Rund 35 Interessierte kamen zur Infoveranstaltung des Ausländerbeirats Maintal im Bürgerhaus Bischofsheim. Dabei wurde unter anderem die Wichtigkeit der Arbeit des Gremiums hervorgehoben. Die Wahl im Frühjahr 2021 bereitet den Anwesenden jedoch Bauchschmerzen.
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Rund 35 Interessierte kamen zur Infoveranstaltung des Ausländerbeirats Maintal im Bürgerhaus Bischofsheim. Dabei wurde unter anderem die Wichtigkeit der Arbeit des Gremiums hervorgehoben. Die Wahl im Frühjahr 2021 bereitet den Anwesenden jedoch Bauchschmerzen.

Ausländerbeirat

Vom Banker bis zum Flüchtling: Ausländerbeirat vertritt unterschiedlichste Anliegen und sucht Kandidaten

  • vonBettina Merkelbach
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Der Ausländerbeirat ist in multikulturellen Städten wie Maintal das wichtigste politische Gremium, das die Interessen ausländischer Mitbürger vertritt. Dennoch war die Beteiligung bei der letzten Wahl im November 2015 mit 1,62 Prozent so gering wie nie zuvor.

Maintal – Um über den Ausländerbeirat zu informieren und ausländische Bürger zur Beteiligung und zur Wahl zu motivieren, hatte Verena Strub, Integrationsbeauftragte der Stadt, gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen (agah) und dem Ausländerbeirat in Maintal am vergangenen Freitag zu einem Informationsabend ins Bürgerhaus Bischofsheim eingeladen.

Dabei standen vor allem die Aufgaben und Herausforderungen des Ausländerbeirats im Mittelpunkt, die von den rund 35 interessierten Besuchern, darunter zahlreiche potenzielle Wähler und Kandidaten, diskutiert wurden. „Maintal ist von nationaler, ethnischer, kultureller Vielfalt geprägt“, erklärte Integrationsbeauftragte Strub in ihrer Einführung. Die Bandbreite der Themen, Wünsche und Probleme, die der Ausländerbeirat zu vertreten hat, sei daher groß: „Vom Banker bis zum Flüchtling, von der Familie, die schon seit vielen Jahren hier lebt und integriert ist, bis zu denen, die erst seit Kurzem hier sind.“ Ihr Appell an alle: „Wir brauchen engagierte Menschen, die sich einbringen wollen, aber auch Wählerinnen und Wähler.“

Maintal: Wahl für Ausländerbeirat fällt mit der hessischen Kommunalwahl zusammen

Die nächste Wahl zum Ausländerbeirat findet gemeinsam mit der hessischen Kommunalwahl am 14. März 2021 statt. Bis Anfang Januar muss ein Wahlvorschlag mit mindestens elf Kandidaten stehen. Ansonsten, führte agah-Koordinator Stefan Zelder aus, drohe die Gefahr, dass das Gremium aus der kommunalen Satzung gestrichen und stattdessen eine Integrationskommission eingesetzt wird.

Dabei, so Zelder, sei es wünschenswert, dass der nächste Ausländerbeirat in seiner Zusammensetzung die Vielfalt der ausländischen Bevölkerung Maintals stärker als bislang widerspiegelt. Der derzeitige Beirat besteht aus elf männlichen Mitgliedern größtenteils türkischer und somalischer Abstammung. „Das ist ein tolles Gremium, um seine politischen Vorstellungen mit Gleichgesinnten einzubringen“, warb Stefan Zelder bei den Besuchern.

Aus der Praxis ihres langjährigen Engagements im Ausländerbeirat in Karben berichtete die stellvertretende agah-Vorsitzende Jetty Sabandar. Vom gemeinsamen Backen und Kochen über Vorleseaktionen in Kitas und interreligiöse Andachten bis hin zu Diskussionen zu Themen wie Rechtspopulismus – die Karbener Interessensvertretung ist außergewöhnlich aktiv, was bei einer Zuhörerin die Aussage provozierte: „Ich wünsche mir von unserem Ausländerbeirat auch mehr Eigeninitiative.“

Forderung nach mehr Präsenz des Ausländerbeirats der Stadt Maintal

Um mehr Präsenz zu zeigen, müsse der Ausländerbeirat mit all seinen Mitgliedern sichtbarer sein, zum Beispiel auf der Webseite der Stadt, lautete eine weitere Forderung aus dem Publikum. Salih Tasdirek, Vorsitzender des Maintaler Ausländerbeirates, nahm den Faden auf und berichtete von den zahlreichen Themen und Projekten, die in der aktuellen Legislaturperiode umgesetzt und auf den Weg gebracht wurden, von der Sprachförderung in den Maintaler Kitas bis zum Frauenschwimmen im Maintalbad.

„Wir nehmen eine wichtige Brückenfunktion zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und der Politik wahr“, fasste er die Aufgabe zusammen. Das „Ohr an der ausländischen Bevölkerung zu haben“, sei mindestens ebenso wichtig“, ergänzte Integrationsbeauftragte Strub. Virulente Themen seien nicht erst seit den Anschlägen in Hanau Rassismus, Diskriminierung und die gefühlte Sicherheit hier in Maintal.

Um die Zusammenarbeit mit den Fraktionen und Ausschüssen wieder zu intensivieren, versprach die neue Stadtverordnetenvorsteherin Jennifer Gutberlet (SPD), die ihren ersten Termin in dieser Funktion wahrnahm, wie ihr Vorgänger an allen Sitzungen des Auslandsbeirats teilzunehmen. „Wie wichtig uns dieses Gremium ist, zeigt schon, dass heute Abend Vertreter fast aller Fraktionen hier sind“, sagte Gutberlet.

Maintal: Ohne Wahlvorschläge könne keine Wahl stattfinden

Dabei sei es, so erklärte Stefan Zelder auf eine Frage aus dem Publikum, kein Hindernis, sich für den Ausländerbeirat aufstellen zu lassen, wenn man bereits Stadtverordnetenmitglied sei. „Wir brauchen Wahlvorschläge“, appellierte er eindringlich an alle Teilnehmer. „Sonst gibt es im März 2021 keine Wahl.“

„Einen gewählten Ausländerbeirat abzuschaffen, ist ein Unding“, stimmte ihm Jetty Sabandar in ihrem flammenden Plädoyer für den Fortbestand des Gremiums zu. Bleibt die Hoffnung, dass die Wahlbeteiligung aufgrund der Zusammenlegung der Wahl mit der Kommunalwahl ohnehin steigt.

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