Das Maintalbad ist in die Jahre gekommen. 1973 errichtet – die Eingangshalle und der hellgraue Anbau für den Kleinkinderbereich folgten 1987 –, geht der Hallenbadbau seinem Lebensende entgegen. Ein Neubau könnte auf dem Areal rechts des Freibads errichtet werden. Archivfoto: Häsler

Maintal

Ein neues Schwimmbad für Maintal

Maintal. Maintal bekommt ein neues Schwimmbad. Politisch ist das noch nicht entschieden, aber dass es so kommen dürfte, zeichnete sich in der Haupt- und Finanzausschusssitzung am Montag ab. Denn die Vorstellung einer Machbarkeitsstudie zeigte letztlich nur zwei Optionen auf.

Von Martina Faust

Als Optionen kämen einerseits Minimalinvestitionen in die Sanierung in Frage, was einem Sterben auf Raten gleichkäme, oder ein Befreiungsschlag in Gestalt eines Neubaus.

Im Sommer 2017 hatten die Stadtverordneten entschieden, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, um eine Basis für eine politische Grundsatzentscheidung zur Zukunft des stark sanierungsbedürftigen Maintalbads zu erhalten. Die notwendigen Daten und Fakten stellte nun Stefan Studer von der Kannewischer Management AG vor.

Eingehend hat das Beratungsunternehmen den aktuellen Stand, das Marktpotenzial sowie die Wettbewerbssituation untersucht und eine Projektdefinition samt Analyse der Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Optionen geliefert. Das Fazit der Studie: „Das Alter des Bades und funktionale Mängel stellen die Sinnhaftigkeit einer Generalsanierung grundsätzlich in Frage. Ein Neubau ist die nachhaltigste und attraktivste Lösung und daher klar präferiert.“

Hoher Sanierungsbedarf und viel Potenzial

Mehr als sieben Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in Sanierungsmaßnahmen gesteckt. Weitere knapp zehn Millionen Euro wären zeitnah notwendig, um erforderliche Arbeiten ausführen zu lassen. Vor allem im Freibad gibt es einen hohen Sanierungsbedarf bei den Becken. „Dennoch nähert sich das Hallenbad nach 45 Jahren dem Ende seines Lebenszyklus“, machte Studer deutlich. Eine Sanierung erscheint daher wirtschaftlich kaum sinnvoll. Der Berater ließ keinen Zweifel daran, dass eine Sanierung „einem geordneten Herunterfahren“ gleichkäme.

Dabei hat das Bad durchaus Potential, auch das Potential, sich im Wettbewerb mit anderen Bädern in der Region zu behaupten. „Sie haben eine tolle Lage im Grünen mit einer hervorragenden Anbindung“, schwärmte Studer vom Standort am Rand der Grünen Mitte. „Das Alleinstellungsmerkmal sollten Sie allerdings nicht durch ein Highlight, sondern das Gesamtangebot schaffen“, lautete seine Empfehlung.

Einer seiner Vorschläge: ein echtes Kombibad, also die ganzjährige Parallelöffnung von Hallen- und Freibad. „Damit hätten Sie ein Alleinstellungsmerkmal in der Region“, stellte er fest. Weitere Marktnischen ließen sich Studer zufolge mit einem separaten Kursbecken, einer Röhrenrutsche, einer Sauna oder Wasserspielgärten im Hallen- und Freibad nutzen, wo er zudem zu einer funktionalen Aufteilung der Becken riet, „aber nicht zu einer Wasserflächenvergrößerung, weil Sie dann die vorhandene und 2009 sanierte Technik nicht mehr benutzen können“.

Befreiungsschlag Neubau

Ein Neubau käme einem Befreiungsschlag gleich, so Studer, mit dem sich zusätzlich bestehende funktionale Mängel beheben ließen. Dieser Befreiungsschlag würde zwischen 16,2 und 22,3 Millionen Euro – je nach Variante – kosten. So reichen die Vorschläge von einem Hallenbad-Neubau, der die gegenwärtige Situation abbildet, über eine zusätzlich Ergänzung durch eine Röhrenrutsche und ein Kursbecken mit Hubboden, was auch der stärkeren Nutzung durch Schulen und Vereine Rechnung tragen würde, bis hin zu einem zusätzlichen Saunabereich mit Garten.

Hinzu käme bei allen drei Varianten die Erneuerung des Freibads mit separatem Erlebnis-, Schwimm- und Sprungbecken, um die Nutzungskonflikte, die sich im Multifunktionsbecken im Freibad ergeben, zu beheben. Ein Verzicht auf das Freibad ist aus Studers Sicht wenig sinnvoll. „Dann sind die teilweise hohen Sommereintrittszahlen nicht mehr zu erreichen.“ Dabei könnte ein Neubau ohne Betriebsunterbrechung erfolgen, indem das Bestandsgebäude weiter genutzt wird, während auf dem Gelände der Neubau entsteht.

Deutliche Sprache der Zahlen

So waren es am Ende nicht nur Stefan Studer, sondern vor allem die Zahlen, die eine eindeutige Sprache sprachen. „Wir sollten nach vorne blicken. Ich erachte einen Neubau als sinnvoll. Persönlich denke ich, dass ein Mehr im Angebot schön wäre. Ein separates Kursbecken etwa wäre durchaus sinnvoll. Der Bedarf ist vorhanden“, kommentierte Schwimmbadleiter Roland Allmannsdörfer das Ergebnis der Studie.

Mit dieser Sicht war er nicht allein. Auch Bürgermeisterin Monika Böttcher sprach sich dafür aus, dass eine nachhaltige Investition in die Zukunft auch einen Mehrwert bringen sollte. Ähnlich sahen es die Fraktionsvertreter, die in ihren ersten Stellungnahmen einen Neubau befürworteten. Und auch die Stadtleitbildgruppe Maintalbad favorisiert die Neubauvariante mit sinnvollen Erweiterungen im Angebot.

Zunächst jedoch müssen sich die Fraktionen intern beraten, ehe die Stadtverordnetenversammlung die Entscheidung über die Zukunft treffen wird. Fakt ist, dass mit einem Neubau vor 2023/24 nicht zu rechnen ist. Vier bis fünf Jahre kalkuliert die Kannewischer AG für die Prozesse von der politischen Willensbildung über Architektenwettbewerb, Planungs- und Bauphase bis zur Eröffnung.

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