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Maintaler Familie nimmt an Video zum Welt-Down-Syndrom-Tag teil

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Maintal. Constantin ist ein aufgeweckter Junge, freundlich strahlt er sein Gegenüber mit großen Augen an, beobachtet neugierig seine Umwelt. „Er zeigt uns, was bedingungslose Liebe ist“, sagt seine Mutter Susanne Gabler. Constantin hat Trisomie 21. Für seine großen Schwestern Annika (10) und Franziska (8) ist das ganz normal.

Von Carolin-Christin Czichowski

Genauso normal war es für sie auch, bei dem Videoprojekt einer Elterninitiative zum heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag teilzunehmen. „Du bist so!“ heißt das Lied samt Musikvideo, bei dem mehrere Kindermusik-Bands und Kinderliedermacher mitgewirkt haben. Ein-gespielt und produziert wurde der Song von der BandKrawallo.

Vier Wochen verreist

Vor etwa vier Wochen ist die Familie Gabler dafür von Dörnigheim ins westfälische Ibbenbüren gereist – und hat dort eine riesige Party gefeiert. 130 Kinder und Jugendliche, mit Down-Syndrom und ohne, haben sich dort getroffen, einander kennengelernt und zusammen gefeiert.

„Wir haben getanzt, gesungen und mit Farbbeuteln geschmissen“, erinnert sich Annika. Und nicht zuletzt Freundschaften geschlossen. „Ich habe da Lea kennen gelernt“, sagt ihre jüngere Schwester Franziska. Lea hat auch einen kleinen Bruder mit Down-Syndrom. „Das war für mich das Schönste an dem Wochenende.“ Dass sie bei ihrer riesigen bunten Party von Kameras begleitet wurden, haben sie gar nicht wirklich gemerkt. „Aufgeregt waren wir nicht“, sagt Annika.

Ziel des Projekts „Du bist so!“ ist es, am Welt-Down-Syndrom-Tag Vorurteile und Berührungsängste abzubauen. „Und darauf aufmerksam zu machen, dass das Leben mit Trisomie 21 ganz normal und lebenswert sein kann“, sagt Susanne Gabler. Constantin und seine Familie wurden in ihrem Alltag bislang zwar noch nicht mit Vorurteilen konfrontiert. „Aber ich denke, dass Kinder da vielleicht im Vorteil sind. Wenn Constantin älter ist, werden manche vielleicht anders auf ihn reagieren.“

Aufklärung ist wichtig

Der dreifachen Mutter ist die Aufklärung zu dem Thema aus einem Grund besonders wichtig: „Auch heute noch werden noch neun von zehn Kinder mit der Diagnose Down-Syndrom abgetrieben“, sagt Gabler. Und durch die Ausweitung der Pränataldiagnostik könnten es sogar noch mehr werden. „Wenn ich Constantin so hier sitzen sehe, tut es mir um jedes dieser Kinder leid“, sagt seine Mutter.

„Man hat doch nie eine Garantie auf ein gesundes Kind“, so die Dörnigheimerin. „Es kann immer auch während der Geburt etwas passieren oder später. Dann schmeißt man sein Kind ja auch nicht einfach weg.“ Dennoch sei es natürlich jedem selbst überlassen, wie viel er sich selbst, seinem Umfeld und auch seinem Kind zumuten kann und will.

Die dreifache Mutter hatte sich vor Constantins Geburt vor fünf Jahren nicht mit dem Thema Down-Syndrom auseinandergesetzt. „Dann gab es den Verdacht während der Schwangerschaft“, sagt die dreifache Mutter. Doch die Familie habe diesen Verdacht nicht weiter verfolgt. Von der Forderung, Bluttests zur Diagnose von Down-Syndrom als Kassenleistung anzuerkennen, hält sie persönlich nicht viel. „Ich glaube, dass viele dann diese Tests machen, ohne sich vorher Gedanken über die Konsequenzen zu machen.“

Kontakt mit Betroffenen

Über „Down-Syndrom Deutschland“, eine Initiative bei Facebook von und für Menschen mit Down-Syndrom und deren Angehörige, ist Gabler mit anderen Betroffenen in Kontakt gekommen. „Wir tauschen uns regelmäßig aus und daraus sind auch schon Freundschaften entstanden.“ Durch diese Initiative ist die Dörnigheimer Familie auch auf das Musikvideo-Projekt aufmerksam geworden. „Und es war sofort klar, dass wir da mitmachen wollen“, sagt die dreifache Mutter.

Zum heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag gibt es außerdem auch eine Plakat-Aktion. Der fünfjährige Constantin lächelt den Maintalern dabei unter anderem in Arztpraxen, Bäckereien und Behörden von Postern und Postkarten entgegen, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Der heutige Aktionstag wurde erstmals 2012 offiziell von den Vereinten Nationen als solcher anerkannt. Seit mehreren Jahren findet nun schon die Plakat-Aktion der Elterninitiative statt, das Song- und Videoprojekt in diesem Jahr zum ersten Mal. „Du bist so!“ ist auf der Internet-Videoplattform Youtube zu sehen und kann ab heute auch bei Streaming-Diensten heruntergeladen werden.

›› trisomie21.net

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