Öffentlicher Streit

„Jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren“: Cetiner attackiert Sebastian Maier im Internet

  • Jan Max Gepperth
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Nachdem bekannt wurde, dass die Mainkultur am Dörnigheimer Ufer neu ausgeschrieben werden soll, äußerte der Pächter Ahmet Cetiner Kritik. Die SPD, die Cetiner hier vor allem in Person des Fraktionsvorsitzenden Sebastian Maier ins Visier nimmt, weist die Beschuldigungen zurück.

Ahmet Cetiner erhob schwere Anschuldigungen gegen Sebastian Maier auf den sozialen Netzwerken.

Maintal – „Ich werde alles, was dieser Magistrat unter Monika Böttcher versucht umzusetzen, mit meiner Fraktion verhindern. Dazu gehören auch deine Projekte“, soll Sebastian Maier im September 2017 zu Ahmet Cetiner gesagt haben. Das behauptet der Maintaler Unternehmer auf Facebook. „Sebastian Maier besuchte mich mit Jochen Spaeth im September 2017 nach meiner Präsentation des bereits gestarteten Carsharing-Projekts bei der Mainkultur. Dort versuchte er, mich davon zu überzeugen, mein Projekt einzustellen“, schreibt der Unternehmer auf Facebook.

Maier weist die Vorwürfe entspannt zurück. „Bei Herrn Cetiner ist mein Blutdruck sehr niedrig“, sagt er. Dieses Vorgehen sei in Maiers Augen nicht überraschend. Bereits in der Vergangenheit sei es vonseiten der SPD zu Unterlassungsaufforderungen gegen Cetiner gekommen, der mit seinen Äußerungen regelmäßig negativ aufgefallen sei – vor allem in den sozialen Medien. Da diese jedoch nicht gefruchtet hätten, müsse man sich über mögliche rechtliche Schritte unterhalten. „Wir reden hier über mögliche Straftatbestände“, so Maier auf Nachfrage unserer Zeitung.

Schwere Unterstellungen gegen Sebastian Maier (SPD)

Auf Facebook unterstellt Cetiner den Stadtverordneten, seine Projekte „zu sabotieren“. Dies weist Maier vehement zurück: „Wenn Leute in unserer Stadt tätig sind und ihre Projekte mit Steuergeldern umsetzen wollen, sind wir verpflichtet, genau hinzusehen“, erklärt Maier. „Wir werden einen Teufel tun und Steuergelder einfach einem Unternehmer in die Hand drücken.“

Sebastian Maier ist Fraktionsvorsitzender der SPD Maintal

Auch Jochen Spaeth, der bei besagtem Gespräch im September 2017 anwesend war, weist die Anschuldigungen zurück. Damals sei es bei dem Gespräch um die E-Ladesäulen und deren Finanzierung gegangen. „Er wollte mit uns darüber reden, ob die Maintal-Werke eventuell Teilhaber bei seinem Projekt werden könnten“, erinnert sich Spaeth.

„Wir haben ihm dann erklärt, dass das aus mehreren Gründen schwierig sein wird.“ Zum einen sei es keine politische Entscheidung, sondern obliege der MWG, ob sie sich auf so etwas einlasse. Zum anderen habe man Cetiner darauf hingewiesen, dass die Ladestationen dann allgemeinzugänglich sein müssten und nicht ausschließlich für sein Carsharing reserviert werden dürften. Dies habe Cetiner nicht gefallen. Daraufhin habe der Unternehmer den beiden Sozialdemokraten gedroht. „Er sagte, dass er mit aller Macht versuchen werde, uns fertig zu machen. Daraufhin haben wir das Gespräch schnell beendet“, erinnert sich Spaeth.

Kein Groll gegenüber Cetiner

Cetiner erklärt auf Nachfrage, dass es nicht seine Idee gewesen sei, exklusive Ladeflächen zur Verfügung gestellt zu bekommen. „Ich habe nie entschieden, dass das meine exklusiven Ladeflächen sind. Das war die Idee des Klimamanagers“, erinnert er sich.

