Von Brötchen über Quiche bis hin zur Torte: Bei seiner Prüfung musste Adriano Tomasello die ganze Bandbreite der Backhandwerks unter Beweis stellen.
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Von Brötchen über Quiche bis hin zur Torte: Bei seiner Prüfung musste Adriano Tomasello die ganze Bandbreite der Backhandwerks unter Beweis stellen.

Ausbildung

„Ergebnis der Arbeit direkt in der Hand“: Hinnerbäcker-Azubi Adriano Tomasello ist innungsbester Bäckergeselle

  • vonBettina Merkelbach
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„Dafür hast du um zwölf Feierabend, legst dich ein, zwei Stunden hin und hast dann den ganzen Nachmittag frei“, sagt Adriano Tomasello. Das frühe Aufstehen hat ihn jedenfalls nicht davon abgehalten, seinen Traumberuf zu ergreifen. Jetzt hat der Wachenbucher als Innungsbester der Bäckerinnung Untermain die Gesellenprüfung bestanden.

Maintal – In seiner Lehrbackstube musste der Azubi allerdings nicht schon bei Nacht und Nebel antreten. Grund hierfür ist das sogenannte „Slow Baking“, eine auf Zeit angelegte Herstellungsmethode, die Klaus Weber in seiner Traditionsbäckerei und Konditorei in Bischofsheim seit langem anwendet. Hierbei wird der Teig immer schon einen Tag im Voraus vorbereitet und reift über Nacht im Kühlraum. Die Vorteile: Die auf diese Weise zubereiteten Backwaren sind bekömmlicher und besser haltbar. Und die Mitarbeiter müssen eben nicht so früh anfangen, weil das am Vortag geknetete und geformte Gebäck morgens lediglich abgebacken werden muss.

Dadurch, so Inhaber Klaus Weber, sei es für ihn im Vergleich zu anderen Bäckereien, die teilweise an sieben Tagen die Wochen öffnen, trotz des Mangels an Nachwuchsbäckern ein Leichtes, Mitarbeiter zu finden. Adriano Tomasello war jedenfalls schon während seines Schülerpraktikums so begeistert, dass er am liebsten die Schule geschmissen und die Schulbank direkt gegen einen Ausbildungsplatz in der Backstube eingetauscht hätte. „Hier hat einfach von Anfang an alles gepasst“, sagt er rückblickend. Bäckermeister Weber habe ihm jedoch zur Mittleren Reife geraten und ihm den Ausbildungsplatz bis zum Schulabschluss freigehalten. „Wir hatten schon viele sehr gute Azubis, aber Adriano ist die Krönung“, sagt Klaus Weber sichtlich stolz. „Er ist kontraktfreudig und hat sich perfekt hier eingefügt. Er ist einfach so ein kompletter Kerl, sonst hätte er die Prüfung auch nicht so hingelegt.“

In einem kleinen Betrieb, wie der Bäckerei Weber in Maintal, müsse „man alles machen“

89 von hundert möglichen Punkten hat Tomasello erreicht und ist damit drei Punkte an einer eins vorbeigeschrammt. Mehrkornbrot, Quiche, Weizen- und Roggenbrötchen, Torte - seine Arbeit im Ausbildungsbetrieb hat ihn optimal auf die im Praxisteil geforderte Vielfalt vorbereitet. In der Theorie wurden Rohstoffkunde, Marketing, Hygiene und Dreisatz-Rechnen abgefragt. Fünf Stunden Zeit hatte der Azubi für alle Aufgaben, sein Werk war nach viereinhalb Stunden vollbracht. „In so einem kleinen Betrieb muss man alles machen“, sagt der ausgezeichnete Geselle. „In größeren Bäckereien gibt es verschiedene Positionen, auf denen man arbeitet. Vieles wird maschinell gemacht. Der Teig muss an die Maschinen angepasst werden. Hier wird hingegen alles von Hand gemacht. Da braucht man schon mehr Gefühl für die Sache.“

Ausgezeichneter Wachenbucher: Adriano Tomasello ist bester Azubi der Bäckereiinnung Hanau/Offenach geworden.

Diesen Unterschied vom familiären Kleinbetrieb zu einer größeren Bäckerei lernt der frischgebackene Geselle gerade im Globus kennen, wo er seit Abschluss seiner Ausbildung arbeitet. Denn die Bäckerei Weber habe ihn Corona-bedingt nicht übernehmen können, sagt Klaus Weber. „Aber er soll sich ja auch weiterentwickeln, Erfahrung sammeln und die Meisterprüfung machen. Und wer weiß, vielleicht kommt er ja auch irgendwann wieder zurück.“

Ziel des Innungsbesten aus Maintal: Ein gemeinsamer Laden mit seinem Bruder

Der Azubi sei ihm und seiner Frau ans Herz gewachsen. „Es kommt nicht oft vor, dass meine Frau ein Tränchen verdrückt, wenn uns ein Lehrling verlässt“, sagt Weber. Man spürt, dass die Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruht. „Das hier war meine zweite Familie, er hatte wie ein Vater immer ein offenes Ohr für mich“, sagt Tomasello. Insofern habe das gesamte Team seinen Anteil an seinen guten Noten, die ihm im Bäckerhandwerk Tür und Tor öffnen. Seinen derzeitigen Arbeitgeber konnte er zumindest schon vor Abschluss seiner Ausbildung überzeugen. „Man macht was mit den Händen und hat das Ergebnis seiner Arbeit direkt in der Hand, etwas, das gut riecht und gut schmeckt“, beschreibt er, was er an seinem Beruf liebt. Sein nächster Schritt ist die Meisterprüfung. Und irgendwann will er mit seinem Bruder, der Konditor ist, einen eigenen Laden aufmachen.

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