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Mitarbeiter des DRK-Seniorenzentrums „Kleeblatt“ demonstrieren

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Bei der kleinen Kundgebung vor dem „Kleeblatt“ in Hochstadt handelte es sich nicht um einen Warnstreik, sondern um eine sogenannte „aktive Pause“, da die Beschäftigten ihre reguläre Pause dazu nutzten. Foto: Scheck
Bei der kleinen Kundgebung vor dem „Kleeblatt“ in Hochstadt handelte es sich nicht um einen Warnstreik, sondern um eine sogenannte „aktive Pause“, da die Beschäftigten ihre reguläre Pause dazu nutzten. Foto: Scheck

Es war erst der Anfang, aber ihre Bewegung soll wachsen: Etwa zehn Mitarbeiter des Seniorenzentrums „Kleeblatt“ des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Hochstadt haben in einer Kundgebung ihren Forderungen nach besserer Bezahlung und mehr Personal Nachdruck verliehen.

Von David Scheck

Die Teilnehmerzahl blieb zwar unter den Erwartungen der Organisatoren, die darin dennoch ein ersten Schritt auf einem „langen Weg“ sahen.

Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hatte zu der Versammlung aufgerufen, die kein Warnstreik, sondern eine sogenannte „aktive Pause“ war, da die Beschäftigten ihre reguläre Pause dazu nutzten, vor dem Eingang des Gebäudes an der Konrad-Höhl-Straße ihrem Unmut Luft zu verschaffen.

Auch die Kollegen aus den „Kleeblättern“ in Dörnigheim und Bischofsheim seien aufgefordert gewesen, sich an der Aktion zu beteiligen, wie Verdi-Gewerkschaftssekretärin Anette Hergl gegenüber unserer Zeitung sagte. Aus diesen Einrichtungen fand sich allerdings kein Mitarbeiter in Hochstadt ein, wofür die Verdi-Verantwortlichen den dortigen Schichtwechsel als Grund vermuteten, der just zur Zeit stattfand, zu der auch die kleine Demonstration vor dem Seniorenzentrum in Hochstadt über die Bühne ging.

Seit Mitte Juni haben die Beschäftigten der drei Maintaler „Kleeblätter“ einen Betriebsrat. Dessen Vorsitzende Manuela Fritsche nahm ebenfalls an der „aktiven Pause“ teil. Auch der Verdi-Landesleiter Jürgen Bothner hatte sich im Norden Hochstadts eingefunden, um zu den Teilnehmern zu sprechen – und ihnen vor allem Mut zuzusprechen. In der Altenpflege brauche man nicht nur ein neues Haus, sagte Bothner in Anspielung auf das erst im Vorjahr eröffnete „Kleeblatt“ in Hochstadt. Sondern, so der Gewerkschafter, es brauche auch ein gutes Betriebsklima und eine gute Entlohnung.

Neben der personellen Situation gingen die Teilnehmer besonders auf die Bezahlung ein. „Die Bundesregierung hat zwar im Koalitionsvertrag vereinbart, die Löhne in der Altenpflege durch die Anwendung flächendeckender Tarifverträge kräftig anzuheben, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken“, sagte Hergl.Allerdings wirke sich das bisher nicht auf die Beschäftigten in Maintal aus: Denn das DRK habe zwar einen Tarifvertrag mit Verdi abgeschlossen, der auch für die Altenpflegeeinrichtungen Entgelte in vergleichbarer Höhe wie in öffentlich betriebenen Heimen vorsehe.

Die „Kleeblatt“-Seniorenzentren in Maintal seien aber rechtlich selbstständig und daher nicht an den DRK-Tarifvertrag gebunden. Betrieben werden die drei Häuser von der Wohnen und Pflege im Alter in Maintal gGmbH. „Es steht zwar DRK an der Tür, für die Beschäftigten ist dann aber der DRK-Lohn nicht drin“, so Verdi-Landesfachbereichsleiter Georg Schulze-Ziehaus. In Maintal bedeute das für eine examinierte Altenpflegekraft im Monat auch schon mal 386 Euro brutto und damit 14 Prozent weniger als eine nach dem Tarifvertrag entlohnte Altenpflegerin. Bei Pflegehilfskräften läge die Differenz sogar schon mal bei 423 Euro beziehungsweise 18 Prozent. Und das alles vor dem Hintergrund steigender Mieten.

Nahezu alle Beschäftigten wohnten im Umkreis des ‧Altenheims, doch: „Maintal ist im Grunde gar nichtmehr bezahlbar“, machte ‧Betriebsratsvorsitzende Fritsche deutlich. Für diesen Satz erntete sie einhelliges Kopfnicken von ihren Kolleginnen und Kollegen. Hinzu kämen für einige noch die Kosten für die Kinderbetreuung – auf die sie aufgrund ihrer eigenen Arbeitszeiten angewiesen seien. „Kein Wunder, dass dann kaum noch Personal zu finden ist“, lautet Hergls Fazit zu finanziellen Situation der Betreuer.Laut Verdi ist inzwischen für 31. August ein erstes Sondierungsgespräch mit der Geschäftsführung über die Tarifsituation vereinbart.

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