Neugieriges Füchslein: Ferdi hat vor zwei Wochen seine Mama und seine Geschwister verloren, jetzt lebt er bei den Wildtierfreunden in Maintal, bis er für sich selbst sorgen kann.
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Neugieriges Füchslein: Ferdi hat vor zwei Wochen seine Mama und seine Geschwister verloren, jetzt lebt er bei den Wildtierfreunden in Maintal, bis er für sich selbst sorgen kann.

Wildtierfreunde Hanau und Maintal

„Viel Arbeit aber unglaublich schön“: Fuchsbaby Ferdi wächst bei Ersatzmama auf

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Zwei Fernsehteams sind seinetwegen nach Maintal bei Hanau gekommen: Babyfuchs Ferdi wird bei den Wildtierfreunden großgezogen und muss noch einiges lernen.

Maintal – Der Medienrummel macht Ferdi gar nichts aus. Im Gegenteil: Neugierig tapst der kleine Fuchs auf die Kamera zu, schnuppert daran und knapst mal rein, um sich dann vom Fotografen ein paar Schmuseeinheiten abzuholen. „Er kommt jetzt schon in ein Flegelalter“, sagt Sabine Klein und lacht. Die 52-Jährige engagiert sich ehrenamtlich bei den Wildtierfreunden in Maintal und ist die Ersatzmama des kleinen Findelkindes geworden.

Ferdi ist zwar erst viereinhalb Wochen alt, war aber schon zweimal im Fernsehen und gibt sich auch beim Besuch ganz entspannt und zugewandt.

Maintal bei Hanau: Fuchsbaby Ferdi wurde ganz verlassen auf einem Feld gefunden

Vor rund zwei Wochen hatte ein Landwirt den kleinen Fuchswelpen einsam und verlassen auf einem Feld gefunden. Von Ferdis Mutter oder den Geschwistern fehlte jede Spur und da der Landwirt unsicher war, ob er Hund oder Fuchs gefunden hatte, nahm er das kleine Tier vorsichtshalber mit zu den Wildtierfreunden.

Überhaupt nicht Kamerascheu: Ferdi posiert ungeniert für die Medien.

Ferdis Gesicht war etwas runder, das Fell ganz dunkel und der kleine Fuchswelpe konnte kaum alleine gehen. Die Wildtierfreunde Hanau und Maintal konnten von einem eindeutigen Indiz jedoch sofort folgern, dass es sich um einen Fuchs handeln musste. Denn auch wenn das Fell ganz schwarz ist, hat ein Fuchsbaby immer die markante weiße Schwanzspitze, wie Klein erzählt. Jetzt beginnt sein Fell, sich im Gesicht schon rot zu färben. In spätestens acht Wochen wird er von Kopf bis Fuß leuchtend rot sein mit einem weißen Bart, Hals und Bauch.

Fuchsbaby muss bei den Wildtierfreunden in Maintal noch einiges lernen

Dass Ferdi als kleiner Ausreißer vor zwei Wochen selbst aus dem Bau gekrochen und auf Abenteuerreise gegangen sein könnte, hält Klein für unwahrscheinlich. „Da war er noch viel zu klein. Fuchsbabys bleiben in dem Alter noch in ihrem Bau“, sagt sie. „Ich vermute, dass seine Mutter gestört wurde und mit ihren Jungen umziehen musste.“ Den kleinen Ferdi muss sie dabei verloren und nicht mehr wiedergefunden haben. Das könnte auch erklären, warum seine Geschwister oder die Füchsin nicht mehr in seiner Nähe waren. „Ein Fuchs hat in der Regel vier bis sechs Junge.“ Mit seinen Geschwistern würde Ferdi jetzt normalerweise herumtollen, das Raufen und Jagen lernen und seine Kräfte messen.

Da hat sich Ferdi glatt verschluckt: So eifrig hat das Findelkind die Hundeaufzuchtmilch getrunken, mit der Wildtierfreundin und Ersatzmama Sabine Klein es aufpäppelt.

Ferdi muss nun jedoch vorerst mit Menschen vorlieb nehmen. Und mit Kleins Hund Herby, der neugierig nach dem kleinen Fuchs schaut. Mit anderen Füchsen wird Ferdi spätestens bei der Wildtierstation des Vereins „Tierart“ wieder zusammenkommen, wo er auf das Leben in der Wildnis vorbereitet undwieder in seinen natürlichen Lebensraum entlassen wird. Zum Jagenlernen gehöre auch dazu, dass Ferdi lebende Tiere wie Mäuse oder Küken vorgesetzt bekommt, die er wie später in der Natur selbst erlegen muss, um sich zu ernähren. Das sei für Klein jedoch eine Grenze. „Das kann ich einfach nicht“, sagt sie. Das gehe ihr zu sehr ans Herz.

