Drei Frauen, die dem Krebs den Kampf angesagt haben und mit dem Buch „Das bin Ich!“ auch anderen Betroffenen Mut machen möchten: Sonja Daferner, Susanne Hoffmann und Nieves Schwierzeck von der Maintaler Gruppe der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Foto: Martina Faust

Maintal

Maintaler Frauenselbsthilfe-Gruppe nach Krebs gibt Buch heraus

Maintal. „Der Krebs schenkt uns die Möglichkeit, unser Leben neu zu gestalten.“ Es ist eine ungewohnte, vielleicht sogar befremdliche Perspektive, die Susanne Hoffmann da eröffnet.

Von Martina Faust

Doch die Erfahrung, die Krankheit als Chance zu begreifen und das Leben neu zu ordnen, intensiver zu leben und zu erleben, teilt sie mit anderen an Krebs erkrankten Frauen.

22 von ihnen haben sich porträtieren lassen und sind mit ihren Fotos und ganz persönlichen Geschichten in der Ausstellung „Das bin Ich“ vertreten. Erstmals zu sehen war sie anlässlich der Eröffnung der Maintaler Frauenwochen im Frühjahr. Seitdem waren die Porträts als Wanderausstellung an verschiedenen Orten zu sehen, etwa im Klinikum Hanau.

Bei den Aufnahmen allein sollte es nicht bleiben. Das war Initiatorin und Mitglied der Maintaler Gruppe der Frauenselbsthilfe nach Krebs, Susanne Hoffmann, früh klar. Es sollte mehr sein, etwas bleiben. Schließlich ist es das Ansinnen der Gruppe, Mut zu machen, Frauen in ihrer vermutlich größten Krise aufzufangen und den Weg zurück ins Leben zu weisen.

Gebundener Mutmacher mit 22 Porträts

Entstanden ist ein gebundenes Buch, in dem die 22 Porträts und ganz persönlichen Krankheitsgeschichten und Bewältigungsstrategien versammelt sind, und das wie die Ausstellung den Titel trägt „Das bin Ich! Starke Frauen nach, mit und trotz Krebs. Kraftquellen nutzen – ins Leben zurückfinden – Gesicht zeigen.“

Es ist quasi druckfrisch, als Nieves Schwierzeck, die langjährige Leiterin der Maintaler Selbsthilfegruppe, Susanne Hoffmann und Sonja Daferner in die Redaktion kommen, um ihr „Baby“ vorzustellen. Stolz streichen sie über den Einband. Auf dem Cover zu sehen ist eine Schwarz-Weiß-Aufnahme von Nieves Schwierzeck mit grünem Schal – die Farbe der Frauenselbsthilfe. Sie sind mehr als zufrieden mit dem hochwertigen Buch und dessen Inhalt.

Das Texteschreiben ist schwergefallen

„Die Texte sind einigen Frauen schwergefallen“, sagt Hoffmann. „Ja, es bedeutet schließlich, noch einmal in die Erkrankung zurückzugehen“, erklärt Daferner. „Aber es zeigt eben auch, dass die Krankheit eine Chance ist. Und das wollte ich zeigen. Wir sehen uns nicht als Opfer, sondern haben Kontrolle über unser Leben zurückgewonnen“, sagt Hoffmann. Und diese Botschaft strahlen auch die Porträtaufnahmen aus, die die Fotografin Anne Schelhaas-Wöll angefertigt hat: Sie zeigen starke Frauen.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der ersten Ausstellung haben die Frauen mittlerweile mit nach Hause genommen. „Mein Bild hängt gerahmt im Zimmer meiner Tochter“, sagt Daferner. Und bei Hoffmann? „Ach, ich hab da so ne kleine Ecke . . .“, sagt sie. Sie steht nicht gerne im Rampenlicht, „aber ich habe von dem Projekt profitiert. Ich wollte nie Reden halten. Durch die Ausstellung und das Buch war ich dazu gezwungen. Das hat mich im Leben weitergebracht“, erzählt sie.

Projekt ist Herzensangelegenheit

Auch für Nieves Schwierzeck ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Als ich damals, vor 26 Jahren, die Diagnose Brustkrebs erhielt, wurde alle Kraft darauf verwendet, die Krankheit nicht zu thematisieren. Das war ein Tabu. Das wollte ich nicht. Das hier“, sagt sie und legt die Hand auf das Buch, „das ist genau das, was ich will.“

Das Buch „Das bin Ich“ soll künftig über Onkologen, Kliniken, Therapeuten und das Netzwerk der Frauenselbsthilfe nach Krebs erhältlich sein.

„Natürlich erhalten auch die Frauen in unserer Gruppe bei unserem nächsten Treffen kommende Woche ein Exemplar“, sagt Hoffmann. Denn erst durch sie ist das Buch das geworden, was es sein sollte: ein Hoffnungsträger, der ganz verschiedene Bewältigungsstrategien aufzeigt und Kraft gibt. Denn: „Auch ein Leben mit Krebs ist lebenswert und kann bewältigt werden“, sagen die drei Frauen.

Informationen:Ein Kontakt zur Maintaler Gruppe Frauenselbsthilfe nach Krebs ist möglich über Nieves Schwierzeck, Telefon 0 61 81/49 38 20, Karin Daferner, Telefon 0 61 81/85 03 13 und Susanne Hoffmann, Telefon 0 61 81/49 79 30, sowie per E-Mail an frauenselbst hilfe-maintal@gmx.de.››

Frauenselbsthilfe.de

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