Spielplatz am Dörnigheimer Mainufer
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Seit einigen Jahren ein Streitpunkt: Vor allem nachts sei der Lärm an der Spiel- und Freizeitanlage am Dörnigheimer Mainufer laut Anwohnern kaum auszuhalten. Daher stellen sie neue Forderungen an die Stadt.

Maintal

Ärger am Mainufer in Maintal: Anwohner beschweren sich über Ruhestörungen

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Schreiende Kinder, lärmende Jugendliche: Viele Anwohner des Maintaler Mainufers fühlen gestört. Nun klagen sie ihr Leid.

Maintal – „Wissen Sie eigentlich, wie viel Krach so eine Seilbahn macht?“, fragt Carolina Huwer. Sie wohnt mit ihrem Mann seit 32 Jahren am Dörnigheimer Mainufer. Seit einigen Jahren habe die Lärmbelästigung dort jedoch durch die Gestaltung des Mainufers zu einer Spiel- und Freizeitanlage stark zugenommen. In der Corona-Zeit werde dies besonders deutlich: Die Zahl der Besucher sei gestiegen und damit zwangsläufig auch der Lärm. „Spät abends, um 21 Uhr, sind Familien noch mit ihren kleinen Kindern auf dem Spielplatz“, sagt ihr Mann Gerhard Huwer. Und am späteren Abend nähmen die Jugendlichen die Spielgeräte in Beschlag.

Da die Diskotheken wegen des Corona-Virus noch geschlossen haben, fänden dort nun nächtliche Techno-Parties statt, wie sie berichten. Die Tischtennisplatten würden zu Theken und auf Spielgeräten und im Sandkasten träfen sich nachts die Jugendlichen. Zusammen hat das Ehepaar sich daher nun mit erneuten Forderungen an die Stadt gewandt und sieben weitere Anwohner ins Boot geholt, die im Gespräch mit unserer Zeitung über die nächtlichen Ruhestörungen sprechen. Sie fordern eine bessere Beschilderung mit Hinweisen auf Lärmschutzvorschriften und das Fußballverbot in der Nähe der Radwege sowie, dass alle Spielgeräte der Freizeitanlage ab 20 Uhr abgeschlossen werden sollen.

Anwohner der Mainufers suchten bereits das Gespräch mit der Stadt Maintal

Dazu standen die Anwohner bereits im Gespräch mit der Stadt, die ihnen den Vorschlag unterbreitet hatte, eine Patenschaft für die Spielgeräte zu übernehmen, womit diese selbst dafür verantwortlich gewesen wären, die Spielgeräte morgens wieder aufzuschließen, nachdem die Stadt sie abends abgeschlossen hätte. Dieser Vorschlag sei allerdings seitens der Anwohner abgelehnt worden. Sie, so erzählt Gerhard Huwer im Gespräch, könnten die Spielgeräte nicht jeden morgen um 8 Uhr aufschließen und fordern daher, dass diese Aufgabe an das Reinigungspersonal, das morgens die Mülltonnen entleert, übergeben werden solle.

Zu Beginn seien die Anwohner Teil der Stadtleitgruppe Mainufer gewesen und hätten Ideen für die Umgestaltung des Mainufers beigetragen. „Dann sind wir aber aus Protest ausgetreten“, sagt der Nachbar des Ehepaars Herbert Ebert. „Wir kämpfen jetzt schon seit Jahren.“ Von der Stadt fühlen sie sich in ihrem Anliegen nicht ernst genommen. „Das Mainufer wird für alle schön gemacht, aber wir als Anwohner haben keine Rechte“, so Jutta Lindenbeck. „Nach der dritten oder vierten Nacht ohne Schlaf gehen Sie auf dem Zahnfleisch. Abends bis spät in die Nacht kann man kein Fenster aufmachen, und wenn wir im Sommer auf dem Balkon sitzen, müssen wir manchmal nach drinnen gehen, um uns vom Lärm zu erholen“, sagt sie.

Lärmbelästigung am Mainufer sei für die Anwohner unerträglich geworden

„Wir wollen ja nicht viel, nur ein bisschen Ruhe“, pflichtet Carolina Huwer ihr bei. Gegen Kinder hätte keiner der Anwohner etwas, aber die Lärmbelastung sei schleichend immer schlimmer geworden. Über die Jahre haben die Anwohner alles, was sie als störend empfinden, mit Handybildern und Videos dokumentiert.

