Vor sieben Jahren begann Bernhard Adamy seine Beschäftigung mit Leben und Werk von Wilhelm Molitor. Nicht ohne Stolz legt er nun eine mehr als 500 Seiten umfassende Monografie über den Speyrer Domkapitular vor.
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Vor sieben Jahren begann Bernhard Adamy seine Beschäftigung mit Leben und Werk von Wilhelm Molitor. Nicht ohne Stolz legt er nun eine mehr als 500 Seiten umfassende Monografie über den Speyrer Domkapitular vor.

Geschichte

Der Vergessenheit entrissen: Dörnigheimer Bernhard Adamy legt umfangreiche Monografie über Wilhelm Molitor vor

  • Lars-Erik Gerth
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Alles begann im Jahr 2013 mit der Lektüre eines Buches über die Speyrer Domfresken von Johann Baptist Schraudolph. In dessen Bibliografie stieß der Maintaler Germanist und Historiker Bernhard Adamy auf den Hinweis zu den „Domliedern“ von Wilhelm Molitor. „Das weckte mein Interesse, mich näher mit dem in Vergessenheit geratenen Speyrer Domkapitular und seinem Werk zu beschäftigen“, erinnert sich der in der Dörnigheimer Waldsiedlung lebende frühere Lehrer an die Anfänge seiner umfassenden Recherchen zu dem streitbaren und sehr vielseitigen Molitor. Jener wirkte nämlich nicht nur als Theologe und Priester, sondern ebenso als Schriftsteller, Dichter, Zeitungsherausgeber und sogar als Abgeordneter im bayerischen Landtag (siehe dazu auch Infokasten).

Maintal – Eines der Ergebnisse von Adamys intensiver Auseinandersetzung mit dem katholischen Kirchenmann stellte im Jahr 2017 die Herausgabe einer kommentierten Neuausgabe der „Domlieder“ dar (der TAGESANZEIGER berichtete darüber im März 2018), deren zuvor letzte Auflage 1926 erschienen war.

Zum Zeitpunkt des Erscheinens der Neuauflage der „Domlieder“ befand sich der Dörnigheimer bereits mitten in der Arbeit für die Monografie über Molitor. „Diese hat eigentlich schon 2013 mit der Lektüre des ersten Werks von Molitor begonnen“, so der heute 67-jährige Historiker, den es besonders reizte, sich mit jemanden zu beschäftigen, über den in keinem einschlägigen Lexikon etwas zu finden war. „Mit der Entscheidung, ein Buch über Leben und Werk Wilhelm Molitors zu schreiben, habe ich völliges Neuland – quasi eine terra incognita – betreten“, verdeutlicht Adamy im Gespräch mit dem TAGESANZEIGER die große Herausforderung, die das Ziel für ihn darstellte, eine umfassende Monografie über den 1880 in Speyer verstorbenen Molitor zu verfassen.

Adamy schrieb, nach Ende der Recherche. rund eineinhalb Jahre an dem Buch

Im Zuge seiner jahrelangen Recherchen durchforstete der Dörnigheimer zahlreiche Archive, Bibliotheken und kulturelle Einrichtungen nach Spuren von Leben und Wirken des Wilhelm Molitor. Dabei half Adamy vor allem die Unterstützung durch das Speyrer Bistumsarchiv. Dieses hat sein am Ende über 500 Seiten starkes Werk auch in seine wissenschaftliche Reihe aufgenommen. „Bereits mit meinen Nachforschungen zu den ‘Domliedern’ bin ich beim Bistumsarchiv auf großes Interesse gestoßen. Entsprechend bin ich den Verantwortlichen um Direktor Dr. Thomas Fandel sehr dankbar“, so Adamy.

Nach der Recherche verbrachte er rund anderthalb Jahre mit dem Schreiben des Buches. Und auch dabei war ihm eine Mitarbeiterin des Bistumsarchivs eine unschätzbare Hilfe, was in der Danksagung am Ende der Monografie nachzulesen ist: „Ohne ständigen Einsatz von Frau Doris Dorn, von der alle Feinkorrekturen eingerichtet wurden, hätte die Textgestaltung des Buches nicht realisiert werden können.“

Werk beinhaltet 27 Kapitel auf 500 Seiten

Insgesamt umfasst das Werk 27 Kapitel und gibt auch einen Einblick in die Herkunft des „erzkatholischen und konservativen Molitor“, als den ihn Adamy chrakterisiert. Dieser sei auch ein glühender Patriot gewesen, der sich deutlich als Großdeutscher positioniert habe, also für ein Deutsches Reich unter Einbeziehung Österreichs eingetreten ist.

Über 500 Seiten stark

Bernhard Adamys Monografie „Wilhelm Molitor oder Die Schöne Seele der streitbaren Kirche“, 536 Seiten, ist in der Reihe der Schriften des Diözesan-Archivs Speyer als Band 54 im Pilger-Verlag, Speyer 2020, unter der ISBN 978-3-946777-13-7 erschienen und kostet 34,90 Euro.

Großvater Joseph Molitor stammte aus einem Dorf am Pfälzer Wald und wurde Lehrer. Vater Joseph Alois Molitor studierte in Mainz Jura, heiratete dort die Bürgerstochter Maria Aloisia Mayer und machte als Jurist Karriere. Entsprechend wundert es nicht, dass Sohn Wilhelm ebenfalls Rechtswissenschaften studierte.

Dörnigheimer hat enge Verbindung zu Speyer

Da die Eltern, wie Adamy schreibt, „tief im katholischen Glauben verwurzelt“ waren, erzogen sie ihn und seinen Bruder Ludwig Alois „sorgfältig in diesem Geist“, bemühten sich aber auch „um eine vielfältige Allgemeinbildung und eine intensive Beschäftigung mit Literatur, Musik und Bildender Kunst, was bei den Söhnen auf fruchtbaren Boden fiel“. Dies erklärt auch, warum sich Molitor nicht nur als Verwaltungsbeamter und Theologe, sondern ebenso als Schriftsteller, Dichter, Zeitungsherausgeber und Landtagsabgeordneter hervortat.

Dem Dörnigheimer, dessen enge Verbindung zu Speyer bereits seit 1998 besteht (mittlerweile verbringt er sogar mehr als die Hälfte jeder Woche in der rheinland-pfälzischen Stadt), ist es mit seiner bemerkenswerten Arbeit gelungen, eine schillernde und vielseitige Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts der Vergessenheit zu entreißen.

Dichter, Priester, Zeitungsherausgeber und Abgeordneter

Der 1819 in Zweibrücken geborene Wilhelm Molitor war nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg und München zunächst Regierungssekretär im bayerischen Staatsdienst, schloss dann ein Theologiestudium in Bonn an und wurde 1851 zum Priester geweiht. Seine „Domlieder“, die 76 Gedichte rund um den Speyrer Dom umfassen, waren bereits im Jahre 1846 erschienen und machten ihn in der Region sehr bekannt. Molitor war auch politisch aktiv und saß in den Jahren 1876 und 1877 für die Vaterlandspartei als Abgeordneter im Landtag in München, der bayerischen Landeshauptstadt. Außerdem gab er von 1868 bis 1879 die katholische Speyrer Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ heraus, eine Vorläuferin der Zeitung gleichen Namens, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Ludwigshafen gegründet wurde. Nach langer Krankheit starb Wilhelm Molitor am 11. Januar 1880 in Speyer und wurde dort auf dem Domkapitelsfriedhof beigesetzt. leg

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