Die „Miniköche-Europa“ kommen aus dem ganzen Main-Kinzig-Kreis. Die Kinder zwischen elf und 13 Jahren machen bei der Aktion der Industrie- und Handelskammer mit, um in Gastronomie-Berufe reinzuschnuppern. Im Dörnigheimer Restaurant „Fleur de Sel“ kochten sie leckeres Fingerfood. Foto: R. Habermann

Maintal

"Miniköche Europa" zaubern im Maintaler Restaurant "Fleur de Sel"

Maintal. Wo sonst ein ganz Großer kocht, Patrick Theumer, durften am vergangenen Dienstagnachmittag mal die ganz Kleinen ran, mit großem Programm. Das „Spessart-Team“ der Miniköche Europa wuselte in der Küche und hinter dem Tresen des „Fleur de Sel“, dem Gourmet-Tempel im Maintaler Stadtteil Dörnigheim.

Von Rainer Habermann

Ergebnis: äußerst delikate Fingerfood-Feinkost der Marke Sashimi vom Rind oder Ceviche-Salat von der Dorade, und spannende Cocktails ganz ohne Alkohol.

Was wie eine Kochshow klingt, ist in Teilen auch die Vorbereitung auf eine solche. Die „Miniköche Europa“: Dahinter verbergen sich Schüler zwischen elf und 13 Jahren, die zwei Jahre lang bei der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern (IHK) neben der Schule eine frühe Ausbildung zu Jung-Gastronomen machen. Wie eine „Koch-AG“, sozusagen, aber gezielt verbunden mit dem Hineinschnuppern in die Berufsbilder der Gastronomie. Sie wird mit einem Abschlusszertifikat der IHK belohnt. Seit Januar läuft das Programm, das Ilona Frei als Teamleiterin der IHK betreut.

Sieg bei "Mein Lokal, Dein Lokal"Einmal pro Woche nachmittags treffen sie sich, die 19 Jungs und Mädels der Spessart-Gruppe. Sie kommen aber trotz des Namens aus allen Teilen des Main-Kinzig-Kreises, auch aus Maintal. Dass die Veranstaltung gerade im „Fleur de Sel“ stattfand, hat einen guten Grund. Das Lokal, ein Familienbetrieb der Dörnigheimer Familie Theumer in der Florscheidstraße, hat sich gerne für das Event angeboten. Im Mai erst krönte das Restaurant seine Erfolgsgeschichte mit dem Sieg im „Rhein-Main-Derby“ des TV-Senders Kabel Eins in der Gastro-Soap „Mein Lokal – Dein Lokal“. Und Patrick Theumer, Chefkoch des Feinschmeckerlokals, brachte gerne die nötige Geduld auf, den Kochnovizen die Finessen einer guten Küche nahe zu bringen.

Wer sind die Miniköche eigentlich? Im „Fleur de Sel“ gingen zum Beispiel Lani Hartmuth und Milas Sengöz an den Start. Beide sind elf Jahre jung, besuchen die Otto-Hahn-Schule in Hanau. Milas wohnt in Dörnigheim, einen Steinwurf weit vom Kochort entfernt, Lani in Klein-Auheim. „Wie ich dazu kam? Das ist eine aufregende Geschichte“, sprudelt es aus Milas heraus. „Ich wollte gerne meine Mutter unterstützen, die ganz viel für uns kocht. Aber ich will nicht nur Nudeln kochen können, sondern auch was mit Phantasie machen. Hier habe ich einen Riesenspaß!“

Lanis Motive sind ähnlich, aber doch etwas „schulischer“. – „Unsere Nawi- und Bio-Lehrerin hat mich gefragt, ob ich Lust zum Kurs hätte, und da ich sowieso wahnsinnig gern koche, habe ich gesagt: logo. Ohnehin sind sechs von uns aus der Klasse 5GE dabei.“

Miniköche haben viel gelerntBeim Chefkoch lernen sie, wie man eine Dorade filetiert, Büffelmozzarella mit Tomatenpulpe und Croutons auch optisch in geschmacklich ansprechendes Fingerfood verwandelt. Beim Senior Horst Theumer, wie leckere Cocktails zubereitet werden – beispielsweise den „Sunny“, der ganz ohne Zusatz von Alkohol hinterher aber total gut schmeckt. Und schließlich gehört die gesamte Optik dazu, denn Essen tut man bekanntlich auch mit den Augen. Patrick Theumer macht aus dem Servietten-Falten einen Grundkurs in Sachen Ambiente. Die 19 Europa-Miniköche haben also insgesamt viel gelernt im „Fleur de Sel“.

Ob sie später allerdings unbedingt in die Gastronomie oder Hotellerie wollen? Da sind die Meinungen durchaus geteilt. Während Milas mit seinem Strahlen den Eindruck macht, als wäre er schon der geborene Event-Gastronom, sieht Lani die ganze Geschichte kindgerecht.

Sie sagt: „Ich koche zwar, wie gesagt, unheimlich gern. Aber ob ich mir mein ganzes Leben lang das Drumherum auch antun will, weiß ich noch nicht.“ Zum Überlegen, wie ihre Zukunft aussehen soll hat sie mit ihren elf Jahren auch noch mehr als genug Zeit.

Auch in der Gastronomie gibt es einen FachkräftemangelDie Idee der IHK hinter dem Ausbildungsangebot ist einfache, wie Ilona Frei erklärt. „Wir haben im Hotel- und Gastro-Gewerbe heute Fachkräftemangel wie in fast allen übrigen Wirtschaftsbereichen.

Deshalb wollen wir bereits Kindern das Kulturgut Essen und Trinken etwas näher bringen. Kurse zu einer gesunden Ernährungsweise kommen hinzu. Und wenn ein Kind sich später erinnert: 'Moment mal, da war doch was': Dann ist doch schon viel gewonnen.“

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