Mit "Wir sind es wert" fordern die "Kleeblatt"-Mitarbeiter eine bessere tarifliche Eingruppierung. Fotos: Jan Max Gepperth

Maintal

Mitarbeiter der "Kleeblätter" demonstrieren für bessere Bezahlung

Maintal. „Wir sind hier. Wir sind laut. Weil man uns die Kohle klaut.“ Das ist einer der diversen Sprechchöre, die am Dienstagmorgen durch die Bischofsheimer Straßen hallten.

Von Jan Max Gepperth

Die Mitarbeiter der Maintaler DRK-Seniorenzentren „Kleeblatt“ hatten sich zu einem Warnstreik zusammengeschlossen und waren im Zuge einer Demonstration durch Bischofsheim gezogen. Die Forderung der Streikenden: bessere Arbeitsbedingungen, bessere Entlohnung und ein Tarifvertrag.

Die drei „Kleeblätter“ beschäftigen rund 170 Mitarbeiter. Ungefähr 30 waren an diesem verregneten Morgen zu der Demonstration erschienen, die den Warnstreik begleitete. Der Zug begann am Bischofsheimer „Kleeblatt“ und zog knapp eine Stunde lang durch den Stadtteil, ehe man am Marktplatz mit einer Bekundung schloss.

Kein Überstundenzuschlag

Besonders die Hauswirtschaftskräfte und Pflegehelfer, also nicht examinierte Pfleger, bräuchten dringend eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sagt Betriebsrätin, Verdi-Mitglied und „Kleeblatt“-Pflegerin Manuela Fritsche. Die Mitarbeiter des „Kleeblatts“ bekämen keinen Überstundenzuschlag oder bezahlten Sonderurlaub. Doch vor allem das Gehalt bei den nicht examinierten Kräften sei ein großer Streitpunkt: „Die verdienen ungefähr 1900 Euro brutto bei einer Auslastung von 100 Prozent“, erklärt Fritsche.

Eine 59-jährige Pflegehelferin, die anonym bleiben möchte, schildert ihre Situation sehr deutlich. „Alles wird teurer, aber das Gehalt wird nicht angepasst. Ich kann keine Rücklagen bilden. Keinen Urlaub machen. Und ich habe in der Woche maximal 50 Euro für Lebensmittel zur Verfügung. Das ist nicht viel.“ Daher sei es ihr wichtig, ihre Meinung mit dem Streik und der Demonstration öffentlich kundzutun.

Streik als "das letzte Mittel"

Mit der Beteiligung an dem Marsch ist Anette Hergl, zuständige Gewerkschaftssekretärin von Verdi, sehr zufrieden. „Das war der erste Streik, der jemals in einem DRK-Altenheim stattgefunden hat“, erklärt sie, „die Mitarbeiter in der Altenpflege müssen also erst lernen, für ihre Anliegen einzutreten“.

Auch die Verhandlungsführerin Saskia Jensch spricht von einem Erfolg. „Die Altenpflege wird normalerweise nicht bestreikt. Daher ist dort eine relativ hohe Hemmschwelle.“ Trotzdem sei es als Zeichen ganz wichtig gewesen, dass man jetzt streike. So werfe man der Geschäftsführerin der „Kleeblätter“, Gudrun Schröter, vor, dass sie die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter nicht ernst nehme. „Wir wollen lieber konstruktive Verhandlungen“, stellt Jensch klar, „der Streik ist immer nur das letzte Mittel. Daher hoffe ich, dass es keinen weiteren braucht.“

Bis Herbst Konzept ausarbeiten

Auch Schröter ist an Verhandlungen interessiert, wie sie auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. „Wir wollen verhandeln. Und wir wollen angemessen vergüten. Aber wir wollen keinen Tarifvertrag.“ Der Hintergrund dieser Aussage ist, dass das „Kleeblatt“ mehr Mitarbeiter beschäftige als nötig. Damit wolle man die Pflegequalität erhöhen. Sollte man jetzt die Forderung nach einem Tarifvertrag umsetzen, so müssten Stellen gestrichen werden. Diese Aussagen werden von Verdi jedoch als Panikmache interpretiert. „Frau Schröter möchte hier die Mitarbeiter verunsichern“, sagt Hergl.

Schröter bittet indessen um mehr Zeit. „Wir möchten Zeit bis Herbst, um ein angemessenes Konzept auszuarbeiten, sodass die Mitarbeiter entsprechend vergütet werden.“ Um den Mitarbeitern entgegengekommen, wolle man im Juli zudem jedem Angestellten eine Einmalzahlung in Höhe eines halben Gehaltes zukommen lassen. So bekäme man vielleicht etwas mehr Zeit eingeräumt, um vernünftig zu verhandeln.

"Fehler im System"

Den Vorwurf, dass man die Bedürfnisse nicht ernst nehme, weist Schröter vehement zurück. „Wir haben nur gesagt, wir wollen keinen Reformtarif-Vertrag. Aber Verdi ist davon nicht abzubringen.“ Sie habe aber kein Problem mit Verdi an sich, so die Geschäftsführerin. Nur die Art und Weise, wie vorgegangen werde, ärgere sie. „Am Montag wurden Flyer mit dem Hinweis auf den Streik an die Bewohner verteilt. Teilweise an Menschen mit Demenz, die dann ganz aufgelöst waren. Das kann so einfach nicht gehen.“

Natürlich habe sie als gelernte Krankenschwester vollstes Verständnis für die Bedürfnisse der Angestellten. „Mir ist klar, dass man mit einem Gehalt in der Altenpflege keine großen Sprünge machen kann. Auch, dass die Mieten im Rhein-Main-Gebiet zu hoch sind. Aber das kann doch nicht auf dem Rücken der Bewohner ausgetragen werden. Die müssen dann schließlich die Mehrkosten tragen. Das ist also ein Fehler im System“, macht Schröter ihrem Unmut Luft.

Solidarität mit den Pflegekräften

Bei der Demonstration waren neben Angestellten der „Kleeblätter“ und Verdi-Mitgliedern auch Klaus Seibert und Herbert Hept von der WAM-Fraktion des Maintaler Stadtparlaments und Linken-Landtagsabgeordnete Saadet Sönmez anwesend. Alle drei wollten ihre Solidarität mit den Pflegekräften zum Ausdruck bringen und zeigen, wie wichtig es sei, etwas zu verändern.

Laut Polizeiangaben verlief der Streikmarsch problemlos. Was die Konsequenzen dieses Warnstreiks sein werden, bleibt nun abzuwarten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema