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Mini-PV-Anlage treibt Frau in den Wahnsinn – „Im Regen stehen gelassen“

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Seit einem halben Jahr versucht Gisela Pfaff aus Maintal, eine Mini-Photovoltaik-Anlage für ihren Balkon zu bekommen. Bis heute ohne Erfolg. Nun hat sie die Nase voll.

Maintal - Energie sparen lautet das Gebot der Stunde. Wer kann, versucht den Verbrauch von Strom und Gas zu senken. Um den eigenen Geldbeutel zu schonen. Und um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Auch Gisela Pfaff aus Wachenbuchen will Energie sparen. Seit Sommer vergangenen Jahres versucht die Rentnerin, eine Mini-Photovoltaik-Anlage für ihren Balkon zu bekommen. Bis heute ohne Erfolg. Nun hat sie die Nase voll.

„In der Zeitung rührt die Stadt immer wieder die Werbetrommel und erzählt, wie viel CO2 sich mit dem Balkonkraftwerk einsparen lässt. Aber wenn ein Bürger wirklich Interesse hat, wird er im Regen stehen gelassen.“ Doch der Reihe nach: Im Juli wirbt die Stadt Maintal in einer Pressemitteilung für ihre kostenlosen Energieberatungen (wir berichteten). In Zusammenarbeit mit der Landes-Energie-Agentur (LEA) Hessen ermöglicht die Stadt Immobilienbesitzern, die kostenfreie Expertise von Energieberatern zu nutzen, um den Energieverbrauch ihres Hauses kritisch zu überprüfen. Fünf Energieberater seien dazu zunächst in Bischofsheim, später auch in den anderen Stadtteilen unterwegs, hieß es.

Wer das Angebot nutzen möchte, könne sich an das städtische Klimamanagement wenden. Das versucht auch Gisela Pfaff. „Bei einem Anruf wurde mir gesagt, ich soll eine E-Mail schreiben, was ich auch getan habe. Es kam keine Nachricht zurück. Einige Wochen später erschien ein neuer Artikel mit demselben Hinweis. Ich schrieb die nächste E-Mail. Aber bis heute habe ich auch dazu keine Antwort erhalten“, berichtet sie.

Mini-PV-Anlage in Maintal: Bis zu 20 Prozent Einsparungen möglich

Im Oktober wirbt die Stadt in einem Artikel für die Mini-PV-Anlagen: „Sie sind so kompakt, dass sie quasi auf jeden Balkon oder jede Terrasse passen und technisch so einfach in der Handhabung, dass sie von einem Fachbetrieb schnell und unkompliziert installiert werden können.“ Der ins Netz eingespeiste Strom werde dem Eigentümer der Anlage gutgeschrieben und senke somit die eigene Stromrechnung. Bis zu 20 Prozent der Stromkosten könnten so in Haushalten eingespart werden. „Noch schneller geht es, wenn die Förderung der Stadt Maintal in Anspruch genommen wird“, wird Klimamanager Andreas Frank zitiert.

Anschauungsobjekt für Bürger: Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher und Klimamanager Andreas Frank präsentieren die Mini-PV-Anlage, die an einem Nebengebäude des Rathauses in Hochstadt hängt.
Anschauungsobjekt für Bürger: Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher und Klimamanager Andreas Frank präsentieren die Mini-PV-Anlage, die an einem Nebengebäude des Rathauses in Hochstadt hängt. © PM

Die Anschaffung und Installation eines solchen „Balkonkraftwerks“ werde – im Rahmen ihrer Klimaförderrichtlinie – sogar mit 300 Euro bezuschusst. Die Stadt habe dafür extra ein Förderprogramm für alle Maintaler Bürger aufgelegt. Der Klimamanager schwärmt: „Vom ersten Tag an habe ich Kontakt zu Bürger*innen, die alle am Thema ,Klimaschutz‘ interessiert sind. Das Beratungsbedürfnis ist sehr hoch, die Themenvielfalt enorm“.

