Demonstration von Norma Group und IG Metall
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Der Betriebsrat der Norma Group und IG Metall hatten zu der Kundgebung aufgerufen.

Wegen Stellenstreichungen

IG Metall und Mitarbeiter der Norma Group demonstrieren in Offenbach - „Wir werden weiter kämpfen“

  • Carolin-Christin Czichowski
    vonCarolin-Christin Czichowski
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Die Norma Group will am Standort in Maintal bis zu 200 Stellen streichen, andere Standorte sollen geschlossen werden. Dafür will das Unternehmen nur mit dem Gesamtbetriebsrat verhandeln. Arbeitnehmer und IG Metall wehren sich.

Maintal/Offenbach – Es war kurz nach ein Uhr mittags, als eine alte Feuerwehrsirene ertönte und für einen kurzen Moment alle Geräusche rund um den Offenbacher Hauptbahnhof überschattete. Der Lärm der Straße und der heranfahrenden Busse, die Gespräche von Passanten waren einige Sekunden wie verstummt.

„Jetzt haben wir die Aufmerksamkeit, die wir brauchen“, sagt ein Mann mit Warnweste und pfeift in seine Trillerpfeife. Rund 200 Menschen taten es ihm gleich – denn sie demonstrierten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

IG Metall und Betriebsrat der Norma Group rufen zu Kundgebung auf

Die IG Metall und der Betriebsrat der Norma Group hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Das Unternehmen will am Standort in Maintal bis zu 200 Stellen streichen, das Werk in Gerbershausen in Thüringen soll ganz geschlossen und Teile der Produktion nach Maintal und nach Tschechien verlagert werden.

Um diese Maßnahmen zügig umsetzen zu können, will die Konzernführung nicht mit den Betriebsräten in den betroffenen Standorten selbst verhandeln, sondern mit dem Gesamtbetriebsrat des börsennotierten Konzerns – so zumindest der Vorwurf der IG Metall Hanau-Fulda. Über diese Absicht wurde gestern vor dem Arbeitsgericht in Offenbach verhandelt. Das Ergebnis ist noch offen, eine Entscheidung fällt voraussichtlich am Montag (27.7.2020).

Arbeitnehmer der Norma Group erhalten Unterstützung aus der Politik

„Über die Zukunft eines Standorts kann ich nur als Betriebsrat vor Ort verhandeln“, ist Klaus Ditzel, Vorsitzender des Gremiums am Stammsitz in Maintal, sicher. Unterstützung erhielten er und der Betriebsratsvorsitzende des Standorts Gerbershausen, Swen Niekler, nicht nur von Vertretern der IG Metall, sondern auch aus der Politik.

Bis zu 200 Stellen sollen am Standort in Maintal gestrichen werden.

„Die Norma Group hat in den letzten zehn Jahren große Gewinne erwirtschaftet. Diese Gewinne haben sie der Kreativität und der Leistung der Beschäftigten in Maintal zu verdanken. Wenn jetzt die Auftragslage schwieriger ist, dann darf die Geschäftsleitung nicht gleich mit dem Abbau der Sozialleistungen, der Löhne und der Arbeitsplätze drohen, sondern muss gemeinsam mit den Arbeitnehmern an einer Lösung für die Zukunft arbeiten“, erklärte der heimische Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe (SPD).

Arbeitnehmer und Politik kämpfen für Norma-Standort in Maintal

Es gelte gemeinsam mit dem Sachverstand und der Kompetenz der Mitarbeiter den Standort Maintal langfristig zu sichern. „Es wäre absolut unanständig, Arbeitsplätze in Maintal zu streichen oder nach Tschechien zu verlagern, nur um dort billigere Löhne zu zahlen. Ich fordere die Geschäftsleitung auf, sich anständig und vor allem verantwortungsvoll zu verhalten.“

Ähnlich sieht das auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Jörg Cezanne. „Es kann nicht sein, dass eigentlich profitable Konzerne Standorte stilllegen, um noch mehr Profit zu machen“, erklärte er gestern.

Maintal: Angestellte der Norma Group fühlen sich „verarscht“

Auch Maintaler Kommunalpolitiker hatten sich auf den Weg auf die andere Mainseite gemacht und zeigten so Solidarität mit den Norma-Mitarbeitern. Klaus Seibert, Mitglied der Wahlalternative Maintal (WAM): „Ich habe Ähnliches damals schon bei Honeywell erlebt. Deshalb weiß ich, wie wichtig Solidarität ist.“

„Es ist gut, dass wir Unterstützung von der Politik haben, sowohl vor Ort in Maintal, als auch auf Bundesebene“, sagt auch eine 53-Jährige, die namentlich nicht genannt werden will. „Man muss es sagen, wie es ist: Wir fühlen und alle mächtig verarscht“, so die Norma-Angestellte.

Mitarbeiter der Norma Group und IG Metall wehren sich gegen die geplanten Stellenstreichungen.

„Erst hieß es, es werden die 200 Stellen abgebaut. Jetzt soll in Maintal auch nicht mehr ausgebildet werden. Ich habe das Gefühl, dass die Chefetage eigentlich den ganzen Standort in Maintal schließen will.“

Betriebsrat von Norma Group stellt klar: „Wir werden weiter kämpfen“

Wie auch immer die Entscheidung des Arbeitsgerichts ausfallen wird, für Betriebsratsvorsitzenden Klaus Ditzel steht eines fest: „Wir werden weiter kämpfen. Wir halten das lange aus. Denn an jedem Tag, der vergeht, bekommen die Mitarbeiter noch ihr Geld.“

Das Unternehmen selbst hat sich gestern nicht zur Gerichtsverhandlung geäußert. Eine Stellungnahme ist für kommende Woche angekündigt.

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