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Mensch, Puppe, Tier: Sie helfen jedem

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Nach der Rettung durch die Feuerwehr kümmert sich das Maintaler DRK, wie hier im Rettungswagen, um die Verletzten. Foto: Kalle
Nach der Rettung durch die Feuerwehr kümmert sich das Maintaler DRK, wie hier im Rettungswagen, um die Verletzten. Foto: Kalle

Maintal. In Bischofsheim haben alle vier Maintaler Feuerwehren und das Deutsche Rote Kreuz einen Großeinsatz simuliert.

Maintal. Laut ist es an diesem Abend in der Gutenbergstraße im Gewerbegebiet West in Bischofsheim. Die Autos auf der A66 rauschen unablässig in unmittelbarer Nähe vorbei, stadteinwärts und stadtauswärts von und nach Frankfurt. Doch in wenigen Minuten wird es noch lauter werden. Alarmanlagen und Sirenen werden sich zum Autobahnlärm dazugesellen – und das mit Vorsatz. Denn an diesem Abend wird der Ernstfall geprobt: Großübung für alle vier Maintaler Feuerwehren und das DRK.

Als Redakteur und Fotograf am Ort des Geschehens eintreffen, bei der Holzgroßhandlung Becher, ist noch alles ruhig. Die Leiter der Feuerwehrübung um den Wehrführer der Bischofsheimer Freiwilligen Feuerwehr, Holger Martiker, haben sich versammelt, um noch einmal die Details des nahenden Einsatzes zu besprechen.Beim Zuhören wird schnell klar: Leicht haben sie es ihren Feuerwehrkameraden nicht gemacht: Ein Firmengelände mit mehreren Gebäudetrakten und riesiger Lagerhalle, in der die Sicht durch dichten Rauch im wahrsten Sinne vernebelt sein wird, dazu mehrere verletzte Personen im Gebäude, die es zu retten gilt. Die Kameraden, die in wenigen Minuten zeigen werden, was sie gelernt haben, sind zu diesem Zeitpunkt noch völlig ahnungslos.Für 18.20 Uhr ist der Beginn des Einsatzes ursprünglich geplant, fünf Minuten später, es kann ja nicht alles klappen, wird die Brandmeldeanlage ausgelöst. Im Gebäude ein ohrenbetäubender Lärm, den man draußen kaum wahrnimmt – die erwähnte Autobahn.

Doch in der Einsatzzentrale bemerkt man den eingehenden Alarm natürlich ebenfalls. Jetzt geht es los. Die Übungsleiter von Feuerwehr und Maintaler DRK stehen bereit, um die ersten Einsatzkräfte in Empfang zu nehmen und ihnen die Lage zu schildern. Denn alles kann natürlich nicht realistisch inszeniert werden – echte Flammen zum Beispiel würden den Firmeninhaber wohl kaum begeistern. Und auch die verletzten Personen sind entweder Puppen oder Statisten, die sich an diesem Abend tapfer der Kälte stellen.

Dass solche Einsatzsimulationen für die Rettungskräfte elementar wichtig sind, erschließt sich auch einem Außenstehenden. Doch erstaunlicherweise nicht jedem, wie Martiker verrät. Viele Firmen würden auf entsprechende Anfragen zurückhaltend bis ablehnend reagieren, und das, obwohl es ihnen doch selbst zugutekäme. Die Angst vor bleibenden Schäden am Inventar jedenfalls, so viel sei bereits jetzt gesagt, ist unbegründet: Auch in Bischofsheim werden die Feuerwehr- und DRK-Mitglieder nach dem Aufräumen und Saubermachen keine sichtbaren Spuren hinterlassen.

Was Großaktionen wie jene in der Gutenbergstraße ausmachen, ist das Üben wie in der Realität. Von dieser werden die Einsatzkräfte auch immer wieder eingeholt. Denn eigentlich sollte auch die Freiwillige Feuerwehr Niederdorfelden dazustoßen, doch daraus wird nichts: Die Brandmeldeanlage in der dortigen Schule hat ausgelöst. „Echter“ Einsatz also für die Kollegen.

Beim Eintreffen des ersten Wagens fangen die von den Flammen eingekesselten Personen im zweiten Stock filmreif an, um Hilfe zu schreien. Die Drehleiter ist noch nicht eingetroffen, also muss es die manuelle Schiebleiter richten. Und die ist kein Fall für Höhenneurotiker. Nach und nach werden die Leute aus dem Gebäude abgeseilt und von der Helfern des Roten Kreuzes versorgt.

Auf dem weitläufigen Gelände warten auf die anderen nach und nach eintreffenden Feuerwehrkräfte weitere Herausforderungen: Verletzte, darunter später auch ein Kollege, müssen aus der Halle geborgen werden – unter erschwerten Umständen: Denn die Halle ist stark verraucht, was mit Folien auf den Visieren simuliert wird.In den oberen Stockwerken sieht es ähnlich trübe aus: Die Feuerwehrkräfte müssen sich durch eine undurchsichtige Nebelsuppe (die mit Hilfe einer Maschine entsteht) zum Brandherd durchkämpfen. Das findet in der Regel auf allen Vieren kriechend statt, wie Martiker erläutert – in voller Montur, versteht sich.

Um besagten Brandherd oder auch Personen finden zu können, werden Wärmebildkameras eingesetzt. Diese werden dann letztlich auch gelöscht respektive gerettet. So ist das eben bei einer Übung. Aber auch ein realer Einsatz, der kurz vor Übungsende per Funk reinkommt, endet glücklich: Eine Nutria, die sich in einem Elektrozaun verfangen hatte, kann von den freiwilligen Helfern gerettet werden.

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