Marcus Hör (links) und Christoph Stückenschneider wollen mit „Wir in Maintal“ ins Parlament einziehen.
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Marcus Hör (links) und Christoph Stückenschneider wollen mit „Wir in Maintal“ ins Parlament einziehen.

Lokalpolitik

Neuer Player in der Politik: Wählerinitiative „Wir in Maintal“will ins Stadtparlament

  • Jan Max Gepperth
    vonJan Max Gepperth
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Dass politische Parteien und Gruppierungen auf dem Wochenmarkt Präsenz zeigen, ist nichts Ungewöhnliches. Doch die Besucher der Bischofsheimer Wochenmarktes wurden am Freitag mit einer ihnen bisher unbekannten Gruppierung konfrontiert, die dort ihre Flyer verteilte und einen Stand aufgebaut hatte.

Maintal – „Wir in Maintal“, kurz WIM, heißt die neue Wählerinitiative, die an der Kommunalwahl 2021 teilnehmen und ins Maintaler Stadtparlament einziehen möchte. Vertreten wird die neue Gruppierung von Marcus Hör, dem Vorsitzenden, und Christoph Stückenschneider. Letzterer sitzt bereits als fraktionsloser Parlamentarier in der Maintaler Stadtverordnetenversammlung.

Als Beweggründe, sich in der Maintaler Politik zu engagierten, nennen die beiden insgesamt vier Faktoren: Die Kommunikation und Umgangsformen im Parlament, die Abwahl des Ersten Stadtrats ,den Green Tower sowie die Befürchtung vor einem möglichen Rechtsruck in Maintal. „Wir glauben, es geht nicht nur uns auf den Senkel, was da abgeht“, sagt Hör. Für ihn und Stückenschneider habe sich das Gefühl verstärkt, dass es im Maintaler Parlament nicht mehr wirklich um die Sachpolitik gehe. Stattdessen würden die Diskussionen oft in persönlichen Sticheleien ausarten.

Wählerinitiative „Wir in Maintal" kritisiert die Abwahl des Ersten Stadtrats

Besonders sei dies für die beiden im Hinblick auf die Abwahl des Ersten Stadtrats Ralf Sachtleber und der damit verbundenen Suche nach einem Nachfolger deutlich geworden. „Es ging nicht um die Abwahl an sich. Das ist das gute Recht der Stadtverordneten“, stellte Hör jedoch sofort klar. „Was uns gestört hat, war die Art und Weise.“ Vor allem wie mit der Kandidatin der WAM umgegangen worden sei, wäre nicht annehmbar gewesen. Bei der Wahl um die Nachfolge von Ralf Sachtleber hatte sich Sabine Freter aus Mörfelden-Walldorf auf die Stelle beworben. Im Vorfeld der Wahl wurden jedoch anonyme Mails verschickt, die Freter vorwarfen, in ihrem Lebenslauf falsche Angaben gemacht zu haben. „Was macht es denn für einen Eindruck, wenn eine Kandidatin von außerhalb kommt und dann mit anonymen E-Mails unter Druck gesetzt wird“, so Hör.

Auch der Magistrat und die Bürgermeisterin stünden regelmäßig in der Kritik der Stadtverordneten. Vor allem die Informationspolitik wurde hierbei kritisiert. „Oft wird dem Magistrat oder Frau Böttcher vorgeworfen, dass die Stadtverordneten keine Informationen bekämen. Aus meiner Zeit als Stadtverordneter kann ich sagen, dass das nicht stimmt“, erklärt Stückenschneider. So hätten sowohl Sachtleber als auch Böttcher regelmäßig angeboten, in die Fraktionen zu kommen und für Fragen zur Verfügung zu stehen. „Das wurde von den Fraktionen aber so gut wie nie angenommen“, so Stückenschneider.

Maintal: Den Vorwurf, nur der verlängerte Arm der Bürgermeisterin werden zu wollen, weißt die Wählerinitiative zurück

Vorwürfe gegenüber der neuen Initiative, dass Stückenschneider wegen seines privat guten Verhältnis zu Böttcher mit WIM einen verlängerten Arm der Bürgermeisterin im Parlament platzieren möchte, weist er vehement zurück. „Wir wollen eine konstruktive und gute Zusammenarbeit mit allen Akteuren auf Augenhöhe“, so Stückenschneider, der mit Hör klar erklärt, dass beide persönliche Nähe nicht mit Politik vermischen wollen.

Druckfrisch: Auf dem Bischofsheimer Wochenmarkt verteilte die neue Wählerinitiative Flyer mit ihrem Wahlprogramm.

Ein weiterer, wenn nach eigenen Aussagen nicht sogar der wichtigste Grund für das politische Engagement der beiden ist die Befürchtung eines Rechtsrucks in der Maintaler Politik. „Die schlechte Politik in Maintal spielt den Rechten einfach in die Karten und steigert die Frustration“, so Hör. „Wir können das Risiko nicht eingehen, dass die Menschen bei der Wahl keine Alternativen sehen.“ Daher sahen beide keine andere Möglichkeit als aktiv zu werden. „Ein Rechtsruck würde das Parlament für die nächsten fünf Jahre außer Gefecht setzen“, stellte der Vorsitzende von „Wir in Maintal“ klar.

Wählerinitiative „Wir in Maintal“ will Dinge in der Stadt verändern

Doch die neue Wählerinitiative will nach vorne sehen. „Diese Gründe, wieso wir antreten, haben uns zwar hierher gebracht, sollen aber nicht die Zukunft sein“, erklärt Hör. Vielmehr wollen man diese Hintergründe als Ansporn nehmen, Dinge in Maintal zu verändern. „Wir sind hier aufgewachsen und wollen hier alt werden. Daher haben wir die Pflicht, aktiv zu werden, um etwas im eigenen Ort zu erreichen“, erklären beide ihre Ziele.

Die Kernthemen der WIM sind, laut ihrem Flyer, die Stärkung der Infrastruktur, der Umweltschutz sowie die Wirtschaftsförderung. Außerdem fordern sie, dass Maintal nicht das Schlafzimmer Frankfurts werden solle. Hierbei geht es für die WIM vor allem um die bauliche Stadtentwicklung Maintals.

Um bei der Kommunalwahl antreten zu können, müsse eine Wählerinitiative, so Hör, bei einer Mitgliederversammlung demokratisch eine Satzung verabschieden. Im Anschluss seien mindestens 90 Unterschriften erforderlich, die an ein für die Kommunalwahl eingerichtetes Fachteam eingereicht werden müssten. Dann gelte eine Wählerinitiative offiziell als gegründet.

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