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Noch zweieinhalb Monate ist Maintals Erster Stadtrat Ralf Sachtleber (links) im Amt. Wie es danach im hauptamtlichen Magistrat weitergeht, bleibt abzuwarten. Bürgermeisterin Monika Böttcher wird höchstwahrscheinlich die Geschicke der Stadt Maintal zeitweise alleine leiten.

Maintaler Stadtratsposten

Umfrage in ähnlich großen Kommunen zeigt: Mindestens zwei Personen an der Spitze der Verwaltung

  • Carolin-Christin Czichowski
    vonCarolin-Christin Czichowski
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Zwar ist der Antrag von CDU, SPD und FDP, den hauptamtlichen Magistrat ab Juli von zwei auf dann eine Person zu reduzieren, erstmal vom Tisch. Außerdem haben die Fraktionen, wie berichtet, betont, den Posten des Ersten Stadtrats wenn, dann nur temporär und nicht dauerhaft zu streichen.

Das Thema wird aber seitdem vor allem in den sozialen Medien wie Facebook heiß diskutiert. Eine zentrale Frage lautet dabei: Braucht eine Kommune in der Größenordnung Maintals einen hauptamtlichen Magistrat, der aus zwei Mitgliedern besteht? 

Für Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) ist die Antwort klar: „Für eine Stadt in der Größenordnung Maintals sind zwei hauptamtliche Magistratsmitglieder nicht nur üblich, sondern angesichts der vielfältigen (Pflicht-)Aufgaben, die die Verwaltung wahrzunehmen hat, erforderlich“, teilte die Verwaltungschefin vor gut zwei Wochen auf Anfrage mit. 

Umfrage in ähnlich großen Kommunen

Laut städtischer Homepage waren zum 31. Dezember 2019 in Maintal 41 618 Personen mit ihrem Hauptwohnsitz gemeldet. Ähnlich große Städte in Hessen sind zum Beispiel Dreieich, Rodgau, Langen, Mörfelden-Walldorf, Neu-Isenburg und Bensheim. Die dortigen Verwaltungen hat unsere Zeitung angeschrieben und unter anderem abgefragt, aus wie vielen Mitgliedern der hauptamtliche und der ehrenamtliche Magistrat bestehen. 

Frieder Gebhardt ist Bürgermeister der südhessischen Kommune Langen.

Rückmeldungen kamen aus Bensheim, Neu-Isenburg, Rodgau und Langen. Bensheim hat aktuell 42 000 Einwohner, heißt es aus dem dortigen Rathaus. Der hauptamtliche Magistrat besteht aus drei, der ehrenamtliche aus acht Personen. „Rodgau hat derzeit rund 47 500 Einwohner, davon rund 45 500 mit Erstwohnsitz“, teilte eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage mit. Insgesamt bestehe der Magistrat derzeit aus acht Personen. „Eigentlich neun, aber ein Mandatsträger hat sein Mandat niedergelegt und es gab keinen Nachrücker“, so die Sprecherin. Davon sind zwei hauptamtliche und entsprechend sechs ehrenamtliche Magistratsmitglieder. „Ob eine Kommune unserer Größenordnung einen hauptamtlichen Magistrat bestehend aus zwei Personen benötigt oder ob ein ehrenamtliches Magistratsmitglied diese Aufgaben übernehmen kann, steht mir nicht zu, weil es eine politische Entscheidung ist“, so die Sprecherin der Stadt Rodgau. 

Laut Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) braucht eine solche Stadt einen Ersten Stadtrat

Neu-Isenburg ist mit 39 568 Einwohnern (Stand Dezember 2019) knapp unter der 40 000-Einwohner-Marke. Dort besteht die Verwaltungsspitze aus zwei Hauptamtlichen, zudem gibt es acht ehrenamtliche Magistratsmitglieder. Das teilte die dortige Pressestelle auf Anfrage mit. 

Auch das südhessische Langen ist mit 39 214 Einwohnern (Stand Dezember 2019) etwas kleiner als Maintal. Aber auch dort besteht der hauptamtliche Magistrat aus zwei und der ehrenamtliche Magistrat aus acht Personen. Wie der Langener Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) auf Anfrage erklärt, braucht es bei einer Kommune der Größenordnung Maintals nicht nur einen Bürgermeister, sondern auch einen Ersten Stadtrat.„Aus der Erfahrung meiner 12 Amtsjahre kann ich das mit einem klaren Ja beantworten“, so der Verwaltungschef. „Der Bürgermeister ist ja nicht nur Repräsentant seiner Stadt, sondern auch Verwaltungschef und qua Amt verantwortlich für alle städtischen Betriebe und Gesellschaften.“ 

Zukunft von Maintals Verwaltungsspitze scheint offen

Selbst mit einer starken Verwaltung im Rücken könne ein Bürgermeister bei einer Stadt dieser Größenordnung die Verantwortung dafür unmöglich alleine tragen. „Ganz abgesehen von der psychischen Belastung, die ein solches Amt mit sich bringt“, so Gebhardt. „Natürlich können Aufgaben der Hauptamtlichen auf ehrenamtliche Magistratsmitglieder übertragen werden“, so Böttchers Amtskollege weiter. Voraussetzung sei aber, dass die betreffende Person über ausreichend Zeit und Kompetenz verfüge, die übertragene Aufgabe auch zuverlässig zu erledigen. „Nach meiner Einschätzung können das nur weniger systemrelevante Aufgaben sein, wenn die Beschäftigung nicht zum Ganztagsjob ausarten soll“, sagt Gebhardt.

 „Denn in diesem Fall sollte auch ein ehrenamtliches Magistratsmitglied eine dem Aufwand angemessene Entschädigung erhalten, was im Endeffekt dann keinen Unterschied mehr macht zum zweiten hauptamtlichen Magistratsmitglied.“ Wie es an der Verwaltungsspitze der Stadt Maintal künftig weitergeht, bleibt abzuwarten. Fest steht bislang nur, dass die Amtszeit des Ersten Stadtrats Ralf Sachtleber (parteilos) im Juni endet. Wann aufgrund der anhaltenden Corona-Krise und dem damit einhergehenden Kontaktverbot wieder eine Stadtverordnetenversammlung stattfinden und dann über die Situation im Magistrat entschieden werden kann, ist bislang nicht abzusehen.

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