Geschichtslehrer Bernhard Siever sitzt ganz alleine mit seinem Tablet im Klassenzimmer.
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Geschichtslehrer Bernhard Siever sitzt ganz alleine mit seinem Tablet im Klassenzimmer.

Corona-Pandemie

Digitale Herausforderung gemeistert: Fernunterricht ist für die Albert-Einstein-Schule kein Problem

  • Jan Max Gepperth
    VonJan Max Gepperth
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Der Fernunterricht an Schulen im Kreis steht häufig in der Kritik. Doch nun hat die Maintaler Albert-Einstein Schule gezeigt, dass es auch anders geht.

Maintal – Einsam und allein sitzt Bernhard Siever, Leiter des Fachbereichs II an der Albert-Einstein-Schule (AES) vor seinem Tablet. Außer ihm befindet sich niemand in dem Klassenraum. Der Lehrer für Deutsch und Geschichte bespricht mit seinen Schülern gerade die Kolonialisierung von Namibia. Er spricht Schüler direkt an und es fühlt sich fast wie eine gewöhnliche Unterrichtsstunde an.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie der Distanzunterricht an der AES gestaltet werden kann. „Dass das so gut funktioniert, liegt vor allem am Engagement der Lehrer“, sagt Siever. „Fernunterricht heißt nicht, dass der Lehrer mit einer Tasse daheim vor der Tastatur sitzt. Im Gegenteil. Das ist mit wirklich deutlich größerem Mehraufwand verbunden“, so der Geschichtslehrer. Neben den zusätzlichen Korrekturen verweist Siever auch auf die deutlich größere soziale Kompetenz, die vonnöten sei. „Man muss immer aufpassen, dass die Schüler dabei bleiben. Das gestaltet sich in diesem Format deutlich schwieriger.“ Schulleiter Claus Wörn zeigt sich erfreut vom bisherigen Ablauf des Fernunterrichts. „Oft stehen Schulen wegen des Fernunterrichts zurzeit in der Kritik. Daher sind wir mit unserem Team sehr stolz, dass sich hier so ein Fortschritt entwickelt hat“, so Wörn.

Maintal: Austausch mit den Eltern an der AES sei wichtig gewesen

Zurückführen sei das auf mehrere Dinge. So habe man schnell versucht, Säulen des Digitalpaktes frühzeitig umzusetzen. Bei dem Digitalpakt handelt es sich um eine bundesweite Förderung der Schulen, um die Digitalisierung dort voranzutreiben. Laut Wörn beinhalte dies unter anderem eine Breitbandanbindung, WLAN im Schulgebäude oder Präsentationsmöglichkeiten. Schon zum Schuljahr 2013/2014 habe man begonnen, die klassischen Tafeln durch Whiteboards mit Projektionsflächen zu ersetzen und seit 2017/2018 gebe es WLAN in der Schule. Hier sei es möglich gewesen, während des Wechselunterrichts im vergangenen Jahr die Schüler besser einzubinden. „So konnte jede Lehrkraft den normalen Unterricht um die Videokonferenz ergänzen und direkt das Tafelbild an die Schüler zu Hause übertragen“, erklärt der Schulleiter. Dass die Technik funktioniere, hätte den Lehrern noch einmal einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben.

Ebenfalls ein wichtiger Faktor sei der Austausch mit den Eltern. Das bestätigen Manuela Lörke, Vorsitzende des Schulelternbeirats, sowie Stefan Jäger, 2. Vorsitzende des Kreiselternbeirats. „Wir haben eine sehr positive Zusammenarbeit mit dem Schulleiter und den Lehrern“, erklärt Lörke. Im sogenannten Homeschooling bekäme man noch mehr mit, wie der Unterricht ablaufe – und so bemerke man schneller auftretende Probleme. „Aber wir hatten immer die Möglichkeit, direkt Feedback zu geben“, so Lörke. „Sicher klappt noch nicht alles, aber wir sind auf einem guten Weg.“

Kein Trauerspiel in Maintal

Jäger, der als Kreiselternbeirat auch mitbekommt, was in anderen Schulen geschieht, zeigt sich besonders erfreut über die Situation an der Einsteinschule – vor allem im Vergleich zu anderen Schulen im Kreis. „Das, was ich da mitbekomme, ist genau das Trauerspiel, was man in den Medien liest“, fasst er die Situation an den anderen Schulen zusammen, „es gibt keine andere Schule, die den Videounterricht so konsequent umsetzt. Wenn ich anderen Vorständen davon berichte, wie gut es hier läuft, wird mir teilweise gar nicht geglaubt.“

Allein im Klassenzimmer: Geschichtslehrer Bernhard Siever bespricht mit seinen Schülern über das Internet Texte zur Kolonialisierung Namibias.

Dies hänge unter anderem auch damit zusammen, dass die Lehrer bei Problemen sofort Unterstützung bekommen haben. Dies berichtet auch Katharina Schmitt, stellvertretende Schulleiterin der AES. „Wir haben im Dezember unsere Vertretungslehrkräfte entsprechend geschult, dass sie den Lehrkräften helfen können“, so Schmitt. Die Vertretungslehrer fungieren dann als eine Art Springer, die bei technischen Problemen aushelfen können.

Stundenplan wurde im Sommer angepasst

Schmitt betonte, dass man die Anweisung von Kultusminister Lorz, dass die Schüler zu Hause nicht gegenüber den Schülern vor Ort benachteiligt werden dürften, versuche umzusetzen. Daher habe man den Schülern, die zu Hause keine Möglichkeit hätten, am Homeschooling teilzunehmen, Arbeitsplätze in der Schule zur Verfügung zu stellen. Momentan befänden sich elf Kinder der Klassenstufen fünf und sechs in der AES. „Die Eltern haben jeden Freitag die Möglichkeit, ihre Kinder an- oder abzumelden“, erklärt Schmitt und zeigt sich zufrieden, dass es nicht zu viele Schüler seien.

Auch bei der Strukturierung des Stundenplans habe man bereits im Sommer Anpassungen vorgenommen. „Es ist klar, dass Schüler im Homeschooling nicht so gut lernen, wie im Präsenzunterricht“, erklärt Wörn, „daher haben wir den Hauptfachunterricht mit einer zusätzlichen Stunde unterstützt.“ Zudem habe man in den Klassen fünf und sechs jeweils zwei Stunden Medienkunde angeboten. „Gerade für den Fall eines Lockdowns wollten wir, dass die Kinder vorbereitet sind. Das war für uns ein wichtiger Punkt“, erläutert der Schulleiter.

Für den Moment funktioniere das aktuelle Modell recht gut, doch wie lange dieses Konzept noch weiter genutzt werden müsse, steht in den Sternen. „Ich hoffe, dass es bald wieder anders sein wird“, sagt Siever. (Von Jan Max Gepperth)

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