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Nach langem Hin und Her: Mobile Luftfilter in städtischen Kitas aufgestellt

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Mobile Luftfilter wie hier auf einem Symbolbild aus einer Grundschule wurden nun auch in den Kindertagesstätten der Stadt aufgestellt. Politik und Eltern hatten sich eine deutlich schnellere Umsetzung gewünscht.
Mobile Luftfilter wie hier auf einem Symbolbild aus einer Grundschule wurden nun auch in den Kindertagesstätten der Stadt aufgestellt. Politik und Eltern hatten sich eine deutlich schnellere Umsetzung gewünscht. © Arne DEDERT/DPA

Maintal – Jetzt also doch: Die Stadt hatte den Einsatz mobiler Luftfilter in den städtischen Kindertagesstätten lange kategorisch ausgeschlossen. Vor wenigen Tagen zogen allerdings dort genau solche Geräte ein, die die Luft von Viren säubern und so Kinder und Personal vor einer Corona-Infektion schützen sollen.

Diese Maßnahme hatte die Stadtverordnetenversammlung schon im März 2021 beschlossen. Dazu hatte die CDU einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, dem sich nach langer Debatte auch FDP, SPD, Grüne und WAM anschließen konnten. Kontrovers diskutiert wurde vor allem die Frage, welche Geräte angeschafft werden sollen: Während der Ursprungsantrag Luftreinigungsgeräte „mit geeigneten Filtern oder einem UV-Filtersystem oder einer entsprechenden Technologie“ forderte, wollten die Grünen mehr und plädierten für „aktive Lüftungsanlagen inklusive Wärmetauscher und HEPA-Filter“. Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) hingegen betonte, dass die Hygieneempfehlungen der hessischen Landesregierung und des Main-Kinzig-Kreises regelmäßiges Lüften als wirksamer ansehen. Schließlich verfügten alle Kita-Räume über CO2-Ampeln, die anzeigen, wann frische Luft notwendig ist.

Doch bei aller Kontroverse war Konsens: Der Beschluss müsse schnell umgesetzt werden, um das Infektionsrisiko dort, wo täglich ungeimpfte Kinder und Erwachsene ohne Sicherheitsabstand und Masken zusammenkommen, während der akuten Pandemie zu verringern. Trotzdem passierte lange nichts. Im Juni erfolgte auf Anfrage der WAM ein erster Statusbericht, laut dem sich der Fachdienst Kitas für Kombigeräte entschieden habe, die Luft austauschen und gleichzeitig kühlen.

Damit nahm die Stadt allerdings weniger die Pandemie und mehr die heißen Sommermonate in den Blick, in denen es in sonnenzugewandten Räumen sehr heiß würde. Gleichzeitig schloss die Stadt die jetzt aufgestellten mobilen Geräte aus, da sie eine Gefahrenquelle darstellten. Vor allem kleine Kinder könnten über Kabel stolpern und sich Finger in den Lamellen einquetschen. Die Geräte sollten fest an einer Wand installiert werden. Daher sei es auch nicht möglich – wie von der Stavo beschlossen – freien Trägern Filtergeräte auszuleihen.

Ende September fragte die CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung nochmals nach, wie weit die Umsetzung gediehen sei. Die Antwort: Das Ingenieurbüro Schmittner wurde mit Planung, Ausschreibung und Bauleitung beauftragt. Vor der Installation müsse allerdings eine Stromkapazitätsprüfung durchgeführt werden. Die nächste Anfrage folgte im November: Jetzt, so die Stadt, sei die Fachplanung abgeschlossen, die Geräte würden ausgeschrieben.

Aufgrund der durch die Pandemie „angespannten Marktlage“ betrage die Lieferzeit allerdings circa zehn Wochen. Gleichzeitig werde die Elektroversorgung in allen städtischen Kitas geprüft.

Unterdessen hatte ein freier Träger, nämlich das Behinderten-Werk Main-Kinzig, in der Kita Zauberwald mobile Luftreinigungsgeräte installiert. Und das auch in Räumen, die sich lüften lassen. „Die Geräte bewähren sich. Wir haben davon nur Vorteile“, sagt Teamleiterin Jennifer Richter. Die Geräte produzierten zwar einen gewissen Geräuschpegel. Aber das Team würde sie eben nur unter Volllast reinigen lassen, wenn die Kinder draußen sind oder außerhalb der Öffnungszeiten.

In der Stadtverordnetenversammlung im Dezember sorgten die in den städtischen Kitas immer noch nicht installierten Geräte unter dem Eindruck der drohenden Omikron-Welle erneut für hitzige Diskussionen. In einer Kleinen Anfrage wollte die CDU-Fraktion wissen, warum die Stadt mobile Luftreiniger ablehne und deren Wirksamkeit anzweifele. An der Wirksamkeit bestünden keine Zweifel, antwortete Bürgermeisterin Monika Böttcher für den Magistrat. Aber es müsse zunächst eine sichere Stromversorgung gewährleistet werden. Ein Stromunfall, bei dem sich vor einigen Monaten im Familienzentrum Schillerstraße ein Kind leicht verletzt hatte, dürfe sich nicht wiederholen.

Doch nicht nur die Stadtverordneten drängten monatelang auf die Umsetzung des Beschlusses. Auch der Stadtelternbeirat wurde nicht müde, immer wieder nachzuhaken. „Uns ist das ein großes Anliegen, weil es eben um die Gesundheit unserer Kinder, der Erzieherinnen und Erzieher geht“, sagt Vorsitzende Katy Keller. „Mit Blick auf die älteren und teilweise schlecht belüftbaren Gebäude finden wir, dass Luftfilter ein Baustein sind, wie wir der Lage Herr werden können.“ Die Elternschaft sei daher sehr unglücklich gewesen, dass die Geräte nicht schon vor der Herbstwelle installiert worden seien.

Dass die Stadt mobile Geräte lange ausgeschlossen hat, könne man nicht verstehen. „Klar, die Kombigeräte sind sicher wirtschaftlicher, stehen aber eben nicht schnell zur Verfügung“, sagt Katy Keller. Dass hier wirtschaftliche Interessen Vorrang vor der Gesundheit der Kinder hätten, könnten viele Eltern nicht nachvollziehen. Jetzt hat die Stadt allerdings eingelenkt und die städtischen Kitas doch mit mobilen Luftfiltergeräten ausgestattet. Diese, so der Stadtelternbeirat, könnten allerdings nur eine Übergangslösung sein.

Von Bettina Merkelbach

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