Obwohl Cetiner den beiden Sozialdemokraten gedroht haben soll, würden beide keinen Groll gegen den Maintaler Unternehmer hegen. „Der Beschluss, in die Infrastruktur der Mainkultur zu investieren und insgesamt 100 000 Euro in den Haushalt einzustellen, wurde im Ausschuss damals einstimmig beschlossen“, erklärt Spaeth. „Wir wünschen uns, dass das da unten floriert. Und das machen wir unabhängig davon, welcher Wirt die Lokalität betreut“, fasst er zusammen. Maier ergänzt: „Man darf das Projekt nicht vom Pächter abhängig machen. Da es mit Steuergeldern gefördert wird, muss das Projekt langfristig und pächterunabhängig funktionieren“, stellt er seine Position klar.

Stadt musste die Mainkultur neu ausschreiben

Ahmet Cetiner, Unternehmer aus Maintal und Betreiber der Mainkultur

„Das Ganze überhaupt auszuschreiben, finde ich ziemlich daneben“, sagt Cetiner im Gespräch mit unserer Zeitung. Hintergrund ist, wie er auf Nachfrage erklärt, dass die Idee der Mainkultur von ihm stamme. Er sei damals auf Böttcher zugekommen und habe allein für den Aufbau um die 100 000 Euro in die Mainkultur investiert – ohne Personal oder laufende Kosten. „Ich habe von der Stadt keinen einzigen Euro kassiert“, sagt Cetiner.

Das Grundstück gehöre zwar der Stadt, aber der Rest sei von ihm erbracht worden. Daher fühle er sich über den Tisch gezogen. Es gehe ihm nicht darum dass er die Mainkultur dauerhaft betreiben wolle, sondern darum, wie die Sache abgelaufen sei. „Ich bin nicht Politiker genug, um zu sagen, welchen Weg man gehen sollte, aber nicht diesen Weg“, findet der Maintaler. Zudem sei die von Maier und Spaeth angesprochene Förderung zwar beschlossen worden, jedoch primär in die Umgebung des Mainufers und nicht in den Gastronomiebetrieb geflossen.

Situation wird unterschiedlich wahrgenommen

Laut Spaeth und Maier habe die Stadt jedoch keine andere Möglichkeit gehabt, als die Pacht der Mainkultur neu auszuschreiben. Maintal sei verpflichtet, bei auslaufenden Verträgen von städtischem Eigentum Pachtverträge offiziell auszuschreiben. „Das hat also nichts mit bösem Willen zu tun“, sagt Maier.

Cetiner sieht die ganze Situation anders. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt er, dass er lange darüber nachgedacht habe, den Facebookpost abzusetzen. „Sebastian hatte mir angedroht, dass er alle Projekte sabotiert. Dieser Punkt ist jetzt erreicht.“ Cetiner habe alle Projekte, die mit Maintal zu tun gehabt hätten, verloren. „Jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren“, sagt er. Daher sei es ihm auch egal, ob die SPD rechtliche Schritte gegen ihn einleite. Ob diese öffentliche Auseinandersetzung mit der SPD den Grünen schade, habe sich Cetiner auch gefragt. Der Unternehmer kandidiert bei Kommunalwahl für die Ökopartei im Maintaler Stadtparlament.

Wenig Optimismus bei Cetiner

„Ich versuche immer, bei der Wahrheit zu bleiben. Dabei mache ich mir keine Gedanken, welche Auswirkungen das auf andere haben könnte. Wenn ich dabei bleibe, kann ich nichts falsch machen. Wenn die Grünen nicht davon profitieren, tut es mir leid. Hier geht es nicht um mein politisches Engagement, sondern um mein wirtschaftliches“, fasst Cetiner seine Gedanken zusammen.

Cetiner ist wenig optimistisch, den Streit, der schon länger mit Maier herrsche, irgendwann beilegen zu können.

„Wenn Sebastian Maier den Mumm beweist, diesen Fehler einzugestehen, könnte ich mir vorstellen, alles zu vergessen. Daher habe ich nur die Hoffnung, dass die SPD so viel Rückhalt beim Wähler verliert, dass sie keine große Rolle mehr im Stadtparlament spielt – und zwar unabhängig davon, ob ich ins Parlament gewählt werde oder nicht.“ (Von Jan Max Gepperth)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Uli Deck

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