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Maintaler Feuerwehr sammelt Christbäume ein

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Ein starkes Team: Die Maintaler Jugendfeuerwehr bei der jährlichen Christbaumsammelaktion. Fotos: Ulrike Pongratz
Ein starkes Team: Die Maintaler Jugendfeuerwehr bei der jährlichen Christbaumsammelaktion. Fotos: Ulrike Pongratz

Maintal. „Fünf Euro!“ Finn Gröner jubelt und kommt freudestrahlend angerannt. Gemeinsam mit Sophie Börner und Lisa-Marie Wolff von der Jugendfeuerwehr Maintal ist der Elfjährige zum ersten Mal mit dabei, wenn in einer Gemeinschaftsaktion die Weihnachtsbäume in Dörnigheim eingesammelt und zur Kompostieranlage gefahren werden.

Von Ulrike Pongratz

Die Aufgabe der Jugendlichen ist es, zu klingeln und die Spende einzusammeln. Finn macht das am Samstagmorgen richtig gut: „Guten Morgen, Feuerwehr Maintal. Wir nehmen Ihren Weihnachtsbaum mit und bitten um einen Euro“, ruft er mit heller Kinderstimme freundlich in die Sprechanlagen. Nicht alle Dörnigheimer sind um diese Uhrzeit schon so munter wie Finn, einige wenige Türen öffnen sich gar nicht.

„Einen Euro brauchen wir, um unsere Kosten zu decken“, erklärt Andreas Unverricht, der seit etwa 30 Jahren fast an jeder „Weihnachtsbaum-Aktion“ teilgenommen hat. Er sitzt am Steuer des städtischen Kleinlasters und fährt im gemächlichen Tempo die Bahnhofstraße entlang. „Der Überschuss ist für einen Ausflug der Jugendfeuerwehr.“ Die Jugendlichen „arbeiten“ also für ihren Ausflug, weshalb auch Sophie und Lisa-Marie genau im Blick behalten, vor welchem Haus ein Weihnachtsbaum steht. Bei Mehrfamilienhäusern drücken die Jugendlichen alle Klingeln. Viele Maintaler drücken den Kindern Geldscheine in Hand und geben reichlich Trinkgeld, doch manchmal öffnen sich die Türen nicht. Wie Finn sind dann auch die beiden älteren Mädchen, die das nicht zum ersten Mal erleben, enttäuscht, und auch die Erwachsenen reagieren verdrießlich. „Ein Zettel ‚Wir haben überwiesen‘ und der Name darunter würde genügen“, meint Carina Horch. Sie schleppt mit Christian Müller die Bäume. Manchmal finden die Feuerwehrleute auch ein paar Münzen am Baum, doch davon wird seit einigen Jahren abgeraten. Unverricht erinnert sich an Zeiten, als kleinkriminelle Banden nachts durch die Straßen gingen und das Geld abschöpften.

Vier Teams sind ab 8 Uhr im Einsatz

Nicht nur in den vier Maintaler Stadtteilen, auch in vielen weiteren Orten Hessens sind die freiwilligen Feuerwehren unterwegs, um gegen eine Spende für die Jugendmannschaften die großen und kleinen Nordmanntannen, Blautannen und alle anderen nadelnden und pieksenden Gehölze wegzubringen. In Dörnigheim sind große und kleine Feuerwehrleute bereits um 8 Uhr im Gemeinschaftsraum zu einem stärkenden Frühstück versammelt. Sogar Daniela lässt es sich nicht nehmen, obwohl sie am Samstag elf Jahre alt und deshalb mit Geburtstagstorte und -ständchen überrascht wird.

Feuerwehrfrau und Organisatorin Melanie Krauß nutzt die Gelegenheit, der versammelten Mannschaft noch einmal das Vorgehen zu erläutern, die Teams einzuteilen und Fragen zu beantworten. In vier Gruppen geht es schließlich mit markierten Straßenkarten kurz nach 9 Uhr los. Je drei bis vier Erwachsene und drei bis vier Teenager teilen sich die Arbeit. Die Anzahl der Teams richtet sich immer nach den Kleinlastern, die der Feuerwehr zur Verfügung stehen. In Hochstadt und Wachenbuchen kann sie beispielsweise auf Traktoren zurückgreifen. „Früher haben uns oft Privatunternehmen ihre Laster ausgeliehen, da hatten wir mehr Fahrzeuge und oft auch eine größere Ladefläche. Mit der elektronischen Fahrtenkontrolle ist dies heute nicht mehr möglich“, sagt Unverricht.

"Es riecht nach Weihnachten"

Mit ihm als Fahrer sind Christian Müller, Carina Horch und die drei Jugendlichen unterwegs. Sie schleppen die Weihnachtsbäume heran, wuchten, schieben oder werfen sie auf die Ladefläche. „Einer von uns hat immer ein Auge auf die Kinder“, erklären die Erwachsenen zwischendrin. Im Eiltempo geht es neben dem Wagen her, Nadeln rieseln unter die Jacken, pieksen an den Handgelenken.

Je nach Größe passen zwischen 20 und 30 Bäume auf die Ladefläche. Zwischendrin springt Müller auf die Ladefläche, um die Bäume festzutreten. Selbst in der Fahrerkabine riecht es würzig nach Tannengrün. „Ich würde mich gerne auf die Bäume legen“, sagt Sophie, „es riecht so gut nach Weihnachten“. Erst wenn wirklich kein Baum mehr Platz hat, wird die Berliner Straße angefahren. Auch die anderen Teams kommen nach und nach in den Hof oder fahren andere Sammelstellen an, wie beispielsweise an der Werner-von-Siemens-Schule. Die riesigen Container, die gut fünf bis sechs kleine Fuhren aufnehmen können, werden schließlich mit dem großen Feuerwehrfahrzeug zur Kompostieranlage ins Gewerbegebiet gefahren. Dort wird die ganze nadelige Pracht in der Anlage zu Kleinholz gehäckselt.

Feuerwehrleute legen viele Kilometer zu Fuß zurück

Gegen 12.30 Uhr ist für die fleißigen Helfer eine kurze Mittagspause geplant, zur Stärkung und zum Aufwärmen. Bis 15 oder 16 Uhr, so schätzt man, würde die Aktion in Dörnigheim wohl dauern. Bis dahin sind Finn und sein Team zahlreiche Kilometer gelaufen und haben etliche Kilos gewuchtet. „Das ist auch eine gute Übung, um zu lernen, seine Kräfte einzuteilen“, sagt Unverricht, als er den hüpfenden Finn beobachtet. „Und eine gute Übung, Courage und Selbstbewusstsein zu entwickeln.“ Wohl wahr, wer traut sich schon, am Samstagmorgen die Leute aus dem Bett zu klingeln? Das darf nur die Maintaler Jugendfeuerwehr.

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