Anjali Nienhuys führt die Waldschule seit 1. Februar 2021 als kommissarische Schulleiterin.
+
Anjali Nienhuys führt die Waldschule seit 1. Februar 2021 als kommissarische Schulleiterin.

Bildung

„Ich bin quasi immer wieder zurückgekehrt“: Anjali Nienhuys ist die neue Schulleiterin der Bischofsheimer Waldschule

  • Jan Max Gepperth
    vonJan Max Gepperth
    schließen

„Ich bin etwas nervös“, gesteht Anjali Nienhuys zu Beginn des Gesprächs. Seit gut einem Monat ist sie als kommissarische Schulleiterin der Waldschule in Bischofsheim eingesetzt und tritt damit die Nachfolge von Monika Kneip an. Es ist das erste Mal, dass die 48-Jährige ein Gespräch mit der Presse hat – daher ist es vollkommen verständlich, dass die sonst so strukturierte und sympathische Pädagogin nun etwas nervös ist.

Maintal – Seit dem 1. Februar lenkt Nienhuys gemeinsam mit Andreas Mrugalla die Geschicke der Grundschule im Bischofsheimer Westen. Dass sie vorerst als kommissarische Schulleitung eingesetzt ist, sei normal. Das bedeutet, dass sie zwar schon die Aufgaben und Verantwortungsbereiche der Schule betreut, aber noch nicht offiziell den Titel der Schulleiterin zugesprochen bekommen hat.

Aufgewachsen ist Nienhuys in Bischofsheim. Sie besuchte von 1979 bis 1983 als Schülerin selbst die Waldschule und auch ihre Tochter besuchte die Grundschule in der Waldstraße. Daher ist die neue kommissarische Schulleiterin emotional bereits eng mit der Schule verbunden. Auch während des Studiums, Mathematik im Hauptfach und Biologie und Englisch im Nebenfach auf Grundschullehramt, absolvierte sie ihr Praktikum an der Bischofsheimer Grundschule. „Ich bin also quasi immer wieder zurückgekehrt“, sagt Nienhuys lächelnd.

Neue Herausforderungen

„Bei den beiden Personen, die ab Montag die Schule leiten werden, weiß ich, dass sie in guten Händen ist“, verkündete Vorgängerin Kneip zu ihrem Abschied. Bei ihrer Nachfolgerin löst diese Aussage gemischte Gefühle aus, wie sie gesteht. Mit dieser Aussage würde den Eltern gezeigt werden, dass die Schule gut weitergeführt wird. „Es ist schön, dieses Vertrauen zu spüren. Aber man fragt sich auch: Was ist, wenn es doch einmal nicht so klappt, wie gewollt?“, gesteht die Pädagogin.

Als neue Schulleiterin sei es ihr wichtig, erst einmal die bestehenden Strukturen kennenzulernen. Geholfen haben ihr dabei vor allem ihre neue Kollegen, die sie alle sehr herzlich begrüßt hätten. „Sie sind mir von Anfang an mit Offenheit und Hilfsbereitschaft entgegengetreten“, lobt die Pädagogin, die mehr als 13 Jahre Konrektorin an der Schule am Hang in Bergen-Enkeim war. „Dieser Rückhalt erleichtert es mir, mich den Herausforderungen zu stellen“, sagt die neue Schulleiterin.

„Wenn man von der Stelle der Konrektorin zur Schulleiterin wechselt, gibt es zahlreiche neue Faktoren“, erklärt sie. Als Konrektorin sei man zwar auch in die Arbeit der Schulleitung eingebunden, jedoch liege die Gesamtverantwortung auf den Schultern der Schulleiterin. „Auch, wenn man schon viele Erfahrungen hat, ist der Wechsel nicht leicht. Diese Herausforderung wird durch die Pandemie noch vergrößert“, gibt Nienhuys zu.

Ethikunterricht als neue Facette

Die Corona-Pandemie ist auch der Grund, wieso die neue Schulleiterin noch nicht alle ihre Schüler kennenlernen konnte. Zurzeit unterrichtet sie in unterschiedlichen Klassen und in der Notbetreuung und sei von den Schülern, die sie dort getroffen habe, ganz begeistert. Die Schüler haben sie freundlich empfangen und seien neugierig gewesen, sie kennenzulernen. „Ich freue mich darauf, intensiver mit den Schülern zu arbeiten, wenn der Normalbetrieb wieder hergestellt ist“, sagt Nienhuys.

Im Allgemeinen gibt es viele Punkte, die die neue Schulleiterin im Sinne ihrer Vorgängerin weiterführen möchte. Dazu zählen unter anderem der Schulgarten und die Ganztagsbetreuung. Trotzdem ist sich Nienhuys sicher, dass sie einige Sachen anders angehen wird als ihre Vorgängerin Kneip. „Wenn Lehrer gemeinsam einen Unterricht vorbereiten, ist es so, dass man sich auf ein Konzept einigt. Aber wegen der unterschiedlichen Persönlichkeiten der Lehrer kann sich die Umsetzung trotzdem unterscheiden“, erklärt sie.

Eine Thematik, der sich Nienhuys annehmen und die sie an der Waldschule etablieren möchte, ist der Ethikunterricht. Hintergrund sind Erfahrungen, die Nienhuys bei einer Zusatzfortbildung zu dieser Thematik gesammelt hat. „Ich fand es unglaublich spannend, gewisse Themen offen und philosophisch mit Kindern zu bearbeiten“, sagt sie.

Kinder sollen ein Wertesystem vermittelt bekommen

Als Beispiel für eine solche Thematik nennt die neue Schulleiterin die sogenannten Dilemma-Geschichten. Hierbei gebe es keine richtige oder falsche Antwort, sondern nur eine Entscheidung, die man auf Basis eines eigenen Wertesystems treffen könne. „Dieses Wertesystem muss bei Kindern auch erst entstehen. Sie sollen hierbei die Möglichkeit zu haben, wie man reflektiert.“

Auswirkungen auf den Religionsunterricht soll der Ethikunterricht jedoch nicht haben. Vielmehr sehe Nienhuys den Ethikunterricht als Ergänzung, um so das Wertesystem der Kinder weiter zu stärken.

Nach Ende des Gesprächs wirkt Nienhuys wesentlich entspannter. Vor allem wenn sie über ihre neuen Schüler spricht, glänzen ihre Augen. Es ist zu spüren, dass sie sich auf ihre neue Aufgabe freut und sichtlich Spaß an ihrer neuen Herausforderung. hat. (Von Jan Max Gepperth)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema