Mehrfamilienhäuser an der Wilhelmsbader Straße: Um bessere Vergleichswerte zu haben, fordern die Mieterinitiative Nassauische Heimstätte und der Verein Mieter helfen Mietern endlich wieder einen Mietspiegel für Maintal. Foto: Kalle

Maintal

Mietspiegel: Einigung weiterhin nicht in Sicht

Maintal. Wohnen in Frankfurt und in der Region rund um die Metropole wird teurer, auch in Maintal. Weil das nicht nur ein subjektiver Eindruck ist, sondern sich durch Zahlen belegen lässt, fordern zwei Initiativen in einer gemeinsamen Mitteilung endlich wieder einen Mietspiegel.

Von David Scheck

Seitdem der Mieterbund Hanau sowie die Eigentümerverbände (Haus und Grund Hanau sowie Haus und Grund Bergen-Enkheim) sich vor zwei Jahren nicht auf eine Fortschreibung einigen konnten, gibt es in Maintal keinen Mietspiegel mehr. Das Zahlenwerk, das die ortsübliche Vergleichsmiete gestaffelt nach bestimmten Wohnungstypen wiedergibt, lief Ende 2013 aus.Und die Fronten scheinen verhärtet: Bisherige Verhandlungsrunden in der Vergangenheit scheiterten, Gesprächstermine wurden kurzfristig abgesagt. Klaus Boller von Haus und Grund Bergen-Enkheim spricht von „haarsträubenden Zahlen“ und „unhaltbaren“ Forderungen des Mietervereins.Mieterinitiative sieht Stadt Maintal in der PflichtDa sich keine Einigung abzeichnet, sehen die Mieterinitiative Nassauische Heimstätte und der Verein Mieter helfen Mietern nun die Stadt Maintal in der Pflicht.Die Kommune müsse, so Brunhilde Fahr, ehemalige Dörnigheimerin und Sprecherin der Mieterinitiative, den Mietspiegel alleine erstellen. „Hierfür würden der Stadt immerhin so gut wie keine Aufwendungen entstehen. Das bisherige Mietspiegelmodell könnte direkt übernommen werden. Die Mietsteigerungsraten könnten plausibel aus dem hessischen Mietpreisindex übernommen werden“, schreibt Fahr in der Mitteilung.70 000 Euro für qualifizierten MietspiegelDem widerspricht man im Rathaus an der Klosterhofstraße allerdings. Die Stadt Maintal dürfe nicht einfach den Mietspiegel 2012/2013 verlängern, teilt Erster Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos) auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Hintergrund ist, dass Maintal bislang einen sogenannten einfachen Mietspiegel hatte, ohne empirische Erhebung und ohne repräsentative Datensammlung. Dieser wurde zwischen den Interessenvertretungen der Eigentümer und der Mieter ausgehandelt. Die Stadt hatte dabei eine moderierende Rolle inne.Daneben gibt es noch einen qualifizierten Mietspiegel. Einen solchen könnte Maintal erstellen lassen, jedoch müsste laut Sachtleber ein Institut zur Erhebung von statistischen Daten beauftragt werden. Ein Kostenpunkt von immerhin rund 70 000 Euro, so der Erste Stadtrat.Stadt will Diskussion moderierenDiese finanzielle Ausgabe habe man bisher aber immer vermieden, da es ja möglich sein sollte, dass sich die Verhandlungspartner auf einen einfachen Mietspiegel einigen. Was das betrifft, wolle man wieder an den Gesprächstisch bitten, kündigt Sachtleber an. Denn so wie bisher wolle die Stadt Maintal auch weiterhin ihre Rolle als Moderatorin einnehmen.Aus Sicht der Mietervertreter drängt die Zeit. Denn augenblicklich werde bei Mieterhöhungen mit Vergleichswohnungen und Gutachten argumentiert. „Diese Begründungsmittel werden von der Vermieterseite beauftragt beziehungsweise bezahlt und gehen von deutlich höheren Werten als jenen einer Fortschreibung nach Mietenindex aus“, so Fahr.Lage auf dem Wohnungsmarkt angespanntZwar könnten die Richter diese behaupteten Mietwerte überprüfen. Aber viele Mieter könnten es nicht auf einen Prozess beziehungsweise das Kostenrisiko ankommen lassen und müssten daher der Mieterhöhung ungeprüft zustimmen. „Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist sehr angespannt in Maintal“, sagt die Ex-Dörnigheimerin. Mittlerweile seien bei Neuvermietungen in Maintal zehn Euro Nettokaltmiete keine Seltenheit mehr. Eine Zahl, die Sachtleber bestätigt.Eine Möglichkeit sieht der Stadtrat beim Thema Mietpreisbremse. Als diese im vergangenen Jahr in Hessen eingeführt wurde, war Maintal nicht dabei. Weil Daten aus den Jahren 2010 und früher als Grundlage herangezogen worden seien, beispielsweise bei der Leerstandsquote. Die Zahlen hätten sich aber mittlerweile verändert, und da es bei der Fortschreibung der Mietpreisbremse alle fünf Jahre neue Erhebungen gibt, sieht Sachtleber durchaus Chancen für Maintal.

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