Unterwegs auf den Äckern und Feldern der Region: Dreimal pro Jahr sucht Manfred Sattler nach Bauen von Feldhamstern. Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal

Manfred Sattler engagiert sich für den Feldhamster

Maintal. „Ein Meter zehn“, liest Manfred Sattler von seinem Zollstock ab, der tief in der Erde des Weizenfeldes steckt. Er zückt das GPS-Gerät und gibt den Standort ein. Dieses Prozedere ist für ihn Routine; dreimal pro Jahr ist er mehrere Wochen Tag für Tag auf den Äckern der Region unterwegs. Und das ganz ehrenamtlich.

Von Carolin-Christin Czichowski

Sattlers Ziel: den Feldhamster vor dem Aussterben zu schützen. „Der Feldhamster steht auf der roten Liste“, sagt der gelernte Gärtnermeister, der beim Grünflächenamt der Stadt Frankfurt arbeitet. Wie viele der Nager es in Maintal und Umgebung gibt, kann er nicht genau sagen. Den Erhaltungszustand der Population bemisst Sattler stattdessen anhand der Baue, die er pro Hektar Land findet. „Drei bis vier Baue pro Hektar Ackerland gelten als gut“, sagt er. Doch auf den Feldern des westlichen Main-Kinzig-Kreises sind es derzeit im Schnitt nur 0,3 Baue pro Hektar. „Das ist katastrophal“, sagt der Experte.

Die Gründe für den Rückgang der Feldhamster-Populationen sind verschieden: Zum einen ist der Lebensraum der kleinen Säugetiere durch Bebauung und die Versiegelung von Flächen stark eingeschränkt. „Die Folgeerscheinungen von Wohnbebauung durch höheres Verkehrsaufkommen sowie die zusätzliche Gefährdung durch Hunde und Katzen können einem geschwächten Vorkommen den Garaus machen“, sagt Sattler.

Änderung der Landwirtschaft

Und zum anderen hat sich die Landwirtschaft seit der Nachkriegszeit stark geändert. Früher boten kleine und naturnah bewirtschaftete Felder dem Nager viel Fläche, um Unterschlupf zu finden, sich einen Bau sowie einen Vorrat für den Winter anzulegen und sich vor seinen natürlichen Feinden, wie Fuchs, Rotmilan, und Marder, zu schützen. Doch mittlerweile weichen die kleinstrukturierten Ackerlandschaften immer mehr großen maschinenfreundlichen Anbauflächen.

Auch die immer schnelleren und größeren Erntemaschinen machen dem Feldhamster das Leben schwer. Hinzu kommt der Einsatz von Pestiziden und Düngern. „Als ursprüngliches Steppentier ist der Feldhamster aber auf die Landwirtschaft angewiesen, sagt Sattler. Doch vor allem durch die immer frühere Erntezeit fehlt dem Nager die Möglichkeit, im Spätsommer auf den Feldern Überwinterungsbaue zu schaffen. Dadurch wurde der Feldhamster immer weiter zurückgedrängt, bedauert Sattler.

Um die Verbreitung von Feldhamstern zu dokumentieren, sind er und seine Mitstreiter der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz dreimal im Jahr unterwegs auf der Suche nach Bauen, die geografisch erfasst werden. Anhand der Ergebnisse können gezielt Schutzmaßnahmen angelegt werden. „Wichtig ist der Kontakt zu den Landwirten der Region, die als Partner des Artenschutzes Maßnahmen umsetzen“, sagt Sattler.

Viele Möglichkeiten für den Erhalt

Denn die Landwirte können viel für den Erhalt des Feldhamsters tun, so der Experte. Es gebe zahlreiche und zum Teil sehr schnell und einfach umsetzbare Maßnahmen, die einen großen Nutzen für den Feldhamster haben: zum Beispiel eine spätere Ernte, das längere Liegenlassen von Stoppelfeldern, und deren späterer Umbruch oder das Anbauen mehrjähriger Schonstreifen aus Luzerne oder speziellen Blühmischungen für den Feldhamster.

Da diese Maßnahmen einen Mehraufwand und somit Kosten bedeuten, werden teilnehmende Betriebe finanziell entschädigt. In Maintal sind viele Landwirte dabei und legen sogenannte Nacherntestreifen aus nicht geerntetem Getreide an, sagt Sattler. Hier finden die Tiere Schutz und Nahrung und es bleibt ausreichend Zeit, um ihre Winterbaue anzulegen und mit Vorräten zu füllen. Ein weiteres großes Problem für den Feldhamster ist der Maisanbau. Maisfelder bieten ihm, aber auch vielen anderen Tieren, keinerlei Lebensraum, sagt Sattler. Richtig wohl fühlt sich der kleine Nager stattdessen im Getreide oder Luzernefeldern.

Seit zehn Jahren engagiert sich Sattler in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz, macht bei den regelmäßigen Kartierungsaktionen mit. „Unsere Erkenntnisse geben wir immer an die Behörden weiter“, erklärt er. Außerdem fungiert Sattler als Experte der vom Aussterben bedrohten Säugetiere, hält Vorträge und möchte die Notwendigkeit des Feldhamsterschutzes in die Öffentlichkeit bringen. Unter anderem hat er dafür an einer Internetseite mitgewirkt, die über die Tiere, deren Lebensräume und die akute Gefährdung aufklärt. Warum der Feldhamster so schützenswert ist? „Er gehört einfach in das Ökosystem“, sagt Sattler.

››feldhamster.de

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