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Stark, mutig und lebensfroh: Die Mitglieder der Frauenselbsthilfe Krebs Maintal wollten in diesem Jahr das Jubiläum des 40-jährigen Bestehens ihrer Ortsgruppe feiern, die große Feier musste Corona-bedingt jedoch abgesagt werden.

Frauengruppe

Maintaler Ortsgruppe feiert Jubiläum: 40 Jahre Frauenselbsthilfe Krebs

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Die Frauenselbsthilfegruppe Krebs feiert 40-jähriges Jubiläum. Doch die Feierlichkeiten wurden von Corona behindert.

  • Frauenselbsthilfegruppe Krebs feiert Jubiläum
  • Gruppe wurde 1980 gegründet
  • Corona verhinderte die Feierlichkeiten

 „Wir sind stark. Wir sind mutig. Wir feiern das Leben. Wir haben Krebs!“ Unter diesem Gedanken hätte die 40-Jahr-Feier der Frauenselbsthilfegruppe Krebs in diesem Jahr stattfinden sollen. Über ein Jahr lang waren die Leiterinnen der Gruppe, Nieves Schwierzeck, Karin Daferner und Susanne Hoffmann sowie andere Frauen aus der Gruppe, mit den Vorbereitungen der Feierlichkeiten beschäftigt. „Es sollte ein Fest für über 100 Menschen werden, das uns und anderen Mut macht, Mut die Auseinandersetzung mit einer Krebsdiagnose aufzunehmen, sich nicht aufzugeben, sondern mit Kraft ins Leben zurückzufinden“, so Hoffmann. 

Doch dann machte ihnen das Corona-Virus einen Strich durch die Rechnung. Die große akademische Feier, die für den 5. Mai angesetzt war, musste abgesagt werden. „Alle Vorbereitungen waren getroffen, viele hatten ihr Kommen zugesagt, wie etwa Landrat Thorsten Stolz, die 1. Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Frau Strombach von der AOK, unsere Bürgermeisterin Monika Böttcher und viele andere“, sagt Susanne Hoffmann. 

Austausch innerhalb der Selbsthilfegruppe sei wichtig

Nach dem förmlichen Teil der Veranstaltung, bei dem Reden gehalten werden und Frauen ins Rampenlicht treten wollten, die ihre Geschichte vom Leben mit Krebs erzählen, wollten die rund 80 Teilnehmerinnen der Selbsthilfegruppe unter sich ausgelassen feiern, Tanzen und Spaß haben. „Wir wollten unsere monatlichen Treffen feiern, unsere Info-Veranstaltungen, die Ausflüge, die Sportgruppe, das Tanzen, vor allem aber unsere Freundschaften“, so Hoffmann. Denn neben den Vorträgen von Medizinern bei Infoabenden sei es vor allem der Austausch in der Gruppe, der Frauen Bewältigungsstrategien im Umgang mit der Krankheit aufzeigt. „In dem Moment, in dem du erkrankt bist und dir bewusst wird, dass du eine tödliche Krankheit hast, ist das wie ein Schlag vor den Bug“, sagt Nieves Schwierzeck.

Direkt nachdem sie vor 26 Jahren die Diagnose Brustkrebs bekommen hatte, fiel ihr ein Zeitungsartikel in die Hände, in dem das Treffen der Frauenselbsthilfegruppe angekündigt wurde: „Ich hab das bestimmt fünf Jahre überlesen“, sagt sie. „Aber so, wie man als Schwangere überall Mütter mit Kindern sieht, ist mir das gleich ins Auge gestochen und ich hab dort angerufen. Einen Tag später saß dann die damalige Gruppenleiterin, Frau Gerstdörfer, bei mir auf der Couch, und wir haben ein Erstgespräch geführt, so wie wir es heute auch machen.“ Nicht nur persönlich, sondern in Zeiten von Corona vor allem auch digital oder telefonisch. Seitdem ist Schwierzeck der Gruppe treu geblieben und hat seit knapp 20 Jahren die Funktion der Gruppenleiterin inne. 

