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Petition gegen Maintalbad-Neubau mobilisiert und polemisiert

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Was erwarten sich die Bürger vom neuen Maintalbad? Die Petition soll die Diskussion zu dieser Frage in Gang setzen.
Was erwarten sich die Bürger vom neuen Maintalbad? Die Petition soll die Diskussion zu dieser Frage in Gang setzen. © PM

Seit Ende Dezember wirbt die Online-Petition von Damian Kösters um Unterzeichner, die sich für ein „bedafsgerechtes“ Maintalbad aussprechen (wir hatten berichtet). Angesichts von Pandemie, Energiekrise und Ukrainekrieg sei es nicht die Zeit, ein neues Schwimmbad für geschätzte 38,4 Millionen Euro zu bauen, so der Tenor der Eingabe. Die Stadt müsse in den kommenden Jahren ohnehin sparen.

Maintal – Da sei ein ein Neubau der „größten Variante“ mit „teuren Extras“ kaum vermittelbar. Die explodierenden Ausgaben – anfangs waren nämlich nur rund 20 Millionen Euro vorgesehen – würden, so Kösters in der Petition, eine Grundsteuer-Erhöhung, die „Kürzung von Kinderbetreuungsleistungen“, die „Abschaffung der Freiwilligenagentur“ und weitere „Streichungen“ zur Folge haben. Diese Argumente ziehen. 267 Unterzeichner unterstützen die Kritik von Kösters. Allerdings entsprechen nicht alle seine Argument dem aktuellen Stand der Planungen.

Das fängt zum Beispiel dabei an, dass für den Neubau kein Panorama-, sondern ein sogenanntes Cabriodach geplant ist. Diese besondere Konstruktion ermöglicht es, ein und dasselbe Schwimmbecken durch Öffnen und Schließen eines Daches bei Hallen- und Freibadwetter nutzen zu können – eine Idee, die den Unterzeichnern also eigentlich gefallen dürfte, da sie ein ganzes Schwimmbecken „einspart“ und so das Bad insgesamt verkleinert. Der Spraypark – eine Art Wasserspielplatz für größere Kinder –, der ebenfalls als „teures Extra“ kritisiert wird, soll nach jetzigem Stand lediglich vorgerüstet werden, so dass er später umgesetzt werden könnte.

Familien- statt „Spaßbad“ geplant

Auch die Bezeichnung als „Spaßbad“ stimmt mit der aktuellen Planung nicht überein. Die Stadtverordnetenversammlung hat sich für eine grundlegende Ausrichtung als „Familienbad“ entschieden und dabei stets Wert darauf gelegt, dass das Schwimmbad Angebote für alle Generationen vereint. Tatsächlich haben einige Stadtverordnete sogar immer wieder betont, dass Schwimmen eine der wenigen Sportarten ist, die man auch bewegungseingeschränkt und bis ins hohe Alter ausüben kann und das neue Schwimmbad daher der zunehmenden Alter der Bevölkerung Rechnung tragen müsse.

Ein Kritikpunkt, der in vielen Kommentaren der Unterzeichner überwiegt, ist: Ein neues Schwimmbad müsse hauptsächlich dazu dienen, dass die Maintaler Kinder schwimmen lernten. Und tatsächlich wurden die Themen Schwimmkurse und Schulschwimmen in der Planung konsequent mitgedacht. Aus diesem Grund sieht der letzte Planungsstand auch ein eigenes Kursbecken vor, in dem unabhängig vom öffentlichen Schwimmbadbetrieb Kurse stattfinden können.

Eckpunkte für wirtschaftliche Variante abgesteckt

Wichtigster Punkt ist aber sicher der, dass die oft genannte Summe von 38,4 Millionen Euro, die das neue Maintalbad kosten soll, ja bislang nicht investiert wurde. Der eigentliche Bau ist nämlich noch gar nicht beauftragt. In ihrer jüngsten Sitzung zu dem Thema, am 12. September 2022, haben die Stadtverordneten sich lediglich auf einige Eckpunkte für die weitere Planung geeinigt. Dass die geplanten Ausgaben direkt zur Folge hätten, wie es die Petition nahelegt, dass die Grundsteuer erhöht, Betreuungsleistungen gekürzt und die Freiwilligenagentur abgeschafft würde, ist ebenfalls irreführend. Denn diese Maßnahmen sind derzeit lediglich Vorschläge dafür, wie der Haushalt konsolidiert werden kann. Beschlossen sind sie noch nicht.