Eine Beratung wünscht sich auch Gisela Pfaff. Die Besitzerin eines Drei-Familienhauses möchte die Mini-PV-Anlage gern auf dem Garagendach installieren. Unter der angegebenen Telefonnummer versucht sie, mit dem städtischen Klimamanagement in Verbindung zu setzen. „14 Tage lang habe ich zu verschiedenen Zeiten versucht, die Nummer zu erreichen. Aber es meldete sich niemand“, sagt sie.

Maintal: Weder Stadt noch MWG helfen

Die 83-Jährige sucht im Internet und landet schließlich auf der Homepage der Maintal-Werke (MWG). Und tatsächlich findet sich dort der Hinweis „In wenigen Schritten zur Mini-PV-Anlage“. Gisela Paff wähnt sich schon am Ziel, schließlich steht hier schwarz auf weiß: „Anmeldung Ihrer Mini-PV-Anlage bei der Maintal-Werke GmbH.“ Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer. „Mir wurde mitgeteilt, dass die MWG nicht zuständig sei, das sei allein Sache der Stadt“, so Pfaff.

Die Zentrale habe ihr schließlich eine Durchwahl im Rathaus gegeben. Diesmal landet sie sogar bei Klimamanagerin Nina Stiehr, berichtet Pfaff. Doch statt weiterzuhelfen, habe diese ihr barsch erklärt, sie solle sich online die Klima-Förderichtlinie ansehen, dort würden alle Fragen beantwortet. Zuständig seien allerdings die Maintal-Werke. Gisela Paff fühlt sich im Stich gelassen. „Sicher kann ein Fachmann mit diesen Förderrichtlinien etwas anfangen, aber für einen Laien sind das böhmische Dörfer.“

Maintal: Städtisches Klimamanagement sollte beraten

Wir bitten die Stadt Maintal um Stellungnahme und möchten wissen, wer denn nun der richtige Ansprechpartner ist. „Grundsätzlich findet die Abstimmung zur Auswahl einer geeigneten Mini-PV-Anlage sowie zu deren Installation zwischen denjenigen statt, die die Mini-PV-Anlage nutzen wollen, der Maintal-Werke GmbH und eventuell dem zuständigen Installateur“, teilt die Pressestelle mit. Informationen dazu würden auch von den Maintal-Werken bereitgestellt. Eine konkrete technische Beratung könne aufgrund der fehlenden Spezialisierung weder durch die Mitarbeiterinnen des Klimamanagements noch durch die Beschäftigten der Maintal-Werke GmbH geleistet werden. Zudem dürfen keine Empfehlungen zu Firmen oder Modellen ausgesprochen werden.

Um eine Förderung für eine Mini-PV-Anlage zu erhalten, können sich Bürger über ein Hinweisblatt unter www.maintal.de/klima-foerderrichtlinie über die Abläufe und Schritte informieren. Dieses bietet laut Stadt eine hilfreiche Orientierung. „Zu diesem Ablauf informiert das Klimamanagement auch persönlich am Telefon. Selbstverständlich steht auch die Maintal-Werke GmbH für ein Gespräch zur Verfügung“, so die Stadt in ihrer Antwort. Warum Gisela Pfaff bis heute keine Informationen bekommen hat, könne nicht mehr nachvollzogen werden, „da der damals zuständige Sachbearbeiter nicht mehr bei der Stadt Maintal beschäftigt ist.“

Auf ein Balkonkraftwerk wartet Gisela Pfaff noch immer. Von sechs Fachfirmen, die sie kontaktiert hat, hat lediglich eine einen Termin angeboten – im Februar 2023. Bis dahin bleibt nur Warten. Und ordentlich Frust. „Das ist garantiert kein Weg, um Leute zum Energiesparen zu bewegen“, sagt Pfaff. (Kristina Bräutigam)

Vergangenes Jahr brannte im Main-Kinzig-Kreis eine PV-Anlage auf dem Dach eines Kindergartens. Die Situation war offenbar gefährlicher, als bislang angenommen.

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