Das Bürgerhaus Bischofsheim steht wieder im Zentrum der Diskussion.
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Das Bürgerhaus Bischofsheim steht wieder im Zentrum der Diskussion.

BÜRGERHAUS BISCHOFSHEIM

Bürgerhaus Bischofsheim: FDP Maintal will Alternativen zum Neubau aufzeigen

  • Jan Max Gepperth
    vonJan Max Gepperth
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Seit mehreren Wochen schwelt die Diskussion um die Sanierung des Bürgerhauses in Bischofsheim. Bisher hat sich die Politik weitestgehend bedeckt gehalten. Lediglich die FDP Maintal hat sich in die Diskussion eingeschaltet und noch einmal ihren Standpunkt deutlich gemacht.

Maintal – „Es hat mich am meisten geärgert, dass man sich nicht angemessen mit unseren Vorschlägen auseinandergesetzt hat“, erklärte Klaus Gerhard (FDP). Hiermit meint Gerhard eine weitere Version, die die FDP im Umgang mit dem Bürgerhaus entwickelt und als Änderungsantrag eingebracht hat.

Insgesamt wurden in der Diskussion um die energetische Sanierung, die mit einer finalen Entscheidung im Juni 2019 ihr Ende fand, mehrere Optionen in den Raum gestellt. Diese Optionen beinhalteten neben kleinen Reparaturen auch eine vollständige, energetische Sanierung und diverse unterschiedliche Neubauvarianten.

Im Endeffekt entschieden sich die Stadtverordneten mehrheitlich für einen zweigeschossigen Neubau auf dem Kirchengrundstück und eine Entwicklung des Bestandsgrundstücks.

FDP Maintal hat eine eigene Variante zum Bürgerhaus Bischofsheim ausgearbeitet

Zu den vom Magistrat vorgetragenen Varianten hatte die FDP eine eigene Variante erarbeitet, die in ihren Augen eine bessere Lösung sei. In der FDP-Variante wird keine energetische Sanierung vorgenommen, sondern lediglich Geld für die Beseitigung des Brandschutzmängel sowie für die Gastronomiesanierung und notwendigen Reparaturen.

Klaus Gerhard sitzt für die FDP im Bauausschuss.

Die Liberalen sind der Meinung, dass man bereits mit kleinen Maßnahmen eine große Wirkung erzielen könnte. So könnte man beispielsweise auch optische Verschönerungen an der Fassade machen, um die oft kritisierte Optik des Bürgerhauses aufzuwerten. Insgesamt plant die FDP hierbei mit einem Kostenvolumen von rund 2,23 Millionen Euro. Dies wäre eine deutliche Einsparung im Gegensatz zu den Investitionskosten für den beschlossenen Neubau, der mit einer Summe von 8,4 Millionen beziffert wird.

„Wir sehen hierbei das größte Problem bei der Neuverschuldung“, erklärt Leo Hoffmann, Vorsitzendem der FDP Maintal. Im Jahr 2016 habe die Stadt eine Schuldlast von über 53 Millionen Euro gehabt. Laut Prognose soll diese Verschuldung bis 2026 auf über 150 Millionen Euro ansteigen. „Das Problem bei dieser Verschuldung sind nicht die Zinsen, sondern die Tilgung“, so Hoffmann. „Das schränkt uns in der Handlungsfähigkeit ein und führt zu einer Schuldenexplosion. Wir wollen nicht, dass Maintal ein Fall für Peter Zwegat wird.“

Komplettsanierung des Bürgerhaus Bischofsheim sei laut FDP Maintal nicht ökologisch

