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Künstler Adrian Bischoff hat die Galerie 09 eröffnet.

Fotografie

Neueröffnung in Bischofsheim: In der Galerie O9 wird Natur großformatig in Szene gesetzt

  • VonUlrike Pongratz
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Was könnte das sein? Ein Alien? Ein Insekt oder doch ein Raumschiff? Der inszenierende Fotograf Adrian Bischoff hat eine große Freude daran, wenn Betrachter ihre Fantasie spielen lassen. „Das Schöne an den Bildern ist, dass man immer wieder etwas anderes sieht. Es ist wie beim Rohrschacht-Test“, sagte Bischoff beim Besuch seiner neu eröffneten Galerie in der Oberstraße in Maintal-Bischofsheim.

Hier in den ehemaligen Arbeitsräumen einer Metzgerei präsentiert Bischoff nun großformatige Fotos der Projekte „Monumenta Luminis“ sowie „Woodland“.

Nicht nur die Kunstwerke sind außerordentlich, sondern auch die Atmosphäre der Räume. Zudem weiß Bischoff zu jedem Bild spannende und unterhaltsame Geschichten zum Ort oder zur Entstehung zu erzählen. Adrian Bischoff ist inszenierender Fotograf. Er versucht, Landschaften oder unscheinbare Dinge in der Natur hervorzuheben und auf seine besondere Weise in Szene zu setzen, um zu zeigen, wie großartig und wie entwickelt die Dinge sind.

Wie kommt man auf die Idee, in ganz Europa herumzureisen, um nachts im Gelände Hunderte Einzelaufnahmen einer Gebirgslandschaft zu machen und diese dann auf dem Computer zu einem Großformat zusammenzufügen? „Angefangen hat alles mit einer recht theoretischen Diskussion über die Ausbreitung von Licht unter Fotografen“, lacht Bischoff. Dieser Frage wollte er auf den Grund gehen, kam aber zunächst nicht wirklich weiter. Eher zufällig landete ein Bühnenscheinwerfer in seinem Büro – und das war sozusagen das Heureka. „Der kleine Scheinwerfer hat punktgenau 100 Meter geleuchtet. Es war faszinierend.“

Monumenta Luminis heißt eines der Projekte von Adrian Bischoff. Die Ergebnisse – wie diese Gebirgsinszenierung –hängen als großformatige

Wie ein Kind unterm Christbaum habe er sein neues Spielzeug ausprobiert. Dabei ist es nicht geblieben. Bischoff hat das „Verfahren“ für seine Gebirgsinszenierungen bis an die technischen Grenzen ausgelotet. „Soweit ich weiß, bin ich der Einzige, der so arbeitet“, so der Fotograf. Mit einem umgebauten Equipment – Scheinwerfer, Generatoren und Kameras – ist er seit gut zehn Jahren für seine Aufnahmen unterwegs. Da er für seine Projekte zahlreiche Genehmigungen braucht und Helfer, die vor Ort die Scheinwerfer bedienen, sind diese von langer Hand vorbereitet. Dennoch sagte Bischoff: „Ich habe gelernt, dass man nicht alles planen kann. Man muss dem Zufall eine Chance geben.“ Mal spielt das Wetter nicht mit, mal haben die Menschen an den Scheinwerfern eigene Ideen. Das Ergebnis sieht der Fotograf erst, wenn er die Aufnahmen am Computer gestaltet, die Berge als Monumente freistellt und sichtbar macht. Bis die Bilder ein Stadium erreicht haben, mit dem auch Bischoff zufrieden ist, können Tage, ja Wochen vergehen.

Bei den weißen Klippen von Dover musste Bischoff auf das passende Wetter warten. Tagelang war es windig und nebelig, er hatte ein Boot gechartert, um an der Küste entlangfahren zu können. Schließlich gab es ein Zeitfenster von zwei Stunden, das Team legte los, die Scheinwerfer leuchteten die Küste ab. Da drohte die Beschwerde „Someone is shining in my bedroom“ bei der Polizei das Projekt zum Scheitern zu bringen.

Tatsächlich ganz einmalig sind die Bilder der Geisler-Spitze, die Bischoff im Naturpark in den Dolomiten machen konnte. Denn die Genehmigung für den nächtlichen Ausflug stellte sich im Nachhinein als ein Missverständnis heraus und wird es so nie wieder geben. Auch die „Rote Wand“ in Lech am Arlberg verdankt ihre Besonderheit dem Mann am Scheinwerfer, der das Licht einfach nicht bewegen wollte und nur einen Punkt angestrahlt hat. „Ich hätte das so nie gemacht“, gibt Bischoff zu.

Von Beruf ist der Wahl-Maintaler seit drei Jahrzehnten Werbefotograf. „Ich bin ein Autodidakt auf diesem Gebiet.“ Studiert hat der Frankfurter eigentlich BWL und Japanologie in München. Dann kam das Angebot, für eine Agentur die Kampagne „Der 7. Sinn“ in Print zu inszenieren und so sei er „da so reingerutscht.“ Seit 1989 lebt und arbeitet der Werbefotograf im Rhein-Main-Gebiet.

Öffnungszeiten

Die Galerie O9 in der Obergasse 9 in Bischofsheim ist Dienstag und Donnerstag von 15 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung, 0173 6668429. Weitere Infos im Internet.

In Bischofsheim hat Familie Bischoff vor 14 Jahren ein Zuhause gefunden und hier hat der Künstler nun seine eigene Galerie O9 eröffnet. Coronabedingt ohne große Feier und auch ein wenig später als geplant. Der Pandemie ist auch geschuldet, dass Bischoff zurzeit keine Landschaften porträtiert, sondern sehr viel kleinere Formate in der näheren Umgebung entdeckt hat. Da das Reisen unmöglich ist, geht der Fotograf mit dem Mountainbike querfeldein auf Motivsuche.

In unaufgeräumten Wäldern oder Weinbergen sucht er manchmal stundenlang nach Wurzeln mit besonderen Formen oder Strukturen. Seine fotografische Ausrüstung hat er für diese Zwecke auf Rucksackgröße eingedampft. „Woodland“ lebt vor allem von der Spiegelung der Objekte. Auch diese nehmen erst am Computer ihre endgültige Gestalt an. Da mutiert schon mal ein Elch zur Fledermaus.

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