Pfarrer Jens Heller sieht die Kirchengemeinde falsch dargestellt.
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Pfarrer Jens Heller sieht die Kirchengemeinde falsch dargestellt.

BÜRGERHAUS BISCHOFSHEIM

Diskussion um das Bürgerhaus: Kirchengemeinde will aus der Schusslinie

  • Michael Bellack
    vonMichael Bellack
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Die politische Diskussion um den Neubau des Bürgerhauses in Bischofsheim hat zunehmend an Fahrt aufgenommen. Zuletzt rückte auch die evangelische Kirchengemeinde in den Blickpunkt, die das Grundstück für den Neubau an die Stadt verpachten soll.

Maintal – Mit der Darstellung einiger politischer Akteure ist Pfarrer Jens Heller jedoch nicht einverstanden. „Wir werden als Profiteure dargestellt – und das ist nicht richtig.“ Hintergrund ist, dass das Grundstück der Kirche mit einem Erbpachtvertrag über 99 Jahre an die Stadt verpachtet werden soll. Dafür zahlt die Stadt 4,3 Millionen Euro. Das Geld fließt jedoch nicht in die Tasche der Kirchengemeinde, wie Heller klarstellt. Vertragspartner sei nicht die Kirchengemeinde, sondern die Pfarrei Bischofsheim in Gemeinschaft mit der Landeskirche. „Über die Verwendung des Grundstücks entscheidet die Landeskirche. Auch alle Erlöse daraus gehen an sie“, erklärt Heller. Letztlich würden daher nur rund zehn Prozent, also ein Bruchteil der Millionensumme, bei der Kirchengemeinde in Bischofsheim verbleiben. Dass man der aufflammenden Diskussion entnehmen könnte, die evangelische Kirchengemeinde erhalte 4,3 Millionen Euro von der Stadt, erzeuge „ein schwieriges Bild nach außen.“

Heller weist außerdem darauf hin, dass die Summe inflationsabhängig innerhalb der vereinbarten 99 Jahre stark variieren kann. „Es könnte mehr sein, kann aber genauso gut auch weniger sein“, so Heller. In den nächsten drei Jahren zahle die Stadt zunächst weniger als die Hälfte an Erbpachtzins und könne in diesem Zeitraum auch noch aus dem Vertrag ausscheiden. „Wir als Kirche haben uns für 102 Jahre festgelegt und können nicht mehr zurückziehen“, sagt Heller.

Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim möchte sich nicht zum Neubau positionieren

Die Diskussion um einen Neubau und damit auch den Abriss des alten Bürgerhauses werde zunehmend zu einem Wahlkampfthema, aus dem sich die Kirche raushalten möchte. „Es gibt keine politische Positionierung oder Einmischung der Kirche“, sagt Heller. Dass das Thema überhaupt so hochkocht, überrascht Heller. Schließlich habe es bereits vor längerer Zeit Bürgerversammlungen gegeben, in denen man etwaige Bedenken hätte äußern können. „Wir haben auch kein Problem damit, die Vereinbarung mit der Stadt darzustellen. Wir haben da keine Geheimnisse“, so Heller.

Gespräche, das Grundstück direkt neben dem bestehenden Bürgerhaus an die Stadt zu verkaufen oder zu verpachten, habe es schon vor längerer Zeit gegeben. Insbesondere hatten Einzelhändler Interesse gezeigt, auch Wohnungsbau stand im Raum. Die Gespräche seien damals am Veto der Landeskirche gescheitert. Jetzt stelle man der Stadt das Grundstück für ein neues Bürgerhaus zur Verfügung.

Ein besonderes Interesse der Kirchengemeinde, das Grundstück an die Stadt zu verpachten, gebe es nicht. Schließlich handele es sich um ein „Filetstück“, wie Heller sagt: „Auch bei einem Rückzieher der Stadt hätten wir kein Problem, jemanden für das Grundstück zu finden“, sagt Heller, der die Kirchengemeinde jetzt aus der Schusslinie nehmen möchte.

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