zeiten geändert haben, sieht man auch daran, dass es 1982, als Müller nach seinem Vikariat in Eschwege (wo er auch seine Frau Christina kennenlernte) nach Wachenbuchen kam, dort kein Gemeindehaus und auch keine Jugendarbeit gab. „Und die einzige von der Gemeinde bezahlte Mitarbeiterin war eine Küsterin mit sechs Wochenstunden. Heute haben wir 15 fest angestellte Mitarbeiter“, erinnert sich der heute 62-Jährige an die keineswegs einfachen Bedingungen, die er damals vorfand. Zudem war der Hof des Pfarrhauses während der Vakanz nach dem Ausscheiden seines Vorgängers Günter Karger damals zum Treffpunkt von Jugendlichen geworden, die dort so manches Trinkgelage abhielten.

Jugend- und Theaterarbeit Die Jugendarbeit wurde auch zu einem wichtigen Schwerpunkt von Müllers Pfarrzeit. Dies dann später ebenso im Zusammenhang mit der Theaterarbeit, für welche die Kirchengemeinde heute weit über die Grenzen von Maintal und Hanau hinaus bekannt ist. Seit 2001 ist Christoph Goy der zuständige Theaterpädagoge, der immer wieder für bemerkenswerte Aufführungen im Gemeindehaus sorgt. In einer Übergangszeit war Pfarrer Müller übrigens selbst einmal für ein halbes Jahr für das Junge Theater verantwortlich. Und immer wieder stand er bei den Aufführungen des „Wachenbücher Weltbühnchens“ auf der Bühne.

Wichtig für die Theaterarbeit war das Gemeindehaus, das 1985 eingeweiht werden konnte. Zuvor galt es allerdings für Müller, so manches dicke Brett zu bohren, denn der Kirchenvorstand hatte beschlossen, das Haus an der Kirche zu bauen. Davon hielt der neue Pfarrer allerdings gar nichts, wie er nun 35 Jahre später schmunzelnd bemerkt. Schließlich konnte er sich mit seinem Vorschlag durchsetzen, das Gemeindehaus als Anbau an das Pfarrhaus an der Kilianstädter Straße errichten zu lassen. 2011 folgte dann der weitere Ausbau des Gemeindehauses, der nicht zuletzt der Theaterarbeit zugutekommt.

Kindertagesstätte „Buchennest“Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Kindertagesstätte „Buchennest“. „Wir hatten zunächst zwei Spielkreise. Aber die Nachfrage nach Betreuungsplätzen gerade für Kinder unter drei Jahren wurde immer größer, sodass wir 2004 unsere Kita für 20 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren eröffneten. Heute gehen bis zu 37 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren in zwei Gruppen in die Kita“, blickt Müller auf eine weitere Erfolgsgeschichte zurück. Das letzte große Projekt galt nun der Kirchenrenovierung, deren Innensanierung im Mai abgeschlossen werden konnte. Allerdings stehen jetzt noch einige kleine Restarbeiten aus.

„Es war eine sehr abwechslungsreiche und spannende Zeit. Ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt und möchte mich auf diesem Wege bei allen bedanken“, so Müller abschließend, der sich in seinem Ruhestand auch mehr seinen Kindern und seinem bereits ersten Enkelkind widmen möchte. Für die erste Augustwoche ist nun bereits der Umzug geplant, denn Helmut Müller zieht es in die alte Heimat nach Hachborn, einem Ortsteil von Ebsdorfergrund im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Dann wird er sich auf eine Wochenendbeziehung einrichten müssen, denn seine Frau Christina wird weiterhin in der Kita „Buchennest“ tätig sein.

Auch interessant