Bei der Diskussion um die Mittagsverpflegung in den städtischen Kitas wird manchem Erwachsenen der Appetit vergangen sein. Doch Hauptsache ist ja, dass es den Kindern schmeckt. Symbolbild: Pixabay

Maintal

Mittagsverpflegung: Vorwürfe und ein kurioser Fehler

Maintal. Das größte denkbare Szenario ist gar nicht eingetreten: Obwohl der Vertrag mit dem bisherigen Anbieter am 31. August ablief, ist die Mittagsverpflegung in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen über eine Interimsvergabe gesichert. Dennoch kehrt um die missglückte Ausschreibung keine Ruhe ein.

Von David Scheck

Die WAM wirft Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) falsches Verhalten vor und macht außerdem auf einen kuriosen Fehler aufmerksam.

Der ganze Schlamassel ist für Außenstehende nicht leicht zu durchschauen: Der Inhalt der Ausschreibung, den die Stadtverordneten in der Junisitzung der Bürgermeisterin buchstäblich um die Ohren gehauen hatten, ist nicht öffentlich einsehbar. Klar wurde lediglich, dass es nicht bloß um redaktionelle Fehler ging. Einziger für nichtbeteiligte Betrachter greifbarer Fakt: Stadtverordnetenvorsteher Karl-Heinz Kaiser (SPD) bestätigte in der Sondersitzung des Stadtparlaments am 14. August, dass ein Rechtsgutachten die Ausschreibung als fehlerhaft bewertet hat.

Die Wahlalternative Maintal kritisiert das Verhalten der Bürgermeisterin in der ganzen Angelegenheit: Böttcher habe die Problematik weder erkannt noch anerkannt und keinerlei Verständnis für die Sichtweise der Stadtverordneten gezeigt. So sei es unverständlich, dass bei der Ausgestaltung der Ausschreibung Lebensmittel aus fairem Handel keine Rolle gespielt hätten – und das, obwohl sich Maintal doch auf den Weg macht, eine sogenannte Fairtrade-Town zu werden. Auch der Trend zu Bio-Lebensmitteln, den es in der Bevölkerung gebe, sei nicht berücksichtigt worden, so die WAM. Eigenen Worten zufolge habe sie die stattdessen formulierten Kriterien als „schwammig und nicht nachvollziehbar“ empfunden.

In ihrer Antwort auf eine Anfrage unsererseits verweist die Stadt Maintal auf die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die in den Ausschreibungen der Stadt Maintal seit 2015 Voraussetzung und von Anbietern zwingend zu erfüllen seien. Das bedeute gleichzeitig, dass nur Anbieter, die diese Kriterien erfüllten, in die weitere Bewertung kämen. Die Qualitätsstandards der DGE dienen laut Stadt als Instrument der Qualitätssicherung.

Ergänzend dazu habe die Stadt Maintal auch Nachweise über das HACCP-Konzept (Hygienemanagement in Bezug auf Hygienegefahren und Lebensmittelsicherheit sowie Überwachung) gefordert. Außerdem seien bei der Herstellung der Gerichte und der Planung der Speisepläne Allergien und Unverträglichkeiten wie Glutenunverträglichkeit, Laktoseintoleranz sowie verschiedene Ernährungsformen (etwa vegan, vegetarisch oder ohne Schweinefleisch) berücksichtigt. Doch der Vorwurf der WAM: Der Magistrat habe in seiner Beschlussvorlage dem günstigeren Anbieter den Vorzug gegeben, während jener mit Bio-Essen auf Platz zwei landete.

Ein weiterer Vorwurf der Wahlalternative: Durch die Nichterhöhung des Verpflegungsentgelts müssten die Eltern die entstehenden Mehrkosten tragen. Im Juni hatte der Magistrat eine Erhöhung des Verpflegungsentgelts, in dem Mittagsverpflegung und Zusatzverpflegung zusammengefasst sind, um zehn auf 65 Euro eingebracht. Aus Zeitgründen kam es im Juni zu keiner Beschlussfassung, seitdem stand das Thema nicht mehr auf der Tagesordnung. Stellungnahme der Stadt dazu: Ob es zu Mehrkosten kommt, könne Stand heute noch nicht bestätigt werden.

Der erste Fehler in dieser wahrlich nicht glücklich verlaufenen Geschichte, den auch die WAM erwähnt, geschah noch in der Amtszeit von Böttchers Vorgänger Erhard Rohrbach (CDU): 2015 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Vergabe der Mittagsverpflegung in den städtischen Kindertageseinrichtungen für vier Jahre. Den Zuschlag erhielt die Kindernest Küche GmbH aus Ronneburg, Beginn der Laufzeit war am 1. September 2015, womit der Vertrag bis zum 31. August 2019 Gültigkeit gehabt hätte.

Jedoch wurde versehentlich das Enddatum 31. August 2018 in den Vertragstext geschrieben. Der Fehler fiel keinem auf, auch der Anbieter selbst habe dies nie reklamiert, so die Stadt Maintal. Daher musste ein Jahr früher als geplant neu ausgeschrieben werden.

Das Ergebnis ist bekannt: Die Stadtverordneten folgten der Magistratsvorlage nicht und beschlossen stattdessen eine neue Ausschreibung, deren Vertrag zum 1. April 2019 beginnen soll. Bis Ende Oktober beziehungsweise bis zur Novembersitzung hat der Magistrat nun Zeit, dem Stadtparlament eine überarbeitete Ausschreibung zu präsentieren. Die Interimslösung bis April 2019 hat die Firma Apetito Catering übernommen.

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