Im Maintaler Wald sind alle Baumarten von Trockenheit und Schädlingen betroffen. Der Jahresbericht fällt ernüchternd aus.
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Im Maintaler Wald sind alle Baumarten von Trockenheit und Schädlingen betroffen. Der Jahresbericht fällt ernüchternd aus.

Kaum Einnahmen durch Holzverkauf

Maintaler Wald kämpft ums Überleben: Zahlreiche Fällungen notwendig

  • Michael Bellack
    vonMichael Bellack
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Dem Maintaler Wald geht es schlecht. Das ist so weit nichts Neues, Trockenheit und Schädlinge setzen den Bäumen seit Jahren zu. Einen Einblick in den aktuellen Zustand des Waldes gibt der Rückblick, der zuletzt im Bauausschuss thematisiert wurde.

Maintal – Im von Revierförster Heiner Koch vorgelegten Jahresrückblick wurde das Ausmaß des Waldsterbens in Maintal einmal mehr deutlich. „Die Waldschäden bleiben auf einem hohen Niveau“, heißt es in dem Bericht. Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) erklärte, dass Revierförster Koch, der über 30 Jahre Berufserfahrung verfügt, angesichts des Zustands „erschüttert“ sei.

Insgesamt 1900 Festmeter Holz wurden laut Bericht im Zeitraum von Oktober 2019 bis Ende März 2020 geschlagen. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Schadholz, das aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden musste. Unter anderem kamen entlang der A66 und anderen Straßen bei aufwendigen Aktionen Spezialmaschinen zum Einsatz. Ein Großteil des Holzes war jedoch nicht zu verwerten.

Schlechte Holzqualität: Nur geringe Einnahmen durch den Holzverkauf

Dementsprechend fällt auch das Betriebsergebnis aus, das ein Minus von 20 000 Euro vorweist. Als Gründe werden die hohen Kosten für die Beseitigung der klimabedingten Waldschäden genannt. Durch die schlechte Holzqualität konnten nur geringe Einnahmen erzielt werden. „Der Holzmarkt ist labil, der Absatz von Nadelholz ist durch große Schadholzmassen und durch die Pandemie fast zum Erliegen gekommen“, heißt es im Bericht weiter.

Festmeter und Raummeter

Der Festmeter ist ein Raummaß für Rundholz und entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse, das heißt ohne Zwischenräume in der Schichtung. Dabei wird bei einem Holzstapel jeder einzelne Stamm bewertet. Im Wald erkennt man das oft daran, dass der Förster bereits bewertete Stämme mit einem Punkt aus der Spraydose markiert, damit er nicht durcheinander kommt. Gegenstück zum Festmeter ist der Raummeter, der das Maß für mit Zwischenräumen geschichtete Stammstücke benennt. bel

Trockenheit, Stürme und veränderte Niederschlagsstrukturen wirken sich negativ auf die Wälder aus, heißt es im Waldzustandsbericht. Besonders betroffen sei die Buche, bei der ganze Bestände abgestorben seien. Die älteren Kiefern und Fichten haben mit Pilzbefall und Borkenkäfer zu kämpfen und sterben teilweise großflächig ab. Hinzu kommen die für den Ahorn schädliche Rußrindenkrankheit und das Eschentriebsterben, das sich weiter auf einem hohen Niveau befindet. „Jede Baumart ist betroffen“, bekräftigte Böttcher.

15 000 Bäume in Maintal neu gepflanzt

Dem Ganzen wird natürlich entgegengewirkt. Positiv hervorzuheben sind laut Bürgermeisterin die 15 000 neu gepflanzten Bäume, vornehmlich Eichen und Douglasien, aber auch Kirschen und Ahorn. Allein 11 000 Bäume wurden in Bischofsheim am verlängerten Kreuzstein gepflanzt, als Ersatzaufforstung für die Friedhofserweiterung.

Außerdem wird in dem Bericht ein Ausblick auf das kommende Jahr gewagt. Demnach sollen 2000 Festmeter geschlagen werden. Vornehmlich aus Verkehrssicherheitsgründen. Besonders betroffen sind Esche, Kiefern, aber auch Buchen, Ahorn und Eichen. Die Maßnahmen werden erneut aufwendig und kostenintensiv. Fällungen von abgestorbenen Bäumen dürfen nur mit Seilarbeit durchgeführt werden.

Neu waren die Erkenntnisse aus dem Bericht für den Bauausschuss nicht. „Es ist klar, wo die Reise hingeht“, fasste Klaus Gerhard (FDP) die Lage zusammen. Den Vorschlag von Bürgermeisterin Böttcher, sich im kommenden Jahr mit der neu gewählten Stadtverordnetenversammlung ein Bild vor Ort zu machen, stieß auf breite Zustimmung.

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