MS Dörnigheim

Hat die Mainfähre eine Zukunft? - Spendenaufruf sorgt für Überraschung

  • Carolin-Christin Czichowski
    vonCarolin-Christin Czichowski
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Die Fährverbindung zwischen Mühlheim (Kreis Offenbach) und Maintal (bei Frankfurt) ist Geschichte. Doch die Mainfähre selbst könnte eine ungewöhnliche Zukunft haben. Ein Spendenaufruf sorgt hier für eine Überraschung.

  • Die Fährverbindung zwischen Mühlheim (Kreis Offenbach) und Maintal (bei Frankfurt) scheint endgültig eingestellt
  • Die Zukunft der Mainfähre MS Dörnigheim scheint jedoch offen
  • Ein Spendenaufruf sorgt für eine Überraschung

Maintal – „Es ist ein Maintaler Wahrzeichen, und das sollte auch gewahrt werden“, sagt Ahmet Cetiner – und meint damit die Mainfähre, die bis vor gut drei Jahren zwischen Dörnigheim und Mühlheim pendelte. Wie berichtet, hat der Kreistag in Offenbach Ende Juni entschieden, die Verbindung einzustellen und das Schiff entweder zu veräußern oder verschrotten zu lassen. Vor diesem Schicksal möchte Cetiner die MS Dörnigheim aber nun bewahren.

Das Schicksal der Mainfähre ist mit dem Beschluss aus Offenbach eigentlich besiegelt. Sie soll veräußert oder verschrottet werden.

Ideen, wie das umzusetzen wäre, hat der Maintaler Unternehmer viele. „Denkbar wäre zum Beispiel, die Fähre in ein Café umzuwandeln, oder in ein Museumsschiff samt Gastronomie“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Entscheiden, was mit der stillgelegten Fähre passieren soll, will er aber nicht alleine: „Ich möchte dabei mit der Politik, der Stadt Maintal und mit den Bürgerinitiativen, die sich für den Erhalt der Fähre eingesetzt haben, zusammenarbeiten“, so Cetiner. „Aber erst müssen wir das Schiff dem Kreis Offenbach abkaufen.“

Maintaler Gastronom bittet um finanzielle Unterstützung für die Mainfähre

Für dieses Vorhaben sucht der Maintaler Unternehmer und Gastronom nun finanzielle Unterstützung. Auf einer Internetplattform hat Cetiner unter dem Motto „Rettet die Fähre“ einen Spendenaufruf gestartet. Das ehrgeizige Ziel: Bis etwa Anfang Oktober sollen nach Möglichkeit 100 000 Euro zusammenkommen. „Damit könnten wir die Fähre kaufen und sie für eine neue Nutzung umbauen“, sagt er. Doch auch mit weniger Geld wäre Cetiner als Initiator der Aktion zufrieden. „Und wenn der Kauf aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte, erhält jeder Spender sein Geld zurück“, versichert er.

Der Kauf der Fähre steht zunächst im Fokus, sagt Cetiner. Erst danach will er sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Nachnutzung auseinandersetzen. „Aber ich bin mir sicher, dass es viele Ideen geben wird“, sagt er.

Nutzung der Fähre im Wasser scheint unwahrscheinlich

Wie Marisa Schneider, zuständige Sachbereichsleiterin beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Aschaffenburg auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, ist eine Nutzung der Fähre im Wasser aber eher unwahrscheinlich. „Das Dörnigheimer Mainufer befindet sich im Unterwasser der Staustufe Mühlheim“, sagt sie. Durch häufig wechselnde Wasserstände sei es dort kaum möglich, einen Gastronomiebetrieb auf dem Wasser einzurichten. „So etwas würden wir wahrscheinlich nicht genehmigen“, so die Behördensprecherin.

Doch Cetiner kann sich auch andere Nutzungsmöglichkeiten vorstellen. „Man könnte das Schiff zum Beispiel aufbocken und an Land stellen“, sagt er. Doch dafür müsste das Schiff zunächst gekauft werden. Eine Sprecherin des Kreises Offenbach, dem Eigentümer der Fähre, erklärt auf Anfrage: „Es gibt ein paar Interessenten, die das Schiff kaufen möchten.“ Wie viel die Fähre kosten soll, will die Kreissprecherin nicht sagen. „Das wird vermutlich Verhandlungssache sein.“

Bürgerinitiative kämpft für den Erhalt der Fährverbindung und der Mainfähre

Unterdessen kämpft die Bürgerinitiative (BI) Fähre Mühlheim/Maintal weiter für die Wiederaufnahme der Verbindung über den Main. „Wir hoffen, dass bei den Verantwortlichen noch ein Umdenken stattfindet“, sagt Klaus Seibert, BI-Sprecher und Stadtverordneter der Wahlalternative Maintal (WAM). Es gebe noch diverse Möglichkeiten, wie ein Betrieb der Fähre laufen könnte. Am Donnerstagabend wolle man bei einem Treffen über das weitere Vorgehen diskutieren, so Seibert.

Der Maintaler Unternehmer Ahmet Cetiner möchte die Fährverbindung zwischen Dörnigheim und Mühlheim retten – und sammelt dafür fleißig Spenden.

Eine Möglichkeit wäre, dass die Städte Maintal und Mühlheim den Betrieb der Fähre – entweder einzeln oder gemeinsam – übernehmen würden. In der vergangenen Stadtverordnetenversammlung entschieden die Abgeordneten in Maintal, dass der Magistrat prüfen lassen soll, ob die Stadt die Fähre übernehmen könne. Die Grünen hatten diesen Antrag um die Möglichkeit einer Motorboot-Fähre für Fußgänger und Radfahrer erweitert. Ob diese Prüfung Erfolg hat oder ob sie auch an den rechtlichen Hürden scheitert, wird sich zeigen.

Betrieb der Mainfähre ist nach fast 120 Jahren eingestellt worden

Wie berichtet, war der Betrieb der Mainfähre nach fast 120 Jahren im Oktober 2017 eingestellt worden. Der Kreis Offenbach kündigte den Pachtvertrag, weil der Betreiber gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen habe, hieß es damals. Mehrere Versuche, den Betrieb wiederaufzunehmen, scheiterten vor allem daran, dass kein geeigneter Pächter samt Personal zu finden war. Ein Versuch, den Betrieb im Juli 2019 unter neuem Pächter wieder aufzunehmen, endete in einer Havarie. Vor zwei Wochen fasste der Kreistag Offenbach schließlich den Beschluss, die Fährverbindung endgültig einzustellen und die Fähre zu veräußern oder zu verschrotten.

Rubriklistenbild: © Jan Max Gepperth

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