Betonschnitzerei unter Zeitdruck: So ist Herzogs Skulptur „Schreiender Durchblick“ entstanden. Foto : Gabriele Reinartz

Maintal

Offenes Atelier: Herbert Herzog arbeitet mit Holz, Stein, Beton

Maintal. Herbert Herzog stellt abstrakte Skulpturen aus Holz, Beton und Speckstein her. In diesem Jahr nimmt er zum dritten mal am „Tag des offenen Ateliers“ in Maintal teil. Wir durften ihm schon im Vorfeld beim Schnitzen zuschauen.

Von Gabriele Reinartz

Abstrakte Skulpturen wohin man sieht: auf der Fensterbank, auf dem Wohnzimmertisch und auch im Garten. Herbert Herzog kann seine Leidenschaft für die nicht alltägliche Kunst nicht verbergen. Besonders angetan haben es ihm Skulpturen aus Holz, Beton oder Speckstein, einem Naturstein, der für seine geringe Härte bekannt ist. Angefangen hat das Hobby des Dörnigheimers schon in der Schulzeit, als er in Hanau die Realschule besuchte. Damals, 1965, arbeiteten sie im Kunstunterricht mit Holz. Es war die Abschlussarbeit der Klasse. Für seine erhielt er ein „sehr gut“.

Herzog hatte sich für eine Wurzel aus Mahagoni entschieden, aus der er eine kleine Figur schnitzte, die er noch heute besitzt. „Die Arbeit machte mir so viel Spaß, dass ich Schnitzen zum Hobby erklärte. Die Wurzeln sammelte ich am Mainufer hier in Dörnigheim, wo ich aufgewachsen bin.“ Was ihn bis heute an seinem Hobby reizt, ist die haptische Wahrnehmung, das tastende Begreifen des Werkes während der Entstehung und schließlich als Endprodukt.

Maserungen und Farben als Inspiration

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Heute ist Herzog Rentner. Hinzugekommen als Material sind zum Holz noch Beton und Speckstein. Mit Letzterem arbeitet er aktuell am häufigsten, weil er von den Maserungen und Farben dieser Steine begeistert ist. Denn diese sind es auch, die ihn zu den abstrakten Formen inspirieren. „Ich schaue mir das Material an und überlege, was daraus werden könnte. Bei den Steinen gibt eigentlich die Maserung vor, wie das Kunstwerk am Ende aussehen könnte“, erläutert er. So passiert es auch schon mal, dass er seine Idee wieder verwerfen muss, weil die Maserung ihm eine andere Richtung vorgibt.

Die Kunstwerke von Max Bill, Henry Moore und Hans Arp beflügeln ihn, wie auch Museumsbesuche und Fotografien. So entstand zum Beispiel der von ihm geschaffene Römerkopf nach einem Foto, das er zufällig gesehen hatte. „Witzigerweise war der Speckstein, als ich ihn kaufte, weißlich. Durch die Bearbeitung, genauer gesagt durch das Schmirgeln, wurde er immer dunkler. Am Ende kam ein schwarzer Römerkopf heraus“, erzählt Herzog.

„Betonschnitzerei ist nicht gerade alltäglich"

Herzogs Atelier ist die mobile Werkbank im Garten. Denn sein Hobby macht nun mal Schmutz. Aus diesem Grund arbeitet er hauptsächlich in den Sommermonaten, im Winter oder an verregneten Tagen gelegentlich in der Garage. Seine „Saison“ fängt jetzt wieder an. Für die Betonarbeiten zimmert er sich selbst Kästen, in die er den Beton gießt und dort erst einmal trocknen lässt. Um dem Beton Farbe zu geben, gibt Herzog Pigmentfarben hinzu. „Betonschnitzerei ist nicht gerade alltäglich. Hier inspiriert mich immer wieder der Künstler Sven Backstein“, verrät er.

Der Reiz, mit diesem Material zu arbeiten, liegt für ihn im begrenzten Zeitfenster. Anders als bei Holz und Speckstein, die man für unbestimmte Zeit zur Seite legen kann, um sie später weiter zu bearbeiten, stehen einem bei Beton vom Guss des Rohlings bis zur Fertigstellung nur zehn Stunden zur Verfügung. „Ich verwende einen ganz besonderen Beton“, sagt er. „Dieser wird nach einer halben Stunde ganz weich, so wie Butter, die gerade aus dem Kühlschrank gekommen ist. In diesem Zustand kann ich die Verschalung abnehmen und mit dem Betonschnitzen anfangen. Geschnitzt wird entweder mit einem herkömmlichen Messer oder mit einem Löffel.“ Danach härtet das Material aus, dann geht nichts mehr. Das sei für einen Künstler wie ihn Adrenalin pur, gesteht er.

Auf das Verkaufen seiner Objekte, denen er stets einen Namen gibt, hat es Herzog nicht direkt angelegt. Aber wer sich für eine seiner Skulpturen interessiere, könne gern auf ihn zukommen.

Weitere Informationen: Das Offene Atelier Maintal findet am Samstag und Sonntag, 25. und 26. Mai, statt. Jeweils von 11 bis 18 Uhr stellen insgesamt 16 Künstler und Künstlergruppen in allen Stadtteilen aus.

›› maintal.de

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