Main-Kinzig-Kreis: Fuchsbaby hält Maintaler Wildtierfreunde rund um die Uhr auf Trapp

Vielleicht kann Ferdi aber auch schon früher mit anderen Fuchskindern herumtollen. Denn die Wildtierpflegestation in Maintal nimmt jedes Jahr rund zehn Füchse auf. „Sobald wir neue Füchse aufnehmen, setzen wir die natürlich zusammen“, so Klein.

Bis dahin hat das Fuchskind die volle Aufmerksamkeit seiner Pflegerin und hält Klein rund um die Uhr auf Trapp. Alle drei Stunden ruft Ferdi seine Ersatzmama, die den kleinen Findling mit einer Flasche Hundeaufzuchtmilch füttert. „Er fiepst und wimmert dann wie ein Hund“, sagt sie. Auch mitten in der Nacht. „Das ist schon viel Arbeit, aber es ist immer wieder unglaublich schön“, sagt Klein strahlend, während sie ihm die Flasche gibt und schaut Ferdi ganz verliebt an.

Wildtierfreunde in Hanau und Maintal haben schon über 100 Füchse groß gezogen

Und auch Ferdi scheint das zu genießen. Die Flasche ziehe er noch überwiegend der festen Nahrung vor, an die er langsam herangeführt werden soll. Und er hat ein richtiges Bäuchlein bekommen. Sobald Ferdi Appetit auf Mäuse, Küken und Co. entwickelt, wird er von anderen Menschen gefüttert. „Er verliert dann ganz schnell den Bezug zu mir und Menschen im Allgemeinen“, sagt Klein.

Zusätzliches Pflegekind: Neben Ferdi kümmert sich Klein auch um verwaisten Waldkauznachwuchs.

Noch ist Ferdi menschenbezogen und verschmust. Aber aus Erfahrung weiß Klein, wie schnell das vorbei sein kann. Rund 100 Fuchsbabys hat sie schon großgezogen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau ist 2012 als Mini-Jobberin zu den Wildtierfreunden gekommen und engagiert sich bis heute mit viel Herzblut ehrenamtlich. „Für mich ist das der Traum der Träume“, sagt sie. „Ich habe so unglaublich viel von meinen Kollegen, den Tierärzten und Falknern gelernt. Hier sind Tiere, die man im Alltag eher selten bis gar nicht sieht.“ Und bei ihrer Arbeit kommt sie ihnen ganz nah.

Wildtierfreunde Hanau und Maintal kümmern sich um Notfälle

Zuhause hat sie sich ein eigenes Tierzimmer eingerichtet, in dem sie Tierfindelkinder betreut. Neuerdings ist auch ein kleiner Waldkauz dazugekommen, der auf einer Hundewiese gefunden wurde. Da er allerdings erst auf die Vogelgrippe getestet werden muss, befindet er sich zurzeit noch in Quarantäne.

Erst vor wenigen Tagen haben die Wildtierfreunde eine Entenfamilie in Maintal bei Hanau gerettet, die sich einen besonders kuriosen und gefährlichen Nistplatz ausgesucht hatte. (Jasmin Jakob)

Wildtierfreunde e.V.

Der Verein der Wildtierfreunde Hanau und Maintal wurde 2005 gegründet, um in Not geratene Tiere zu pflegen und wieder auszuwildern. Auf dem Vereinsgelände in Maintal Dörnigheim haben die Mitglieder über die Jahre einen kleinen Zoo mit Tieren, die aus unterschiedlichen Gründen in Not geraten sind, aufgebaut – sei es durch eine Verletzung, eine Krankheit oder bei Jungtieren durch den Verlust ihrer Eltern. Aktuell befinden dort rund 60 Igel in Pflege sowie über ein Dutzend Entenküken, verschiedene Greifvögel, Schwäne, Eulen und Eichhörnchen. Mittlerweile konnte der Verein laut Klein 200 Mitglieder für sich gewinnen, von denen sich zehn aktiv um die Wildtiere kümmern. Dass tierischer Nachwuchs oder die Eltern in eine Notlage gelangen, liegt oft auch am Verschulden von Mensch und Tier, die vielleicht unbedarft die Tierfamilien stören. Deshalb werden beispielsweise Hundebesitzer in der sogenannten Brut- und Setzzeit von März bis Juli dringend angehalten, ihre Tiere an der Leine zu führen. Wenn diese trächtiges Wild aufscheuchen oder bei der Aufzucht stören, kann das lebensbedrohliche Folgen für Feldhase, Fuchs und Co. haben. Wer ein Wildtier findet, das augenscheinlich Hilfe benötigt, kann sich unter z 01786010718 bei den Wildtierfreunden melden. Wer sich für Wildtiere in der Region einsetzen möchte, findet alle Informationen zu einer Tierpatenschaft oder zu Spendenoptionen auf der Webseite der Wildtierfreunde oder auf deren Facebookseite. (jj)

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