Oft gehe es nicht nur um medizinische Themen

Ein offenes Ohr zu haben für Frauen, die in der vermutlich größten Krise ihres Lebens ratlos sind, Hilfestellungen zu leisten und ihnen einen Weg zurück in ein Leben mit oder nach Krebs aufzuzeigen, ist das Ziel der Selbsthilfegruppe. „Viele Fragen können wir auch nicht beantworten“, sagt Hoffmann. „Aber wir wissen, wo Ansprechpartner sind. Oft geht es ja nicht nur um medizinische Themen, sondern auch um sozialrechtliche, beispielsweise wenn jemand einen Behindertenausweis beantragen möchte. Bei vielen Fragen und Anliegen können wir aus der eigenen Erfahrung schöpfen.“ Der Austausch in der Gruppe sei deshalb auch so wertvoll, weil alle ähnliche Erfahrungen teilen. „Wenn ich denen etwas erzählt habe, musste ich mich nicht groß erklären. Das ist ein ganz anderer Draht, etwas Erlebtes“, so Hoffmann. Dennoch sei Krebs nicht immer das dominierende Thema. „Natürlich reden wir nicht bei jedem unserer Treffen über die Erkrankung, sondern sind eigentlich eine lustige Truppe, machen Ausflüge und unternehmen zusammen etwas. Das stärkt den Zusammenhalt und man kann sich dabei ungezwungener unterhalten, als beispielsweise bei einem Info-Abend“, sagt Hoffmann. 

„Vor 26 Jahren war das schon eher tabu, über eine Krebserkrankung zu sprechen“, so Schwierzeck.

Gegründet hatte sich die Gruppe im Jahr 1980, als die damalige Ortsgruppe des Bundesverbands Frauenselbsthilfe Krebs in Hanau zu groß wurde. Während sich die Hanauer Gruppe jedoch vor einigen Jahren aufgelöst hat, konnten die Maintaler immer mehr Mitglieder dazugewinnen. Und in der Zeit habe sich viel getan, nicht nur, was die Behandlungsmethoden von Krebserkrankungen angeht. Auch das Reden über Krebs habe sich gewandelt. „Vor 26 Jahren war das schon eher tabu, über eine Krebserkrankung zu sprechen“, so Schwierzeck. „Auch einfach, weil die Überlebenschancen bei Brustkrebs geringer waren. Heute überleben über 80 Prozent die Erkrankung.“ Wegen der Corona-Pandemie hatte die Selbsthilfegruppe ihre Treffen überwiegend in die digitale Welt verlagert. „Wir telefonieren miteinander und besuchen uns zuweilen Abstand haltend an der Haustür. Insbesondere unsere neu gegründete WhatsApp-Gruppe wird viel genutzt. Wenngleich dies die persönlichen Kontakte nicht ersetzen kann, so bleiben wir so doch miteinander vernetzt“, so Hoffmann. 

Erster Treffen werden seit Anfang Juni wieder geplant

Die Pandemie stellt auch die Frauen der Selbsthilfegruppe vor besondere Herausforderungen. „Wir als Krebspatienten gehören zu den Risikogruppen, die schneller und möglicherweise auch schwerer zu erkranken drohen als andere Bevölkerungsgruppen“, erklärt Hoffman. „Wir begrüßen die von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen. Und wir sind uns bewusst, dass wir auf längere Zeit mit diesen Einschränkungen leben müssen.“ Auch da helfe die geteilte Erfahrung sehr: „Wir haben bereits schmerzhaft erfahren, dass ein Leben nicht nur unbeschwert sein kann. Wir haben gelernt, den jeweiligen Tag zu leben und uns immer wieder neu zu orientieren.“ Daher appelliert sie an Erkrankte: „Therapien abzubrechen oder gar nicht anzutreten ist in der Regel keine gute Option.“ Seit Anfang des Monats plant die Selbsthilfegruppe wieder erste Treffen im Freien, da hier das Ansteckungsrisiko am geringsten erscheint. „Walk und Talk“ heißt das neue Format, bei dem die Gruppe Spaziergänge zum Plaudern an der frischen Luft anbietet. 

Der nächste Ausflug geht am 7. Juli in den Staatspark Hanau Wilhelmsbad.

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