Abgesehen von den reinen Kosten, sehen die Liberalen in ihrem Entwurf auch eine ökologischere Lösung und beziehen sich hierbei auf eine Auskunft von Kristina Schneider. Schneider ist Bauingenieurin aus Maintal und hat sich ehrenamtlich mit der Thematik um das Bürgerhaus auseinandergesetzt. „Für mich war im ersten Moment nicht logisch, wieso das Bürgerhaus abgerissen werden sollte“, bestätigt Schneider, die sich das Gebäude vor Ort im Sommer selbst angesehen hatte. „Die Bausubstanz des Bürgerhaus erscheint in einem recht passablem Zustand. Baulich erforderliche Maßnahmen wie zum Beispiel die Brandschutzsanierung sind selbstverständlich umzusetzen und Mängel sind zu beheben. Diese rechtfertigen jedoch nicht den Abriss und die Neuerrichtung auf dem benachbarten Erbpachtgrundstück, gerade auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit.“

Kristina Schneider wurde von der FDP als Bauingenieurin hinzugezogen.

Bei der Einsicht der Unterlagen kritisiert die Bauingenieurin vor allem die fehlende Betrachtung einer zusätzlichen Variante mit alternativen, regenerativen Energien. Da das Bürgerhaus unter Bestandsschutz stehe, seien nicht zwangsläufig alle Fenster zu ersetzen und das komplette Gebäude in Dämmung zu packen. Durch eine zusätzliche Variantenuntersuchung mit der erforderlichen Teilsanierung des Bestandes und Nutzung durch beispielsweise Photovoltaikanlagen könnten laut Schneider die höheren Energiekosten im Vergleich zur Komplettsanierung mit beispielsweise Fassadendämmung und Fensteraustausch für das Bürgerhaus abgedeckt werden. Die Bauingenieurin ist der Meinung, dass dies von einem Fachplaner überprüft und den anderen Varianten gegenüber gestellt werden sollte.

Abgesehen von der Kosten und der Nachhaltigkeit sieht die FDP bei dem beschlossenen Neubau auch ein hohes Konfliktpotential wegen wegfallender Vereinsräume. So würde der schallisolierte Probenraum des Musik-Corps Bischofsheim in dem neuen Gebäude keine Beachtung finden. „Beim Musik-Corps reden wir nicht von einer kleinen Skatrunde“, untermauert Gerhard dieses Argument. Auch die beiden in Bischofsheim trainierenden Schützenvereine sowie die Kegler seien von dem Wegfall betroffen.

FDP Maintal möchte die Diskussion um das Bürgerhaus Bischofsheim neu entfachen

In der Machbarkeitsstudie zur Sanierung wurde zwar die Maintal-Halle als Ausweichmöglichkeit ausgewiesen, dies sei laut Hoffmann jedoch nicht möglich. „Auf Drängen der FDP hatte man damals eine Sanierung der Lüftungsanlage in der Maintal-Halle angestrebt. Dies wurde jedoch abgelehnt“, erinnert sich Hoffmann und stellt ein baldiges Ende des dortigen Spielbetriebs in Aussicht. „Es ist uns einfach wichtig, dass das alles nicht wegfällt“.

„Wir haben im Bürgerhaus viele Räume, die nicht genutzte werden. Zudem gibt es Vereine, die um Fläche betteln“, erklärt Gerhard. So könnte man laut FDP die seit längerer Zeit ungenutzten Räumlichkeiten im Bürgerhaus zur Aufbewahrung von beispielsweise Weihnachtsmarktutensilien des Vereinsrings nutzen.

Leo Hoffmann ist der Vorsitzende der FDP Maintal.

In dem Wegfall dieser Fläche befürchtet Gerhard weitere Kosten für die Stadt: „Das Problem ist, dass das nicht zu Ende gedacht ist. Wenn das neue Bürgerhaus steht, werden sich die Vereine beschweren und dann kommt irgendjemand auf die Idee eine Mehrzweckhalle bauen zu wollen.“

Mit dem Neuentfachen der Diskussion erhofft sich die FDP, dass noch einmal alle Alternativen Gehör finden. Vor allem, da man bei den Liberalen das Gefühl hat, dass die eigene, kostengünstigere Möglichkeit nicht angemessen diskutiert wurde. Dies soll sich laut FDP ändern.

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