Die Wildtierfreunde päppeln aktuell viele Igel für den Winter auf.
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Die Wildtierfreunde päppeln aktuell viele Igel für den Winter auf.

Nach Motorschaden

Maintaler Wildtierfreunde rufen zu Spenden für neuen Transporter auf

  • vonBettina Merkelbach
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Der Verein Wildtierfreunde nimmt verletzte und verwaiste heimische Wildtiere auf, um sie mit fachgerechter Pflege wieder fit für die freie Wildbahn zu machen. Jetzt werden Spenden für ein neues Fahrzeug gesammelt.

Maintal - Putzig, aber viel zu leicht, um über den Winter zu kommen, ist der kleine Igel, den Sonja Niebergall-Fischer aus dem Karton fischt. Rund 150 der kleinen Stacheltierchen werden gerade in der Maintaler Pflegestation aufgepäppelt, damit sie für den Winterschlaf genug Fettreserven haben.

Motorschaden: Wildtierfreunde stehen plötzlich ohne Auto da

2020 war für den Verein ein turbulentes Jahr – eigentlich sogar ein Jubiläumsjahr, denn die staatlich anerkannte Auffangstation am Linnen in Dörnigheim gibt es seit 15 Jahren. Doch Feierlichkeiten mussten Corona-bedingt ausfallen. Stattdessen standen andere Ausgaben an. Gehege und Volieren mussten angebaut und repariert werden.

Und jetzt auch noch das: Vor wenigen Tagen hat das Vereinsauto aufgrund eines Motorschadens den Dienst quittiert. Der Verein postete Spendenaufrufe, die vielfach geteilt wurden. Eine Übergangslösung – ein in die Jahre gekommener Kombi – ist mittlerweile gefunden.

Alter Kombi ist nur eine Übergangslösung

Doch die ehrenamtlichen Tierpfleger brauchen langfristig einen größeren fahrbaren Untersatz, um täglich Tierfutter transportieren zu können. Deshalb bittet der Verein nach wie vor um Spenden, wobei neben der existenziellen finanziellen Unterstützung auch Sachspenden jederzeit willkommen sind. „Im Moment brauchen wir viel Katzennassfutter für die kleinen Igel“, sagt Vereinsvorsitzende Niebergall-Fischer.

Der Sommer war zu heiß; die Tiere haben in der freien Wildbahn zu wenig Futter gefunden, um genug Reserven für den Winterschlaf anlegen zu können.

Tiere werden meist nach wenigen Wochen in freie Wildbahn entlassen

Im Dachsgehege ist der Tisch gedeckt. Eine Kiste, voll mit Obst, Gemüse und Fleisch, wartet darauf, dass die nachtaktiven Tiere ausgeschlafen haben. Nebenan wohnen Hühner, Gänse, Schwäne und die zwei Bussarde Isolde und Hobbit, die schon seit vielen Jahren hier in der Wildtierstation leben

„Hobbit ist flugunfähig und Isolde auf rote Autos fixiert, was sehr gefährlich werden kann“, erklärt Sonja Niebergall-Fischer. Die meisten anderen Tiere sind nur einige Wochen hier, bis das Team sie so weit aufgepäppelt hat, dass sie in freier Wildbahn überleben.

Spenden für die Wildtierfreunde Maintal

Wer die Arbeit finanziell unterstützen möchte, kann Geld an folgende Konten spenden: Frankfurter Sparkasse BIC: HELADEF1822, IBAN: DE 81 5005 0201 0200 1543 03; PayPal-Konto info@wildtierfreunde.de.

Dabei werden sie mit gleichaltrigen Artgenossen in Familienverbänden gehalten, sodass keine Fehlprägung durch eine zu enge Bindung an die Pfleger entsteht. Im Moment haben die heimischen Bewohner exotische Gesellschaft: farbenfrohe Vögel, darunter zwei Papageien, die die Polizei völlig abgemagert und verstört aus dem Keller ihres verstorbenen Besitzers befreit hat.

Wildtierfreunde Maintal warnen vor voreiligem Handeln

„Das ist eher die Ausnahme“, erklärt Jägerin und Falknerin Niebergall-Fischer. „Die meisten Tiere hier sind heimische Klein- und Wildtiere, die uns Spaziergänger vorbeibringen.“ Doch nicht alle sind wirklich Fälle für die Auffangstation. Oft handeln beherzte Sparziergänger voreilig und bringen scheinbar verwaiste Vogeljunge hierher, die eigentlich nur ihre ersten Flugversuche unternehmen und von den Eltern weiter gefüttert werden.

„Wir bitten die Leute immer, uns erst zu kontaktieren, bevor sie ein Tier mitnehmen“, erklärt Vereinsvorsitzende Niebergall-Fischer. Diese Art der Information ist ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, der Corona-bedingt allerdings in diesem Jahr weitgehend ruht.

Wildtierfreunde Maintal haben nur zehn Mitglieder

Nur rund zehn aktive Vereinsmitglieder teilen sich die vielfältigen Aufgaben. Jungtiere nehmen die ehrenamtlichen Tierpfleger teilweise auch mit nach Hause, damit sie sie rund um die Uhr füttern können. Der Verein sucht daher dringend Nachwuchs, da er in diesem Jahr auch kaum von Minijobbern oder Praktikanten unterstützt wird.

„Entscheidend ist, dass sie den Umgang mit Tieren gewöhnt sind und keine Angst haben“, sind laut Niebergall-Fischer, die hauptberuflich Gärtnerin ist, die wichtigsten Voraussetzungen. Auf dem Gelände neben dem Höllsee fallen viele Säuberungsarbeiten an. Ställe müssen ausgemistet, gekehrt werden. „Scheu davor, sich schmutzig zu machen, sollte man auch nicht haben“, sagt die Vorsitzende lachend. Es ist viel Arbeit, aber auch eine erfüllende, findet Sonja Niebergall-Fischer: „Es ist eine Wiedergutmachung an der Natur. Denn wir Menschen schränken den Lebensraum der Tiere immer weiter ein, sodass viele verunglücken.“

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