Der Maintaler Telekommunikationsanbieter Drillisch strebt durch die Teilnahme an der Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzen als Konkurrent zu Telekom, Vodafone und Telefónica auf den Markt. Foto: Christian Balke

Maintal

Maintaler Unternehmen Drillisch drängt auf den Mobilfunkmarkt

Maintal/Mainz. Es ist eine Premiere, die Folgen haben wird. Erstmals beteiligte sich der Telekommunikationsanbieter Drillisch mit Sitz in Maintal an der Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen.

Von Martina Faust

Bislang hat das Unternehmen, dessen bekannteste Tochter 1und1 ist, kein eigenes Netz, sondern nutzt die Antennen der nationalen Konkurrenz. Das wird sich jetzt ändern. Denn mit der Ersteigerung von sieben Frequenzblöcken für gut eine Milliarde Euro wird Drillisch nun ein eigenes Netz aufbauen. Damit wird es in Deutschland künftig Funkmasten von vier und nicht nur von drei Unternehmen geben. Eine Anfrage unserer Zeitung zu den Gründen, warum sich das Maintaler Unternehmen dazu entschlossen hatte, sich an der Versteigerung zu beteiligen, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Experten prognostizieren Vorteile für den Verbraucher. Durch den Einstieg von Drillisch dürfte sich der Wettbewerb am deutschen Mobilfunkmarkt erhöhen. Mögliche Folgen: Sinkende Preise etwa bei Handyverträgen für den Verbraucher.

Ziel: Aufbau von 5G

Nach dem Abschluss der zwölfwöchigen Auktion, die am Mittwoch endete und nicht zuletzt durch Drillisch als zahlungsfreudigem Mitbieter dem Bund mit 6,6 Milliarden Euro deutlich höhere Einnahmen als erwartet bescherte, zeigte sich Ralph Dommermuth, Chef des Mutterkonzerns United Internet, zufrieden: „Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen“, erklärte er. Als Neueinsteiger hat Drillisch Ausnahmeregelungen und muss daher weniger in der Fläche ausbauen als seine Konkurrenten.

Auktionstheoretiker Vitali Gretschko wertet den Ausgang der Versteigerung dennoch als kleinen Rückschlag für Drillisch und begründet dies damit, dass die Firma am Ende noch überboten wurde und damit einen Block weniger bekam als in dem wochenlangen Ringen angestrebt.

Geld fließt an den Bund

Von den 41 Frequenzblöcken entfallen die meisten auf die Deutsche Telekom, die 13 Blöcke ersteigerte und dafür 2,17 Milliarden Euro zahlen muss. Auf Vodafone entfallen zwölf Blöcke für 1,88 Milliarden Euro und auf Telefónica neun für 1,42 Milliarden Euro.

Das Geld geht an den Bund, der es in die Digitalisierung stecken will, um den Breitbandausbau auf dem Land zu fördern, aber auch, um eine bessere Mobilfunkabdeckung zu erreichen. Allerdings gibt es einen Haken. Denn die Versteigerung spült zwar dem Bund ordentlich Geld in die Kassen, das wiederum den Kommunikationskonzernen für den Netzausbau fehlt.

5G – die neue Mobilfunktechnologie5G ist die neue Mobilfunktechnologie, die höhere Datenübertragungsraten ermöglicht und vor allem im industriellen Sektor Anwendung finden soll, etwa, wenn es um selbstfahrende Autos geht. Sie soll ab 2020 verfügbar sein. Wie bei der 2G-, 3G- und 4G-Mobilfunktechnik werden die mit 5G-Mobilfunkangeboten zu versorgenden Gebiete von den Netzbetreibern in Funkzellen eingeteilt werden und mit Sendemasten ausgestattet. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geht davon aus, dass mit der steigenden Datenübertragungsmenge auch mehr Sendeanlagen benötigt werden. „Wie sich dies genau darauf auswirken wird, in welchem Maße die Bevölkerung der Strahlung ausgesetzt sein wird, kann noch nicht abgeschätzt werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Streubreite möglicher Expositionen zunehmen wird“, heißt es dazu. Das BfS verfolgt die Planungen zur Einführung von 5G und vergibt Forschungsvorhaben zu Exposition und möglichen Wirkungen neuer Frequenzbereiche. Unabhängig von 5G bestünden weiterhin wissenschaftliche Unsicherheiten hinsichtlich möglicher Langzeitwirkungen intensiver Handynutzung insgesamt. Für eine abschließende Beurteilung sei die Technologie allerdings noch zu jung. mf

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