Wartet vergeblich auf staatliche Hilfen in Spanien: Der Maintaler Charles Nickolai befindet sich auf Ibiza in einer prekären Situation.
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Wartet vergeblich auf staatliche Hilfen in Spanien: Der Maintaler Charles Nickolai befindet sich auf Ibiza in einer prekären Situation.

Corona

Krise im Paradies: Maintaler Gastronom auf Ibiza kämpft für Rechte von Selbstständigen während der Pandemie

  • Jan Max Gepperth
    VonJan Max Gepperth
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Charles Nickolai. Wer diesen Namen in Dörnigheim hört, erinnert sich bestimmt an die große Geschenkaktion im Dezember 2019. Damals organisierte Nickolai Geschenke für 294 Kinder in Maintal, die ansonsten an Weihnachten ganz leer ausgegangen wären. Nun ist der Gastronom, Event-Organisator und Wahl-Ibizenker, selbst in Schwierigkeiten. Grund hierfür ist die Corona-Krise.

Maintal –Der 42-Jährige aus Dörnigheim wohnt seit 1998 auf Ibiza und betreibt dort ein Restaurant und eine Eventagentur am Playa den Bossa, dem nach seiner Aussage größten und multikulturellsten Ort auf ganz Ibiza. Doch seit der Corona-Krise ist alles anders. „Ich hatte im vergangenen Jahr nur fünf Wochen geöffnet“, berichtet Nickolai verzweifelt. Im Sommer habe er kurz sein Restaurant öffnen können, aber dann sei in den meisten europäischen Ländern eine Quarantänepflicht für Rückreisende ausgerufen worden. „Innerhalb von drei Tagen waren die Straßen leer und wir mussten schließen“, so der Unternehmer.

Nach Aussagen von Nikolai werden die Gastronomen von der spanischen Regierung im Stich gelassen. „Es ist nicht so toll wie in Deutschland. Der Tourismus ist der am meisten geschädigte Sektor in Spanien und trotzdem bekommen wir keine Hilfe“, so der Gastronom.

Selbstständige müssen Sozialversicherung zahlen

Aus diesem Grund engagiert sich Nickolai bei der Protestbewegung #AutonomosLivesMatters, für die der er auf die Straße geht. Autonomos sind in Spanien Selbstständige.

Während es in Deutschland für Selbstständige schnelle Hilfen gibt, die nicht zurückgezahlt werden müssen, werden in Spanien laut der deutschsprachigen „Mallorca Zeitung“ Kredite vergeben, die umständlich beantragt werden müssen und zur Folge haben, dass die Kleinunternehmer sich verschulden. Zwar sei eine monatliche Hilfe von ungefähr 660 Euro für Selbstständige bewilligt worden, aber die Vorauszahlungen in die Sozialversicherung von 283 Euro müssten die Autonomos weiterzahlen – auch wenn sie in diesem Zeitraum kein einziger Cent als Einnahme verbucht worden sei. Erst später könne eine rückwirkende Stundung der getätigten Monatszahlungen beantragt werden.

Letzter Deutscher in Touristenzone

Nickolai selbst ist nach eigener Aussage der letzte Deutsche in der ganzen Touristenzone, der sein Geschäft noch halten kann. „Alle anderen sind geflüchtet oder verschuldet“, fasst er die Situation zusammen.

Und auch für die Zukunft sieht er schwarz. Die Regierung habe verkündet, dass Touristen erst wieder ins Land gelassen würden, wenn 70 Prozent der Spanier geimpft seien. „Das ist unser geschäftliches Todesurteil“, prophezeit der Gastronom. „Wir werden alle kaputtgehen. Alle Deutschen, Engländer, Franzosen, die den Traum hatten, auszuwandern.“

Doch nicht nur für diese Menschen sei dies eine Hiobsbotschaft. Mit der Politik bringe man die Tourismusbranche in ganz Spanien an den Rand der Existenz.

Regierung hat Hilfspaket in Aussicht gestellt

Ende Dezember 2020 hat die spanische Regierung ein Hilfspaket in Höhe von 4,22 Milliarden Euro für das Gastgewerbe in Spanien angekündigt. Vorgesehen sind unter anderem Mietzuschüsse und weitere Finanzspritzen, Nachlässe bei den Sozialabgaben, Erleichterungen bei den Steuerzahlungen sowie eine Verlängerung der Kurzarbeit.

Madrid will außerdem die Großvermieter von Läden, die für zehn oder mehr Lokale Geld kassieren, zu Nachlässen von 50 Prozent zwingen, falls auf dem Verhandlungsweg keine Lösung zustande kommt. Von diesem Geld weiß Nickolai jedoch nach eigenen Angaben nichts. Der ausgewanderte Dörnigheimer möchte aber dennoch weiter kämpfen.

„Ich kann es nicht mit mir ausmachen, aufzugeben. Ich werde weitermachen, bis ich umfalle. Ich will stehen bleiben. Aber ehrlicherweise, weiß ich immer weniger, wie“, sagt Nickolai. (Von Jan Max Gepperth)

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