Abendliche Trinkgelage am Bürgerhaus Bischofsheim sorgen für steigenden Unmut bei den Anwohnern.
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Abendliche Trinkgelage am Bürgerhaus Bischofsheim sorgen für steigenden Unmut bei den Anwohnern.

Bürgerhaus

Bürgerhaus wird zum Trinkertreff: Anwohner fühlen sich von Ordnungsamt und Polizei im Stich gelassen

  • vonBettina Merkelbach
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Um das Bürgerhaus in Bischofsheim entbrennen derzeit viele hitzige Diskussionen. Während sich Befürworter und Gegner vor allem digital Schlagabtausche über den in ferner Zukunft geplanten Neubau liefern, leiden die Anwohner unter einem ganz aktuellen Problem.

Maintal – Seit dem Ende des ersten Lockdowns im Frühjahr versammelt sich auf den Stufen vor dem Gebäude im Dörnigheimer Weg jeden Tag eine Handvoll Mitbürger zum Trinkgelage. „Die Belagerung beginnt meist gegen 10.30 Uhr und dauert bei schönem Wetter bis tief in die Nacht“, beschwert sich eine ältere Dame, die direkt gegenüber wohnt und täglich Zeuge von den Pöbeleien, dem Lärm und dem Müll der Gruppe wird.

Sie erzählt von bis zu acht Personen, größtenteils männlich, die sich über viele Stunden hinweg vor dem Bürgerhaus aufhalten, sich lautstark unterhalten, grölen, in die Büsche urinieren und sich aus dem gegenüberliegenden Rewe mit Nachschub versorgen.

Bürgerhaus Bischofsheim: Anwohner fühlen sich im Stich gelassen

„Zuerst waren es nur zwei, dann kamen immer mehr. Das hat sich mittlerweile als Trinkertreff etabliert“, so die wütende Anwohnerin, die anonym bleiben will, weil sie Schikanen befürchtet. „Ich habe sogar bei hochsommerlichen Temperaturen bei geschlossenen Fenstern geschlafen, das ist schon eine immense Beeinträchtigung meiner Lebensqualität. Ich fühle mich hier in meinem Viertel nicht mehr wohl.“

Von Ordnungsamt und Polizei fühlt sie sich im Stich gelassen. „Das Ordnungsamt sagt, es habe keine Handhabe, die Polizei hat kein Personal“, sagt sie und berichtet von einem Nachbar, der einschreiten wollte und von aggressiven Drohungen der Gruppe abgeschreckt wurde. „Schon ein Blick in ihre Richtung reicht, und sie drohen Prügel an und beschimpfen harmlose Passanten. Und das, wo hier morgens und mittags Schulkinder vorbeilaufen“, ereifert sich die Rentnerin. Sie ist mit ihrer Beschwerde nicht allein.

Eine betagte Anwohnerin, die sich auf dem Weg an die frische Luft hin und wieder auf einer Bank vor dem Bürgerhaus ausruht, wurde von den Trinkern wüst beschimpft. „Die arme alte Frau war völlig aufgelöst“, erzählt ihre Nachbarin.

Brennpunkt am Bürgerhaus Bischofsheim ist dem Ordnungsamt bekannt

Alkohol im öffentlichen Raum zu konsumieren, ist bis auf das aktuelle Corona-bedingte Verbot zwischen 23 und 6 Uhr nicht verboten. Daher sind in vielen Städten Szenetreffs für Trinker geduldet, oft sogar etabliert, im Idealfall allerdings an Orten, an denen sich Anwohner nicht gestört fühlen.

Dem Maintaler Ordnungsamt und der Polizei ist der Bischofsheimer Brennpunkt bekannt. Es handele sich hier um einen öffentlichen Platz, an dem Bürgerinnen und Bürgern der Aufenthalt gestattet ist, heißt es seitens der Stadtverwaltung. „Über Pöbeleien liegen uns keine Beschwerden vor“, antwortet die Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung.

Auch Stefan Petersein, Dienststellenleiter der Polizeistation Maintal, kennt das Problem: „Das Bürgerhaus ist schon länger ein beliebter Treffpunkt. Wir kontrollieren dort von Zeit zu Zeit. Aktuelle Beschwerden liegen uns nicht vor.“ Da die Problematik nicht neu ist, sei der Eingangsbereich im Rahmen des Kompass-Projekts baulich verändert worden – was die aktuellen Gäste aber offenbar nicht fernhält. „Spätestens mit dem Neubau wird sich das ohnehin ändern“, sagt Petersein.

Das kühlere Herbstwetter zeige schon seine Wirkung, erzählt die Anwohnerin, die auf den Neubau des Bürgerhauses Bischofsheim allerdings wohl kaum warten will.

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