So nicht: Der erste Vorschlag des Eigentümers vom Real-Gelände wurde auch von den Stadtverordneten heftig kritisiert. Zuvor war Entwurf auch in den Ausschüssen durchgefallen. Visualisierung: Instone Real Estate
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So nicht: Der erste Vorschlag des Eigentümers vom Real-Gelände wurde auch von den Stadtverordneten heftig kritisiert. Zuvor war Entwurf auch in den Ausschüssen durchgefallen.

Real-Gelände

Maintal: Hitzige Debatte um Bauprojekte in Dörnigheim - Investor soll Planungen anpassen

  • Michael Bellack
    VonMichael Bellack
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Es hatte sich in der vergangenen Sitzungswoche bereits angedeutet: Rund um die neu geplanten Bauprojekte am Ortseingang von Dörnigheim besteht noch reichlich Diskussionsbedarf. Die Sitzung der Stadtverordneten am Montag wurde davon komplett dominiert.

Maintal – Wie viele Fragen noch offen sind, wurde schon am Anfang der Sitzung deutlich, als eine Aktuelle Stunde zum Thema angesetzt wurde. Die halbe Stunde, die laut hessischer Gemeindeordnung dafür vorgesehen ist, reichte bei Weitem nicht aus. Daher wurde bei den Tagesordnungspunkten 8.1 und 8.2 diskutiert bis zum bitteren Ende.

Dabei waren sich, so fasste Monika Vogel (Grüne) die mehrstündige Debatte zusammen, eigentlich grundsätzlich alle einig. „Das dreht sich hier im Kreis und ich weiß gar nicht warum“, sagte Vogel. „Hier war niemand dabei, der gesagt hat, dass wir das so wollen. Niemand wird das so durchwinken. Wir müssen uns also fragen, wie wir weiter vorgehen.“

Streitpunkt war die vom Investor Instone Real Estate vorgelegte städtebauliche Studie für das Real-Gelände, wonach am Ortseingang von Dörnigheim über 400 Wohneinheiten entstehen könnten. Hinzu kommen könnten rund 400 Wohneinheiten, die nach ersten Entwürfen auf dem gegenüberliegenden Gelände zwischen Kennedystraße und Kesselstädter Straße gebaut werden könnten. Kernpunkt der Kritik: Die im integrierten Stadtentwicklungskonzept festgeschriebenen Regeln für neue Bauvorhaben wurden vom Investor dabei kaum beachtet. Zu hoch, zu groß, zu dicht – so der Konsens der Stadtverordneten.

Bürgermeisterin Böttcher wird Nähe zum Investor vorgeworfen

„Beim Vorschlag zum Real-Gelände gab es bei mir Entsetzen. Warum werden geltende Regeln zu Geschosshöhe und Bebauungsdichte nicht beachtet?“, fragte etwa Wilfried Siegmund (CDU). Ziel der Kritik war Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos), die sich im Laufe der Diskussion gegen zahlreiche Vorwürfe vor allem aus dem Lager der CDU wehren musste.

So wurde der Rathauschefin unter anderem vorgeworfen, die Interessen des Investors zu vertreten, weil dessen Vorstellungen eins zu eins an die Ausschüsse weitergegeben wurden. Böttcher wies diese Vorwürfe als „unseriös“ zurück. Hintergrund der anhaltende Kritik könnte der Wahlkampf sein, hieß es durch die Blume.

Kritikpunkte an Investoren-Vorschlag eindeutig

Denn die Stadtverordnetenversammlung konnte durchaus als Auftakt des Wahlkampfes verstanden werden. Die CDU, die mit Götz Winter bisher den einzigen offiziellen Gegenkandidaten von Amtsinhaberin Böttcher stellt, war Wortführer der Kritik. Und das nicht nur im Parlament selbst, auch in den sozialen Medien wurde das Thema heiß diskutiert – mittendrin Stadtverordnete der Christdemokraten. „Gehts hier um Schaulaufen?“, fragte daher Grünen-Fraktionschefin Vogel zum Ende der Debatte.

Denn die Kritikpunkte waren bereits in den Ausschüssen angemerkt worden und auch in der Parlamentssitzung waren eigentlich frühzeitig alle Probleme, die die Stadtverordneten sehen, benannt worden. Die zu dichte Bebauung am Ortseingang durch die verschiedenen Bauprojekte, mögliche Auswirkungen auf den Verkehr, die Nahversorgung und die soziale Infrastruktur. Alles Dinge, die im ersten Entwurf nicht geklärt wurden.

Wachstum um jeden Preis in Maintal?

„Das, was sich momentan im Bereich der Stadtentwicklung tut, wird insbesondere das Erscheinungsbild in Dörnigheim nachhaltig verändern“, sagte Sebastian Maier (SPD). Wohnraum werde in Maintal gebraucht, jedoch vor allem bezahlbarer. Die Frage ist daher, wie dieser aussehen soll. „Möchte man Wachstum um jeden Preis?“, fragte Jörg Schuschkow (WAM). Man wolle kein zweites Frankfurt werden und den Charakter von Maintal erhalten, so die einhellige Meinung.

Auch wolle man Wohnraum für Maintaler schaffen, nicht für Frankfurter. Und auch die Öffentlichkeit solle größtmöglich an den Planungen beteiligt werden. Die städtebauliche Studie mit den ersten Entwürfen des Investors bezeichnete Götz Winter (CDU) als Maximalidee. „Der Investor will maximales Geld verdienen“, so Winter, was auch dessen gutes Recht sei. „Wir geben jetzt vor, wie es weitergehen soll“, stellt er klar.

Investor muss Planungen anpassen

Dass in der Debatte teilweise der Blick auf das Wesentliche verloren ging, wurdeschließlich in der Abstimmung deutlich. Denn eigentlich hatte bereits der Magistrat das beschlossen, was alle Fraktionen wollten: das der Investor weitere Planungsvarianten vorlegt, in denen eine weniger verdichtete Bebauung dargestellt wird. Am Ende wurde dann der gemeinsame Antrag von CDU, SPD und FDP beschlossen, der diese Forderung noch einmal konkretisierte.

Damit verabschiedeten sich die Stadtverordneten dann in die Sommerpause – ruhen wird das Thema Real-Gelände bis Septemberaber sicherlich nicht. Dann steht kurz vor der Wahl die nächste Sitzungswoche an.

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