Tatort Berliner Straße: Das Hanauer Schwurgericht wird ab Montag untersuchen, was im September 2019 bei der Bluttat in Dörnigheim passiert ist. Die Staatsanwaltschaft vermutet Eifersucht als Motiv für den Schuss auf eine 26-jährige Frau.
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Tatort Berliner Straße: Das Hanauer Schwurgericht wird ab Montag untersuchen, was im September 2019 bei der Bluttat in Dörnigheim passiert ist. Die Staatsanwaltschaft vermutet Eifersucht als Motiv für den Schuss auf eine 26-jährige Frau.

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Kopfschuss aus Eifersucht: Dritter Anlauf im Prozess um versuchten Mord in Dörnigheim

  • Thorsten Becker
    VonThorsten Becker
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Was ist am 2. September 2019 an der Berliner Straße in Dörnigheim geschehen? Diese Frage untersucht die 1. Schwurgerichtskammer am Hanauer Landgericht vom kommenden Montag an.

Maintal/Hanau – Auf der Anklagebank sitzt der 37-jährige Afewerki W., dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord an seiner Ex-Freundin vorwirft. „Aus niedrigen Beweggründen“, so die Anklage, soll W. der Frau in den Kopf geschossen haben (wir berichteten).

Als Motiv für das Verbrechen nehmen die Ermittler chronische Eifersucht des 37-Jährigen an. Der Mordversuch ist nicht der einzige Anklagepunkt. Ihm werden außerdem Körperverletzung und Bedrohung vorgeworfen.

Mehrere Wochen soll W. seiner Ex-Freundin nachgestellt, sie eingeschüchtert und geschlagen haben. Der Streit sei dann eskaliert und habe zu der Bluttat geführt.

Ende Juli 2019 soll es zu der ersten Eifersuchtsszene gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass W. „aus Eifersucht“ das Smartphone der elf Jahre jüngeren Frau kontrollieren wollte, weil er einen Nebenbuhler befürchtete.

Streit zog sich über einen längeren Zeitraum

Da das Telefon jedoch gesperrt gewesen sei, habe der 37-Jährige der 26-Jährigen ins Gesicht geschlagen, um die PIN-Nummer zum Entsperren zu bekommen. Danach soll er ihr ein Kissen ins Gesicht gedrückt haben, bis er Einblick in das Handy bekommen hat.

Wenige Tage später soll der Angeklagte dann an der Wilhelmsbader Straße mit einem Backstein auf die Frau losgegangen sein. Aufmerksame Zeugen verhinderten jedoch eine Gewalttat und überwältigten W. kurzerhand.

Der weitere Vorwurf: W. soll zudem 700 Euro, die angeblich ihm gehörten, von seiner Ex-Freundin zurückgefordert und gedroht haben, sie andernfalls „umzubringen“. Nach den Rekonstruktionen der Kriminalpolizei sei es dann in der Nacht zum 2. September in einem Café erneut zum Streit zwischen den beiden gekommen. W. habe wieder einen Nebenbuhler vermutet und wollte die Frau zur Rede stellen.

Angeklagte soll der Geschädigten in den Hinterkopf geschossen haben

Als es dann einen Hinweis auf einen anderen Mann gegeben habe, seien beide in Richtung Berliner Straße gelaufen. Offenbar habe W. den vermeintlichen Nebenbuhler zur Rede stellen wollen.

„Vor dem Haus an der Berliner Straße 122 zückte der Angeklagte die Waffe und schoss aus nächster Distanz . . . einer dieser Schüsse traf die Geschädigte am Hinterkopf. Der Angeklagte glaubte, sein Ziel erreicht zu haben, und flüchtete“, heißt es in der Anklageschrift.

Das Opfer wurde schließlich von Polizisten entdeckt, die von Anwohnern alarmiert worden waren. Eine Notoperation an der Uniklinik Frankfurt rettet das Leben der Frau, denn das Projektil konnte erfolgreich entfernt werden. Wenig später wurde W. verhaftet und in Untersuchungshaft geschickt. Von der Tatwaffe fehlt bislang jede Spur.

Mehrere Verschiebungen wegen der Corona-Pandemie

Diese Version des Tatablaufs ist bereits im Februar 2020 vor dem Schwurgericht zur Sprache gekommen. Doch der erste Anlauf für den Prozess musste abgebrochen werden, weil die Hauptverhandlung wegen eines Krankheitsfalls nicht mehr rechtzeitig fortgesetzt werden konnte.

Den zweiten Anlauf machte dann im März die Corona-Pandemie zunichte. Der Prozessauftakt wurde zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben. Allerdings war für die Kammer auch keine Eile geboten, da W. wegen Einbruchsdiebstahls bislang eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verbüßt.

Am Montag beginnt nun der dritte Anlauf. Der Prozess unter dem Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel ist zunächst auf fünf Verhandlungstage angesetzt worden. (Von Thorsten Becker)

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