Was viele, die die Petition unterzeichnen, offensichtlich nicht wissen, ist: Mit der Ausrichtung als Familienbad – das hat das Planungsbüro Krieger Architekten in den Ausschusssitzungen vorgerechnet – hat sich die Stadtverordnetenversammlung für eine wirtschaftliche Variante entschieden. Denn bei einem Schwimmbad, das mit seinem Angebot die ganze Familie anspricht, ist die Differenz zwischen finanziellem Erlös und Aufwand geringer als zum Beispiel bei einem reinen Sportbad, das eben keine Rutsche hat, sondern nur dem Schwimmsport dient.

Alle Infos zum Neubau verfügbar

Einige Unterzeichner stellen sogar den Neubau insgesamt in Frage und fordern stattdessen eine Sanierung des bestehenden Bades. In diesem Punkt hat sich Initiator Damian Kösters selbst allerdings gar nicht festgelegt. „Es kann sein, dass ein Neubau geboten ist“, bleibt er vage. Die Planer hatten allerdings zu dieser Grundsatzentscheidung vorgerechnet, dass angesichts des Alters des Maintalbades eine Sanierung keine nachhaltige Investition wäre. Denn aktuell besteht ein hoher Sanierungsbedarf. Und in circa zehn bis 15 Jahren stünden dann weitere Investitionen an, weil der Rohbau des Bades dann in einem Alter von rund 60 Jahren das Endes seines Lebenszyklus‘ erreicht hätte.

Doch dieses fehlende Wissen ist ein weiterer Punkt, den die Petition moniert: Die Bürger seien „außerhalb des Stadtparlaments und der Berichterstattung der Tageszeitung“ weder „über die Pläne, noch über die zu erwartenden Preissteigerungen für die Besucher“ informiert worden. Tatsächlich kann sich aber jeder Maintaler ein eigenes Bild vom aktuellen Planungsstand und der Diskussion in den Ausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung bilden, indem er die Sitzungen besucht oder live oder im Nachhinein über das Stadtparlamentsfernsehen verfolgt. Alle Unterlagen sind zudem öffentlich im Bürgerinformationssystem einsehbar, das man über die städtische Webseite aufrufen kann. Und nicht zuletzt begleitet der MAINTAL TAGESANZEIGER die Entwicklung zum neuen Maintalbad in seiner Berichterstattung.

Petition kann als Stimmungsbild dienen

Die Petition kann dennoch als wichtiges Stimmungsbild aus der Bevölkerung gesehen werden. Kösters selbst sieht ein Vermittlungsproblem zwischen Bürgern, Stadt und Stadtverordnetenversammlung. Mit der Unterschriftensammlung will er vor allem die Diskussion darüber, was finanziell sinnvoll und von den Bürgern gewünscht ist, in Gang setzen. Dass sich eine kleine, aber wachsende Anzahl an Bürgern gegen den Neubau und einige bereits diskutierte Ausstattungen ausspricht, ist ein Indiz dafür, dass es für ein derart großes Investitionsprojekt, das – und das werden Bürgermeisterin Monika Böttcher und die Stadtverordneten nicht müde zu betonen – das größte Investitionsprojekt in der Geschichte Maintals ist, geeignete Formate zur Bürgerbeteiligung braucht. Die Stadt hat bei weit weniger weitreichenden Projekten – etwa der Entscheidung zwischen gelber Tonne und gelbem Sack – die Bürger zu ihrer Meinung befragt. Für andere Neubauprojekte wurden Veranstaltungen initiiert, bei denen die Bevölkerung ihre Wünsche und Bedenken äußern konnte.

Da diese Formate zum Maintalbad bislang nicht stattfinden, sah Kösters in der Petition eine Möglichkeit, Meinungen aus der Bevölkerung abzubilden. „Wir wollen einen Anstoß dazu geben, auf die Kosten zu achten“, erklärt er. „Um zu mobilisieren, muss man auch ein Stück weit polemisieren.“

Von Bettina Merkelbach

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