Bereits vor sechs Jahren hatten sie eine Petition mit knapp 60 Unterschriften bei der Stadt eingereicht. Laut Anwohnern hätte das wenig gebracht. Die Stadt sieht das jedoch anders: „Daraufhin fand eine gemeinsame Ortsbegehung statt, in deren Folge beispielsweise die Drehwippe auf dem Spielplatz abgebaut wurde“, so Pressesprecherin Martina Faust. „Außerdem gab es von städtischer Seite Vorschläge für alternative Aufenthaltsbereiche für Jugendliche, die allerdings seitens der Anwohner keine Unterstützung fanden. Seitdem gab es zahlreiche weitere Gespräche und einen umfangreichen Schriftverkehr.“

Stadt Maintal sei auf die Beschwerden der Anwohner des Mainufers stets eingegangen

Auf die Beschwerden der Anwohner sei die Stadtverwaltung stets eingegangen. „Zudem fanden mehrere persönliche Gespräche auch vor Ort statt“, so Faust. „Wir sind in den zurückliegenden Jahren den Bedürfnissen der Anwohner durchaus entgegen gekommen. So wurden etwa die Fußballtore abgebaut und an anderer Stelle durch kleine Hockey-Tore ersetzt.“ Dadurch seien organisierte Freizeitmannschaften, die bis in den späten Abend Lärm verursachten, nicht mehr auf den Wiesen vertreten. „Hinsichtlich der Angebote für ältere Kinder wurde bewusst ein wohnortferner Standort gewählt und die Spielgeräte mit größeren Abständen aufgestellt“, heißt es aus dem Rathaus.

Nächtliche Ruhestörungen seien auch von städtischer Seite unerwünscht, das schmälere jedoch nicht den Wert des Mainufers als Naherholungsgebiet: „Das Dörnigheimer Mainufer ist ein Naherholungsgebiet mit einer hohen Aufenthaltsqualität für alle Altersgruppen. Wenn Menschen hierher kommen, um diesen Ort zu erleben und zu beleben, dann freut uns das.“ Die von den Anwohnern geforderten neuen Schilder würden zeitnah aufgestellt, um damit Besucher um rücksichtsvolles Verhalten im Bereich der Spiel- und Grünanlagen zu bitten. Den Spielplatz nachts abzuschließen, sei hingegen nicht geplant und wäre aus städtischer Sicht auch nicht zielführend.

Maintal: Die Seilbahn am Mainufer sei laut Stadt kein neuer Lärmfaktor für die Anwohner

Zudem sei die Seilbahn kein neuer Lärmfaktor: „Eine Seilbahn gibt es am Mainufer bereits seit Jahrzehnten, seit dieser Bereich als regionale Spiel- und Freizeitanlage genutzt wird“, teilt die Pressesprecherin weiter mit. „Zwischenzeitlich wurde lediglich der Standort verändert, um eine Gefährdung des Rad- und Fußverkehrs zu vermeiden, und 2008 zeitgleich mit dem Karussell eine neue Seilbahn aufgestellt.“

Dennoch würden die Anwohner mittlerweile fast jeden Abend wegen Ruhestörung die Polizei rufen. „Die nehmen uns schon gar nicht mehr ernst“, sagt Ebert. „Direkt auf der Bank vor unserem Haus werden nachts Drogen konsumiert und verkauft. Das ist ein regelrechter Treffpunkt.“ Schon oft habe er deshalb vom Balkon aus zur Ruhe gemahnt und sei daraufhin bedroht worden. „Der Respekt vor uns Anwohnern wird mit Füßen getreten“, sagt er. Ein Foto von ihm und seinen Nachbarn in der Zeitung komme daher nicht in Frage. Hier fehle nach Ansicht der Anwohner eine effektive Kontrolle des Mainufers in den Abendstunden.

Präventivstreife am Mainufer musste eingestellt werden

Auch hier relativiert die Stadt: „Die Präventivstreife in den Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende musste zu unserem großen Bedauern im Januar eingestellt werden.“ Grund dafür war das Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts, nachdem Kommunen „hoheitliche Aufgaben“, wie etwa die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten, nicht an Dritte abgeben darf. In Maintal war im Rahmen der Präventivstreife ein externer Dienstleister beauftragt und vom Regierungspräsidium bestellt, der nach dem Urteil nicht mehr zum Einsatz kommen durfte. „Seitdem übernimmt die Polizei die Kontrollen. Die Präventionsstreife soll jedoch mit eigenen Mitarbeitern der Ordnungsbehörde wieder aufgenommen werden“, so Faust. „Ein Drogen- oder Kriminalitätsproblem ist uns in diesem Bereich nicht bekannt.“

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