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Maintal reagiert auf häufige Starkregenereignisse

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Im Zuge von Straßenbaumaßnahmen ertüchtigt und erneuert die Stadt auch das Kanalnetz, um in Zukunft für Starkregenereignisse besser gewappnet zu sein.  Archivfoto: Kalle
Im Zuge von Straßenbaumaßnahmen ertüchtigt und erneuert die Stadt auch das Kanalnetz, um in Zukunft für Starkregenereignisse besser gewappnet zu sein. Archivfoto: Kalle

Maintal. Urbane Sturzfluten. Das klingt nach Endzeitstimmung. Doch urbane Sturzfluten sind weniger ein cineastisches Motiv, sondern vielmehr ein kommunales Problem. Auch in Maintal.

Von Martina Faust

Denn aufgrund von Starkregenereignissen kommt es auch in Maintal immer wieder zu solchen Sturzfluten, bei denen Wasser und Schlamm in die Ortslagen und Häuser gespült werden. Zuletzt sorgten die heftigen Niederschläge im Juni und Juli vergangenen Jahres für überschwemmte Straßen und Keller. Im Rathaus ist das kein neues Problem. Seit Jahrzehnten versucht man mit verschiedenen Maßnahmen darauf zu reagieren. So erfolgten bereits Gespräche mit Landwirten, um sich durch den Anbau bestimmter Feldfrüchte in den betroffenen Lagen auf erosionswirksame Kulturmaßnahmen zu verständigen und so den Bodenabtrag durch Starkregen zu minimieren. Parallel dazu kommt der Anpassung des Kanalnetzes eine entscheidende Bedeutung zu.

"Beim Bau des Kanalnetzes waren die Wassermengen, die heute mit Starkregenereignissen einhergehen, noch kein Thema. Aber der Klimawandel hat uns eingeholt“, erklärt Martin Weiß vom Fachbereich Stadtentwicklung und Umwelt im Gespräch. Unter dem Stichwort „Regenwasserbewirtschaftung“ reagiert Maintal seit vielen Jahren darauf. „Dabei ist die zentrale Fragestellung, wie wir mit den Wassermengen umgehen“, erläutert Weiß.

Getrenntes Kanalsystem

IIn Neubaugebieten ist dies recht einfach. „Dort soll die versiegelte Fläche mit höchstens 40 Prozent so gering wie möglich gehalten werden. Denn auf einer vollständig versiegelten Fläche fließt alles in den Kanal, und den wollen wir ja entlasten“, sagt Weiß. Ergänzend setzt man in Neubaugebieten auf ein getrenntes System für Schmutz- und Regenwasser. „Bei Infrastrukturmaßnahmen achten wir seit Jahren darauf, getrennte Kanäle für Regen- und Schmutzwasser einzubauen“, erklärt der Erste Stadtrat Ralf Sachtleber. Für das Schmutzwasser geht es in die Kläranlage, das Regenwasser wird in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt. Ein Beispiel ist das Neubaugebiet in Hochstadt. Regenwasser, das dort gesammelt wird, wird in den südlich gelegenen Wald geleitet – verbunden mit einer Reihe von Vorteilen: Das Kanalsystem und die Kläranlagen werden entlastet, der Grundwasserspiegel steigt und die Natur erhält das wertvolle Regenwasser zurück.

Parallel entstehen Rückhalteräume wie Zisternen oder Kanäle mit großem Durchmesser, die im Bedarfsfall große Wassermengen aufnehmen können. Doch gerade in den Ortslagen ist dies aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht immer möglich.

Natur als Auffangraum für das Wasser

Bei der Regenwasserbewirtschaftung richtet sich der Blick aber nicht nur auf die bebauten Flächen, sondern auch auf die Außenbereiche. „Wir überprüfen, inwiefern Naturräume als Auffangareal genutzt werden können“, erklärt Weiß. Es ist ein Paradigmenwechsel, der hier erfolgt. „Früher wurden Gräben angelegt, um das Wasser abzuleiten, Bäche und Flüsse wurden begradigt“, erzählt er. Dadurch könnten die Gewässer aber keine großen Wassermengen mehr fassen. Dies soll sich ändern. Renaturierung ist das Stichwort. Entsprechende Maßnahmen erfolgten in der Vergangenheit an der Braubach in Dörnigheim und am Seulbach in Wachenbuchen. Dabei kommt den Kommunen die EU-Wasserrahmenrichtlinie zupass, die für solche Maßnahmen Fördergelder in Aussicht stellt. Auch innerhalb des Stadtgebiets erfolgt fortlaufend der Austausch von alten Kanälen, jüngst etwa in der Goethestraße.

„Natürlich ist das Mischsystem mit einem gemeinsamen Rohr für Regen- und Schmutzwasser noch vorherrschend. Doch das wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten sukzessive ausgetauscht“, erklärt Sachtleber. In Neubaugebieten ist das Trennsystem bereits Standard, und auch für Neubauten gilt in Maintal seit einem Jahr eine neue Entwässerungssatzung, die vorsieht, dass private Bauherren Zisterne und Rückhalteräume für Regenwasser schaffen und so ebenfalls einen Beitrag zur Entlastung des Kanals leisten.

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